Kenia, Nairobi: Ein Frau geht an einem Wandgemälde vorbei, das über die Gefahren des Coronavirus informiert. | Bildquelle: dpa

Kenia lehnt G20-Angebot ab Schuldenerleichterungen? Nein danke!

Stand: 15.08.2020 13:30 Uhr

Die Corona-Krise bringt viele afrikanische Staaten an den Rand der Zahlungsunfähigkeit. Die G20 boten ihnen an, Zinszahlungen in Milliardenhöhe auszusetzen. Doch Kenia - und andere Länder - lehnen das Angebot ab.

Von Bettina Rühl, ARD-Studio Nairobi

Die G20, also die 20 reichsten Länder der Welt, wollten bis zum Ende des Jahres Zinszahlungen in Milliardenhöhe für die ärmsten Länder der Welt aussetzen. Doch in Afrika nahmen das Angebot bis Anfang August nur 28 Länder an. Auch das hoch verschuldete Kenia nicht. Den Grund dafür erklärte Finanzminister Yukur Shatani im Interview mit Reuters: "Hätten wir die Initiative der G20 angenommen, würde das als erheblicher Verstoß gegen unsere Zahlungsverpflichtungen gewertet. Das würde uns den Zugang zu anderen Gebern auf dem Kreditmarkt versperren."

Denn Ratingagenturen könnten die Kreditwürdigkeit dieser Länder weiter herabsetzen. Vielen geben die Agenturen schon jetzt ein "mangelhaft", bis zum Ramsch ist es nicht weit.

Downgrading befürchtet

Im Juni wandte sich Präsident Uhuru Kenyatta an China, die Ansprache wurde im kenianischen Fernsehen übertragen. Kenyatta will Schuldenerleichterungen - aber ohne ein Downgrading seines Landes zu riskieren.

"Ich danke Ihnen, Präsident Xi, dass sie sich der G20-Initiative angeschlossen haben, um die ärmsten Länder im Kampf gegen die Corona-Pandemie zu unterstützen. Aber angesichts des Ausmaßes, in dem das Virus unsere Wirtschaft getroffen hat, möchte ich China bitten, noch mehr Schuldenerleichterungen anzubieten, und auch Handelsvorteile für afrikanische Länder zu erwägen. Das alles, damit die afrikanischen Staaten für ihre wirtschaftliche Erholung genug Luft zum Atmen haben."

Libanon als "Vorbote"

Auch mit den anderen Gläubigern - darunter der EU, Deutschland und Japan - möchte Kenia bilateral den Aufschub von Zahlungen vereinbaren. Der kenianische Finanzberater Aly-Khan Satchu hört diese Appelle allerdings mit größter Skepsis: "Ich finde, die G20 haben ein faires Angebot gemacht: Schuldenerleichterungen gegen eine genauere Prüfung, wo die Gelder eingesetzt werden."

In der gegenwärtigen Situation sei das absolut angemessen. "Die Länder, die die G20-Initiative nicht angenommen haben, wollen diese zusätzlichen Finanzprüfungen vermeiden", sagt Satchu. "Sie wollen so weitermachen wie bisher. Aber das hat uns in die Lage gebracht, in der wir sind. Und täuschen wir uns nicht: Unsere Situation ist apokalyptisch."

Laut dem Finanzberater haben viele Länder ihre Auslandsschulden innerhalb von nur vier Jahren verdoppelt. Kenia muss fast 70 Prozent seines Bruttoinlandsproduktes für Zinsen und die Abzahlung der Schulden aufbringen - wirtschaftlich eine katastrophale Situation, die sich mit einer leichten, weiteren Abwertung des Shillings über Nacht noch deutlich verschärfen könnte. "Hier wird dasselbe passieren, wie im Libanon", befürchtet Santchu - die Ereignisse dort habe er verfolgt. "Es gibt eine Regierung, die den Ernst der Lage nicht versteht. Und aufgrund der Wirtschaftslage verlieren die Ersparnisse der Bürger ihren Wert, weil die Währung verfällt. Libanon ist für mich ein Vorbote."

Afrika: Schuldenerleichterungen? Nein Danke!
Bettina Rühl, ARD Nairobi
15.08.2020 12:52 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. August 2020 um 13:44 Uhr.

Darstellung: