Jamal Khashoggi | Bildquelle: AP

Mordfall Khashoggi "Organisiertes und geplantes Verbrechen"

Stand: 02.10.2019 11:09 Uhr

Ein Jahr danach ist der Mord an dem Journalisten Khashoggi noch nicht aufgeklärt. Seine Leiche wurde bis heute nicht gefunden. Doch der internationale Druck auf Saudi-Arabien, den Fall aufzuarbeiten, nimmt ab.

Von Karin Senz, ARD-Studio Istanbul

Es klingt wie aus einem James-Bond-Film, was dem saudischen Journalisten Jamal Khashoggi wohl passiert ist. Vor genau einem Jahr soll er in das Konsulat seines Landes in Istanbul gegangen und dort umgebracht worden sein. Seine Leiche habe man zerstückelt und in Säure aufgelöst, so die Vorwürfe aus der Türkei an das Königshaus in Saudi-Arabien. Khashoggi stand der Führung seines Landes kritisch gegenüber.

Erster Jahrestag der Ermordung von Journalist Khashoggi
tagesschau 14:00 Uhr, 02.10.2019, Oliver Mayer-Rüth, ARD Istanbul

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Die Nachricht vom Tod Khashoggis dominierte anfangs vor allem die türkischen Medien - bis mehr und mehr zu den unfassbaren Umständen bekannt wurde. Die UN-Sonderberichterstatterin Agnès Callamard hörte sich für ihren Bericht Aufnahmen von der Tat im saudischen Konsulat in Istanbul an.

Im Interview mit dem Deutschlandfunk schilderte sie: "Was wirklich grausig war, das waren die Geräusche, die wir gehört haben. Manchmal waren sie ein bisschen schwer zu interpretieren. Aber man hat auf jeden Fall hören können, dass es da ein Handgemenge gegeben hat, und dass da jemand ums Überleben gekämpft hat."

"Saudi-Arabien als Staat unmittelbar beteiligt"

Saudi-Arabien behauptete erst, Khashoggi habe das Konsulat lebend wieder verlassen, sprach dann von einem Unfall. Für Callamard gibt es allerdings wenig Zweifel an einem geplanten Mord. Dafür spreche beispielweise, dass im Vorfeld ein Gerichtsmediziner involviert war.

Schon bevor Khashoggi das Konsulat betreten habe, hätte dieser darüber gesprochen, wie er Khashoggis Körper zerlegen würde. "Das läßt nur drei Schlussfolgerungen zu. Erstens: Es war ein organisiertes und geplantes Verbrechen. Zweitens: Der Mord war Teil der Planung. Drittens: Saudi-Arabien ist als Staat unmittelbar beteiligt."

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit

In Saudi-Arabien startete Anfang dieses Jahres ein Prozess gegen elf Verdächtige - allerdings weitestgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Die wenigen internationalen Beobachter, die Riad ab und zu zulässt, dürfen nichts berichten.

Erol Önderoglu von Reporter ohne Grenzen in der Türkei spricht von einem Schauprozess: "Wir haben große Sorge, dass alle, die das saudische Regime angeklagt hat, zum Tode verurteilt werden und die Wahrheit geopfert wird. Wir müssen ganz klar die identifizieren, die in diesen Mord verstrickt sind, und zwar die Drahtzieher."

Viele Finger zeigen ganz direkt auf den saudischen Kronprinzen Mohammad Bin Salman. Der übernahm in einem US-Fernsehinterview zwar die Verantwortung für den Mord, bestreitet aber den Auftrag gegeben zu haben. Anfangs mieden Staatschefs den Kontakt zum Kronprinzen auf internationalen Treffen. Aber die Front bröckelte, nachdem US-Präsident Donald Trump sich demonstrativ hinter ihn stellte.

Erdogan will weitere Aufklärung

Internationaler Druck für eine Aufklärung des Falls fehlt, sagt Önderoglu. Dass sowohl Deutschland als auch Großbritannien und die USA schweigen würden, sei schwach von diesen Ländern. "Khashoggi war ein Kolumnist der Washington Post, ermordet auf türkischem Territorium, auf dem aber Saudi-Arabien die Verantwortung trägt. Also nur an die Türkei Erwartungen zu haben, ist etwas unfair."

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan erklärte vor wenigen Tagen: "Es mag einigen nicht gefallen, aber wir werden uns weiter für die Aufklärung im Fall des Journalisten Jamal Kashoggi einsetzen."

Gedenkfeier in Istanbul

Heute gibt es eine Gedenkfeier vor dem saudischen Konsulat in Istanbul. Beginn um 13.14 Uhr. Das ist der Zeitpunkt, zu dem Khashoggi genau vor einem Jahr in das Gebäude ging, um Hochzeitspapiere abzuholen. Seine Verlobte, Hatice Cengiz, sah ihn da zum letzten Mal. Ihr gehe es nicht darum, Druck auszuüben.

"Es geht um eine Botschaft, um Aufmerksamkeit für diese unglaublichen Ereignisses. Am 2.Oktober, an dem Datum, an dem ich gewartet habe, am diesem Ort, werde ich diese Botschaft in die Welt senden: Was habt ihr getan? Dafür müsst ihr zur Rechenschaft gezogen werden."

An ein Grab kann sie dazu nicht gehen. Es gibt keines. Die Leiche von Jamal Khashoggi ist bis heute nicht gefunden.

Aktenzeichen Khashoggi ungelöst? Ein Jahr nach dem Mord im Konsulat
Karin Senz, ARD Istanbul
02.10.2019 09:06 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 02. Oktober 2019 um 09:37 Uhr.

Korrespondentin

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Karin Senz, SWR

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