Der Journalist Khashoggi spricht im September 2018 während einer Nahost-Konferenz | Bildquelle: REUTERS

Sanktionen gegen Riad Großbritannien zieht nach

Stand: 24.10.2018 15:41 Uhr

Nach den USA hat nun auch Großbritannien erste Sanktionen im Fall Khashoggi verhängt. Verdächtige wurden mit Einreisesperren belegt. Am Tatort selbst konzentrieren sich die Ermittler auf einen Brunnen.

Die britische Regierung hat im Fall des getöteten Journalisten Jamal Khashoggi wie die USA erste Sanktionen beschlossen. Premierministerin Theresa May teilte mit, Verdächtige würden mit Einreisesperren belegt. Bereits erteilte Visa würden zurückgezogen. Ihr Land werde alles tun, um zu verhindern, dass die Verdächtigen in Großbritannien einreisen können.

Großbritannien handelt damit im Einklang mit den USA, die kurz zuvor Einreisesperren gegen 21 Verdächtige aus Saudi-Arabien verhängt hatten. Die Betroffenen entstammen dem Geheimdienst, dem Königshof, dem Außen- und anderen Ministerien, teilte das US-Außenamt mit. Außenminister Mike Pompeo kündigte an, die Sperren würden "nicht das letzte Wort der USA in dieser Angelegenheit sein".

Denkbar seien auch Finanzsanktionen gegen Einzelpersonen. May sagte, der Umgang mit Rüstungsexporten nach Saudi-Arabien werde geprüft. Auch die französische Regierung drohte mit Sanktion, ließ aber offen, welche dies sein können. Die spanische Regierung teilte dagegen mit, man halte an bereits geschlossenen Waffendeals mit Saudi-Arabien fest

Der Ton ändert sich

Die USA und insbesondere Präsident Donald Trump hatten sich lange vorsichtig zum Tod Khashoggis geäußert und Vertrauen in die saudischen Versionen geäußert. Inzwischen hat Trump seine Tonlage geändert. In Washington sprach er von einer "dilettantisch verschleierten Tötung" und einem "totalen Fiasko". Schon der Tatplan sei "sehr schlecht" gewesen, sagte Trump im Weißen Haus. "Er wurde schlecht ausgeführt, und die Vertuschungsaktion war eine der schlechtesten Vertuschungsaktionen in der Geschichte."

Erstmals schloss Trump auch nicht aus, dass der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman hinter dem Tod Khashoggis steckt. Der Prinz leite de facto die Regierungsgeschäfte, sagte er. "Wenn es also irgendjemand war, dann er."

Was sagt der Kronprinz?

Damit richtet sich der Blick noch stärker auf den Kronprinz. Einige der Verdächtigen stammen aus seinem unmittelbaren Umfeld, so dass Beobachter es für undenkbar halten, dass sie eigenständig gehandelt haben sollen. Auch gibt es Medienberichte, nach denen Salman kurz vor dem Tod Khashoggis mit ihm telefoniert haben soll.

Salman hat sich bislang nicht zu dem Fall geäußert, sondern nur in Telefongesprächen mit Staatslenkern Stellung genommen und dabei eine Verwicklung bestritten. Dies könnte sich heute ändern. Salman will auf dem von ihm gegründeten Wirtschaftsforum in Riad äußern. Das Treffen wird vom Fall Khashoggi überschattet, viele Politiker und Unternehmer haben ihre Teilnahme abgesagt. Trotzdem wurden bereits am ersten Tag des Forum Geschäfte in Millardenumfang beschlossen.

Zugleich sicherte die saudische Zentralbank zu, dass sie einen Boykott der Konferenz nicht ahnden werde. Es werde keine Sanktionen gegen Banken geben, gab sie bekannt.

Spuren im Brunnen?

In Istanbul versuchen die Ermittler weiterhin, die Umstände des Todes Khashoggis und den Verbleib seiner Leiche aufzuklären. Nach Berichten türkischer Medien beantragten die Behörden, einen Brunnen in dem saudischen Konsulat untersuchen zu dürfen. Dies sei bei zwei Einsätzen abgelehnt worden. Inzwischen aber soll die Genehmigung doch erteilt worden sein, berichtet das türkische Fernsehen NTV.

Die Ermittler hatten das saudische Generalkonsulat in Istanbul vergangene Woche zweimal und die Residenz des Konsuls einmal durchsucht. Es ist unklar, was sie dabei fanden.

Haspel in Istanbul

Türkischen Medienberichten zufolge hat die Türkei mittlerweile CIA-Chefin Gina Haspel über die Ermittlungen zum Fall Khashoggi informiert. Die regierungsnahe Zeitung "Sabah" berichtete, der türkische Geheimdienst MIT habe Haspel bei einem Besuch in Ankara "Video- und Audioaufnahmen" gezeigt und ihr die bei der Durchsuchung des saudiarabischen Konsulats und der Residenz des Konsuls gesammelten Beweise vorgelegt.

Türkische Medien berichten seit Wochen, dass die Ermittler über Ton- und Bildaufnahmen aus dem Konsulat verfügen, welche die Tötung des "Washington Post"-Kolumnisten belegen sollen. Die Regierung in Ankara hat dies bisher aber nicht bestätigt. Auch Präsident Recep Tayyip Erdogan erwähnte die Existenz solcher Aufnahmen in einer Rede zum Fall Khashoggi am Dienstag nicht.

Saudi-Arabien hat zugegeben, dass Khashoggi im Konsulat umgekommen war, stellte das aber als Folge einer Schlägerei dar. Der saudische Journalist hatte das Konsulat am 2. Oktober betreten und war nicht mehr herausgekommen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. Oktober 2018 um 16:00 Uhr.

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