Kim Jong Un und Kim Su Gil | Bildquelle: REUTERS

Vor US-Nordkorea-Gipfel Kim tauscht Militärführung aus

Stand: 04.06.2018 11:34 Uhr

Der nordkoreanische Machthaber Kim hat seinen Verteidigungsminister und weitere hohe Militärs abgesetzt. Damit will er sich kurz vor dem Treffen mit Trump offenbar die Loyalität der Armee sichern.

Gut eine Woche vor dem geplanten Treffen mit US-Präsident Donald Trump hat Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un die Militärführung seines Landes ausgetauscht. Die obersten drei Militärs seien ersetzt worden, sagte ein hochrangiger US-Regierungsvertreter in Washington. Er bestätigte damit eine Meldung der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap, nach der neben Verteidigungsminister Pak Yong Sik zwei weitere Top-Militärs ihre Posten verloren.

"Kim will Linie der Verhandlungsbereitschaft durchsetzen"

Experten werteten den Schritt als Versuch Kims, sich in einer entscheidenden politischen Phase die Kontrolle über das Militär zu sichern. US-Regierungskreisen zufolge regt sich im Militär Widerstand gegen Kims Kurs. Auch ARD-Korrespondent Klaus Scherer sieht dies als Grund: "Kim möchte offenbar seine neue Linie der Verhandlungsbereitschaft auch in der Armee durchsetzen." Sie gilt neben der Kommunistischen Partei und der Kim-Familie als einer der drei zentralen Machtstützen des Regimes. Und im Militär gebe es durchaus noch Hardliner, die eher auf Abschreckung statt auf Diplomatie setzten.

Trump und Kim | Bildquelle: AP
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Zuletzt reist der Vertraute des nordkoreanischen Machthabers, Kim Yong Chol, zu Gesprächen nach Washington.

Die neue Führungsriege besteht aus besonders treuen Gefolgsleuten Kims, die zudem jünger sind als ihre Vorgänger und als versierter im Austausch mit internationalen Delegationen gelten. Wie die Agentur Yonhap unter Berufung auf Geheimdienstkreise berichtete, wird der bisherige Verteidigungsminister durch seinen Vize, No Kwang Chol, ersetzt. Auch Generalstabschef Ri Myong Su wird demnach von seinem Stellvertreter Ri Yong Gil abgelöst. Nordkoreanische Staatsmedien bestätigten bereits, dass Armeegeneral Kim Su Gil neuer Direktor des allgemeinen politischen Büros der Volksarmee wird.

Kim blickt nach vorne

Kim bereitet sich und sein Land derzeit auf das Gipfeltreffen mit Trump vor, das am 12. Juni in Singapur geplant ist. Der US-Präsident hat eine Lockerung von Wirtschaftssanktionen in Aussicht gestellt, wenn Nordkorea sein Atomwaffenprogramm aufgibt. Der Druck auf Nordkorea werde aber erst dann gelockert, wenn das Land überprüfbare und unumkehrbare Schritte hin zu atomarer Abrüstung geht.

Während die nukleare Bewaffnung in der nordkoreanischen Führung bisher als zentral für den Erhalt ihrer Herrschaft galt, konzentriert sich Kim mehr auf die wirtschaftliche Entwicklung des verarmten Landes. Auch hier sieht ARD-Korrespondent Scherer einen möglichen Grund für den aktuellen Personalwechsel: "Kim blickt bereits in die Zukunft und hofft auf einen zivilen und wirtschaftlichen Aufbau seines maroden Landes. Dabei könnte das Militär an Bedeutung verlieren - deshalb ist es ihm wichtig, dass dort loyale, ihm ergebene Leute an der Spitze sitzen." Sonst drohten dem Land innere Machtkämpfe, die die Entwicklung bremsen könnten.

Putin lädt Kim ein

Zudem wurde bekannt, dass Russlands Präsident Wladimir Putin den nordkoreanischen Machthaber im September eingeladen hat. Außenminister Sergej Lawrow sagte, man habe eine offizielle Einladung zum Wirtschaftsforum, das jedes Jahr in Wladiwostok stattfindet, nach Pjöngjang geschickt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. Juni 2018 um 08:00 Uhr.

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