Passanten in Barcelona tragen Masken | Bildquelle: REUTERS

Mundschutz Der neue, ständige Begleiter in Katalonien

Stand: 09.07.2020 04:40 Uhr

Die spanische Region Katalonien führt eine ungewöhnlich strenge Maskenpflicht ein. Von heute an muss jeder auf Straßen und Plätzen einen Mundschutz tragen. Sonst drohen Geldstrafen.

Von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

So leer waren die Ramblas in Barcelona im Juli wohl noch nie. Nur eine Handvoll Touristen schlendert die breite Promenade entlang - sonst sind eher Einheimische unterwegs. Und viele von ihnen tragen schon jetzt einen Mundschutz im Freien, wie Carlos. Der Enddreißiger hält die neue Verordnung für richtig.

Nichts, was helfen könne, die Lage zu verbessern, sei übertrieben, sagt er. Diana, Anfang 20, spaziert bisher ohne Maske auf den Ramblas. Doch gegen die neue Regel hat auch sie grundsätzlich nichts einzuwenden.

"Ich weiß nicht, ob das übertrieben oder gerechtfertigt ist. Bei diesem Virus ist alles so mysteriös. Man hat ja schon so vieles ausprobiert. Wenn sie nun glauben, dass es jetzt die Maskenpflicht sein soll, dann machen wir das eben. Die Zahlen steigen ja. Also müssen wir etwas tun."

Umstrittene Maßnahme

Allerdings ist der Nutzen eines Mund-Nasen-Schutzes im Freien unter Medizinern umstritten. Die neue Verordnung dürfte daher auch symbolischen Charakter haben. Die katalanische Regierung möchte die Menschen ermahnen, nicht zu leichtsinnig zu sein. In den vergangenen Tagen waren die Infektionszahlen in der Region gestiegen. Vor allem in der Gegend rund um die Großstadt Lleida registrierten die Behörden mehrere Virus-Ausbrüche; seit dem Wochenende steht das Gebiet daher unter einer Art Quarantäne. Die gut 200.000 Bewohner dürfen nicht mehr in andere Provinzen reisen. Gesundheitsministerin Alba Vergès sagt:

"Die allgemeine Regel lautet nun: Jeder verlässt seine Wohnung mit Maske. Egal, ob es zum Strand geht oder zur Arbeit oder zu einem Spaziergang. Wenn die Aktivität das Masken-Tragen nicht zulässt, darf man sie absetzen, aber mit Vorsicht."

Wie es mit der Maskenpflicht am Strand aussieht - dazu hielt sich die Ministerin in der Pressekonferenz bedeckt. Journalisten stellten neun Nachfragen zu dem Thema, nie ging die Politikerin auf sie ein. Am Abend teilte ihr Ministerium schließlich schriftlich mit, dass Besucher der Strände keinen Mundschutz tragen müssen; vorgeschrieben sei er nur für den Weg zum Strand und wieder zurück.

Abschreckende Wirkung auf Touristen befürchtet

Urlauber an der katalanischen Mittelmeerküste müssen sich also nicht komplett umstellen. Aber für sie gelten jetzt schärfere Corona-Regeln als für Touristen, die nach Mallorca oder nach Südspanien fahren. Valeri hält die neue Regelung daher für problematisch, sie könne Touristen abschrecken. Der Italiener arbeitet in einem Restaurant in Barcelona als Koch. 

Barcelona lebe vom Tourismus und ohne Urlauber könne die Stadt nicht überleben. Unklar ist noch, wie lange die Maskenpflicht in Katalonien gilt. Fest steht nur, dass ein Verstoß gegen die Regel ziemlich teuer werden kann: Die Behörden droht ein Bußgeld von 100 Euro an.

Der Mundschutz: Der neue, ständige Begleiter in Katalonien
Oliver Neuroth, HR
09.07.2020 06:03 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. Juli 2020 um 06:44 Uhr.

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