Laufschuhe in einem Trainingscenter in der kenianischen Kapsabet-Region. | Bildquelle: AFP

Läufer-Land Kenia Auf eigenen Sohlen

Stand: 15.06.2019 02:36 Uhr

Im Läufer-Land Kenia werden nun auch Profi-Schuhe produziert. Die Hoffnung der Marke "Enda" ist, dass das Land so von seinen weltbekannten Athleten auch wirtschaftlich profitieren kann.

Von Bettina Rühl, ARD-Studio Nairobi

Kenianische Läufer gehören zu den besten der Welt  - auch wenn das Land im Osten Afrika derzeit außerdem mit Doping-Skandalen Schlagzeilen macht. Trotzdem gilt ein Kenianer als der wohl beste Marathoni der Welt: Eliud Kipchoge stellte 2018 in Berlin einen neuen Weltrekord über die Strecke auf. Der 34-Jährige lief die 42,195 Kilometer in nur 2:01:39. Im selben Jahr brach sein Landsmann Abraham Kiptum auch den bisherigen Weltrekord im Halbmarathon, er absolvierte die Strecke in Valencia in 58:18 Minuten.

Sobald sie einigermaßen erfolgreich sind, werden die kenianischen Spitzensportler von internationalen Firmen unter Vertrag genommen, laufen in Schuhen aus westlicher, meist amerikanischer Produktion. Aber das könnte sich ändern: nun gibt es auch einen Laufschuh "Made in Kenya". Der Name der Marke: "Enda". In der Landessprache Swahili bedeutet das: "Lauf!"

Fabrik wird wochenweise gemietet

Robert schaut konzentriert auf seine Hände. Der Kenianer steht neben einem Fließband, pinselt Klebstoff auf die Sohle eines Schuhs. Dann gibt er die Sohle an einen Kollegen weiter, der das leuchtend grüne Oberteil eines Laufschuhs der Marke "Enda" auf die vorbereitete Sohle klebt.

"Als die erste Charge von Einzelteilen für das Modell Enda Iten hier ankam, waren wir sehr glücklich. Wir haben getan, was wir konnten, um daraus erstklassige Schuhe zu machen. Wir wollen die Erwartungen aller unserer Kunden erfüllen."

Robert und seine Kollegen setzten den ersten Enda-Schuh in der kenianischen Küstenstadt Mombasa im Juli 2017 zusammen. Seitdem haben sie ein paar tausend Paare produziert. Das ist wenig im internationalen Vergleich, aber ein großer Schritt für Kenia. Trotzdem reicht es nicht für eine eigene Produktionsstätte. Wenn genug Bestellungen zusammen sind, bucht "Enda" für ein paar Wochen Kapazitäten in der Fabrik in Mombasa. Die 33-jährige Navalayo Osembo hat das Unternehmen mit gegründet.

"'Enda' heißt 'los!' Das Wort ist Swahili. Viele Menschen in Kenia und anderen swahili-sprachigen Ländern feuern so ihr Lieblingsteam oder ihre Favoriten an. Sie rufen: 'Los! Los! Los!' - 'Enda! Enda! Enda!'"

Vom Laufsport profitieren

Mitte 2016 traf die Juristin und Wirtschaftsprüferin den US--Amerikaner Weldon Kennedy, einen Experten für soziale Kampagnen. Am Rande eines Forums für Unternehmensgründer diskutierten sie bei ein paar Tassen Kaffee, was sie beide umtrieb:

"In Kenia gibt es so viele gute Läuferinnen und Läufer. Wie können wir mehr daraus machen, als bloß an Wettkämpfen teilzunehmen? Kann unsere Wirtschaft vom Sport profitieren, so dass wir an der Weltwirtschaft teilhaben? Und Arbeitsplätze und Chancen schaffen, damit mehr Menschen etwas aus ihrem Leben machen und selbst bestimmen können, was sie sich für das eigene Leben wünschen und für die Zukunft ihrer Kinder."

Die beiden beschlossen kurzerhand, einen Laufschuh in Kenia zu produzieren. Das Geld für ihr erstes Modell sammelten die jungen Unternehmensgründer durch eine Kampagne auf der Online-Plattform Kickstarter. Ihren Prototyp und die bisher zwei Modelle entwickelten sie zusammen mit kenianischen Athleten. Die Sportler trainieren mit den Schuhen, testen sie dadurch und schlagen Veränderungen vor. Die 28-jährige Joan Cherop Massah ist eine der "Enda"-Athletinnen.

Noch nicht 100 Prozent "made in Kenya"

Die Langstreckenläuferin lebt in Kaptagat im kenianischen Hochland, der Heimat der kenianischen Spitzensportler. An den Wänden in ihrem Holzhaus hängen Fotos, die ihre sportlichen Erfolge dokumentieren. Ihr bisher größter Triumph: Der Sieg im Marathon in US-amerikanischen Iowa 2017, sie lief die Strecke in 2:42:43.

"Ich bin sehr glücklich über diesen Schuh, und sehr stolz auf Kenia, dass wir ebenso gute Laufschuhe produzieren können wie andere Länder."

So ganz stimmt das allerdings noch nicht: Noch sind Schuhe der Marke Enda nicht 100 Prozent "made in Kenya".  

"Uns fehlt es dafür noch an Kompetenz und Kapazitäten. Das Einfachste am Produktionsprozess ist das Zusammensetzen der vorgefertigten Teile, das machen wir hier. Die Einzelteile lassen wir in China produzieren. “Made in Kenya” ist unser Ziel. Wir kommen dem auf jeden Fall näher. Anfangs fanden nur 28 % der Fertigung hier statt, jetzt sind es 35 %, bald wird es mehr als die Hälfte sein."

Das wird noch mehr Arbeitsplätze bringen, hofft Osembo. Und noch mehr Chancen für kenianische Sportler. Denn das Unternehmen sponsert auch Läufer, die sich den Profi-Schuh sonst nicht leisten könnten.

Robert, der Arbeiter in der Schuhfabrik, will jedenfalls alles für den Erfolg der Firma tun.

"Wir sind stolz darauf, dass wir daran teilhaben. Und wir versprechen, dass jede Charge, die wir produzieren, besser sein wird als die letzte."

Auf eigenen Sohlen - Im Läufer-Land Kenia werden nun auch Profi-Schuhe produziert
Bettina Rühl, ARD Nairobi
14.06.2019 23:38 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. Juni 2019 um 19:37 Uhr und 19:45 Uhr.

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