Tür am saudischen Konsulat in Istanbul | Bildquelle: SEDAT SUNA/EPA-EFE/REX/Shutterst

Fall Khashoggi Saudi-Arabien warnt vor Sanktionen

Stand: 15.10.2018 12:32 Uhr

Deutschland, Frankreich und Großbritannien fordern von Saudi-Arabien "glaubhafte Ermittlungen" im Fall des verschwundenen Journalisten Khashoggi. Saudi-Arabien geht wiederum auf Konfrontationskurs.

Die Außenminister Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens haben Saudi-Arabien eindringlich aufgefordert, das Verschwinden des saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi aufzuklären. "Wir nehmen diesen Vorfall überaus ernst", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung. Erwartet werde "eine detaillierte und umfassende Antwort" der saudi-arabischen Regierung. Diese Botschaft sei direkt an die saudi-arabischen Behörden übermittelt worden.

Die Verteidigung der freien Meinungsäußerung und einer freien Presse sowie die Gewährleistung des Schutzes von Journalisten stellten für die drei Länder "zentrale Prioritäten" dar, hieß es in der gemeinsamen Erklärung weiter. Das Verschwinden Kashoggis, dessen Familie seit dem 2. Oktober keinen Kontakt mehr zu ihm habe, müsse aufgeklärt werden: Es bedürfe "glaubhafter Ermittlungen, um die Wahrheit ans Licht zu bringen und gegebenenfalls jene zu identifizieren, die für das Verschwinden von Jamal Kashoggi verantwortlich sind", erklärten die Außenminister. Zudem müssten die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.

Von Khashoggi ist seit einem Besuch im saudiarabischen Konsulat in Istanbul am 2. Oktober verschwunden. Türkische Ermittler gehen davon aus, dass der prominente Regierungskritiker im Konsulat von saudiarabischen Agenten ermordet wurde. Die Türkei warf Saudi-Arabien vor, bei den Untersuchungen nicht ausreichend zu kooperieren. Außenminister Mevlüt Cavusoglu forderte Riad erneut auf, türkischen Ermittlern Zugang zum Konsulat in Istanbul zu verschaffen.

Türkei will Gebäude untersuchen

Das Botschaftsgebäude soll am späten Nachmittag durchsucht werden. Die Untersuchung werde gemeinsam von Vertretern der Türkei und Saudi-Arabiens durchgeführt. Das kündigte das türkische Außenministerium an.

Konsulat von Saudi-Arabien in Istanbul | Bildquelle: AP
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Im Konsulat von Saudi-Arabien in Istanbul hatte Khashoggi einen Termin.

Saudi-Arabien warnt vor Sanktionen

Riad bestreitet den Mordvorwurf - und verbittet sich Sanktionen. So drohte Saudi-Arabien mit Vergeltungsmaßnahmen, sollten wegen des Falles Wirtschaftssanktionen gegen das Königreich verhängt werden. Jede Maßnahme werde mit einer härteren Gegenmaßnahme beantwortet - so zitiert die staatliche Nachrichtenagentur SPA das Außenministerium.

Angesichts des Verdachts, dass Kronprinz Mohammed bin Salman den Journalisten Khashoggi im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul ermorden ließ, sind zahlreiche westliche Unternehmen auf Distanz gegangen. Auch Firmen, die den Reformkurs des Kronprinzen bisher unterstützten, stellten ihre Gespräche über Investitionen vorläufig ein; andere sagten ihre Teilnahme an einem Wirtschaftsgipfel in Saudi-Arabien Ende Oktober ab.

US-Präsident Donald Trump drohte dem Königshaus mit einer "schweren Strafe", sollte sich der Verdacht bestätigen, dass Khashoggi ermordet wurde. Dennoch will Trump an einem Waffengeschäft im Wert von 90 Milliarden Euro festhalten, das er bei einem Besuch in Saudi-Arabien im vergangenen Jahr abschloss. Der US-Präsident verwies darauf, dass Hunderttausende Arbeitsplätze in den USA betroffen wären. Trump fügte aber hinzu: "Es gibt andere Dinge, die wir tun können, die sehr, sehr wirksam sind, sehr stark."

Mit Informationen von Björn Blaschke, ARD-Studio Kairo.

Saudi-Arabien: Drohungen gegen Sanktionspolitik im Fall Khashoggi
Björn Blaschke, ARD Kairo
15.10.2018 08:18 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. Oktober 2018 um 17:00 Uhr.

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