US-Außenminister Pompeo trifft den saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman | Bildquelle: US DEPARTMENT OF STATE/HANDOUT/E

Fall Khashoggi US-Regierung steht hinter Königshaus

Stand: 17.10.2018 07:14 Uhr

Wegen der guten Beziehungen zu Saudi-Arabien steht für die USA im Fall Khashoggi viel auf dem Spiel. Präsident Trump verteidigte die saudische Regierung. Andere erhöhen den Druck auf Riad.

Für US-Präsident Donald Trump ist die Ermordung Jamal Khashoggis eine schwierige diplomatische Krise. Die Verbindungen in das Königreich sind eng. Saudi-Arabien ist ein wichtiger Öllieferant, ein großer Kunde für Waffenexporte. Und nicht zuletzt hat Trump von Anfang an seine Nahostpolitik mit Saudi-Arabien als Partner abgestimmt.

US-Präsident Trump | Bildquelle: REUTERS
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Trump warnt im Fall Khashoggi vor Vorverurteilungen

Klare Strategie des Weißen Hauses ist es jetzt, den König und den Kronprinzen sauber zu halten. Er habe mit beiden gesprochen, so Trump, und beide hätten ihm versichert, nichts mit dem Mord zu tun oder davon gewusst zu haben. Er äußerte die Hoffnung, dass Saudi-Arabien interne Ermittlungen zum Fall Khashoggi "in weniger als einer Woche" abschließen könne.

Im Interview mit der Nachrichtenagentur AP nahm er Saudi-Arabien in Schutz und beklagte eine internationale Vorverurteilung des Königreichs. "Da haben wir es schon wieder - man weiß, man ist schuldig, bis die Unschuld bewiesen ist. Ich mag das nicht", sagte Trump. Den Fall verglich er mit den Vorwürfen sexueller Nötigung gegen den inzwischen an den Obersten Gerichtshof der USA berufenen Richter Brett Kavanaugh. Dieser sei aus seiner Sicht von jeher unschuldig gewesen. Auch im Fall Khashoggi sollte man "zuerst herausfinden, was passiert ist".

Trump telefonierte mit Kronprinz und König

Kurz vor dem Interview telefonierte Trump mit Kronprinz Mohammed. Einen Tag vorher hatte er bereits mit König Salman gesprochen. Beide hätten versichert, dass die saudische Führung nichts von den angeblichen Vorkommnissen in der saudischen Botschaft in Istanbul gewusst habe, betonte Trump. Dem Sender "Fox Business" sagte er, sollten sie doch davon gewusst haben, "dann wäre das sehr schlecht".

Pompeo: "Ernsthafte und glaubwürdige Untersuchung"

US-Außenminister Mike Pompeo sagte nach einem Treffen mit König Salman und Kronprinz Mohammed in Riad, das Königreich habe bereits mit einer "ernsthaften und glaubwürdigen Untersuchung" des Falls begonnen. "Mein Urteil nach dem Treffen ist, dass es ein ernsthaftes Bekenntnis gibt, alle Fakten zu finden und Verlässlichkeit zu garantieren, auch die Verlässlichkeit gegenüber hochrangigen saudischen Führungsfiguren und Beamten", teilte Pompeo mit.

Die Spur könnte zu Personen im Königreich führen. Die saudi-arabische Führung habe keine Ahnung von den Vorgängen in dem Konsulat in Istanbul, sich aber zur Rechenschaft verpflichtet. Dies bedeute, dass sich unter Umständen auch "ranghohe Führer und Beamte in Saudi-Arabien" verantworten müssten, sagte Pompeo, der inzwischen in der Türkei gelandet ist. Dort will der mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan über den Fall Khashoggi sprechen.

Verdächtige aus dem Umfeld des Kronprinzen?

Von Khashoggi fehlt jede Spur, seit er vor rund zwei Wochen das Konsulat Saudi-Arabiens in Istanbul betrat. Türkische Ermittler hegen den Verdacht, dass er dort ermordet wurde. Riad bestreitet dies, ist aber den Beweis schuldig geblieben, dass der Journalist das Konsulat lebend wieder verließ.

Einem Bericht der "New York Times" zufolge sollen Verdächtige in dem Fall dem Umfeld von Kronprinz Mohammed angehören. Einer von ihnen habe den Kronprinzen in diesem Jahr bei Reisen in die USA, nach Spanien und Frankreich begleitet, berichtete die Zeitung. Möglicherweise handle es sich um einen Leibwächter. Drei andere Verdächtige würden ebenfalls dem Sicherheitsdienst Mohammeds zugerechnet. Bei einem weiteren Verdächtigen handele es sich um einen Gerichtsmediziner, der in Saudi-Arabien hohe Ämter bekleidet habe. Von den 15 Verdächtigen, welche die türkischen Behörden ausgemacht haben, hätten mindestens neun für saudi-arabische Sicherheitsdienste, die Armee oder Ministerien gearbeitet.

Türkische Behörden untersuchen mehrere Proben

In der Nacht zum Dienstag hatte ein Team aus türkischen und saudischen Ermittlern neun Stunden lang das Konsulat inspiziert. Nach der Durchsuchung gab ein Behördenvertreter an, die Polizisten hätten mehrere Proben genommen, die nun analysiert werden sollen, unter anderem von der Erde aus dem Garten des Konsulats. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte, man schaue sich mögliche Spuren "giftiger Substanzen" genauer an.

Die Ermittler begannen außerdem, den Wohnsitz des Konsuls Mohammed Al-Otaibi zu durchsuchen. Sicherheitskräfte bauten vor seiner Villa Barrikaden auf. Der Konsul selbst soll türkischen Staatsmedien zufolge am Nachmittag aus der Türkei nach Saudi-Arabien abgereist sein. Aus Riad gab es dafür zunächst keine Bestätigung.

Jamal Khashoggi (Archiv Foto von 2011) | Bildquelle: AFP
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Der saudische Journalist Jamal Kashoggi (Archivfoto von 2011) hatte Anfang Oktober das Konsulat in Istanbul betreten, jedoch nicht wieder verlassen.

G-7-Staaten sind "sehr besorgt"

Die Außenminister der G-7-Staaten äußerten sich "sehr besorgt" über das Verschwinden Khashoggis. Sie forderten Saudi-Arabien zu einer "gründlichen, glaubwürdigen, transparenten und zügigen Untersuchung" auf. "Diejenigen, die für sein Verschwinden Verantwortung tragen, müssen zur Rechenschaft gezogen werden."

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, sagte inzwischen ihre geplante Teilnahme einer großen Investoren-Konferenz in Saudi-Arabien ab, wie ein IWF-Sprecher mitteilte. Noch vor wenigen Tagen hatte Lagarde erklärt, sie werde trotz erheblicher Vorwürfe gegen die politische Führung des Königreichs nach Riad reisen.

Am 23. Oktober soll eine große Investorenkonferenz mit einem Großaufgebot an Prominenz aus Wirtschaft und Politik in Riad stattfinden. Nach den Vorkommnissen um Khashoggi hagelte es jedoch bereits Absagen. Unter anderem haben der Chef der Großbank HSBC, John Flint, sowie die Vorstandsvorsitzenden des Unterhaltungskonzern Viacom und vom Fahrdienstleister Uber abgesagt. Auch der britische Großinvestor Richard Branson hatte sich bereits zurückgezogen. Zahlreiche Medienunternehmen werden dem Treffen ebenfalls fernbleiben. Bisher nicht offiziell abgesagt haben unter anderem US-Finanzminister Steven Mnuchin und der Vorstandsvorsitzende von Siemens, Joe Kaeser. Siemens teilte mit, man beobachte die Situation noch.

Mit Informationen von Arthur Landwehr, ARD-Studio Washington

Neue Entwicklungen im Fall Khashoggi nach Durchsuchung von saudi-arabischem Konsulat
tagesthemen 21:35 Uhr, 16.10.2018, Oliver Mayer-Rüth, ARD Istanbul

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 16. Oktober 2018 um 21:35 Uhr.

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