Corona-Pandemie Weltweit 168 Millionen Kinder ohne Schule

Stand: 03.03.2021 03:46 Uhr

Das UN-Kinderhilfswerk UNICEF beklagt eine katastrophale Bildungskrise: Mehr als 168 Millionen Kinder seien weltweit seit fast einem Jahr aufgrund von Lockdowns vollständig vom Schulbesuch ausgeschlossen.

Seit fast einem Jahr sind nach Angaben von UNICEF mehr als 168 Millionen Kinder weltweit wegen Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie vom Schulunterricht ausgeschlossen. 214 Millionen Kinder hätten mehr als drei Viertel ihres Unterrichts verpasst, berichtete das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen. UNICEF-Exekutivdirektorin Henrietta Fore sprach von einer "katastrophalen Bildungskrise" wegen des weltweiten Lockdowns.

Dem Bericht zufolge haben sich 14 Länder von März 2020 bis Februar 2021 weitgehend im Lockdown befunden. Zwei Drittel dieser Länder gehören zu Lateinamerika und der Karibik und zählen gemeinsam fast 98 Millionen Schulkinder. Von den 14 Ländern waren demnach die Schulen in Panama die meisten Tage geschlossen, gefolgt von El Salvador, Bangladesch und Bolivien.

Gefahr lebenslanger Nachteile

In Schulen würden Kinder sich mit Gleichaltrigen austauschen, Unterstützung erhalten, Zugang zu Gesundheitsdiensten und Impfungen sowie eine Mahlzeit bekommen. Die am stärksten Gefährdeten und die Kinder ohne Zugang zu Distanzunterricht sind laut UNICEF einem erhöhten Risiko ausgesetzt, nie in die Schule zurückzukehren und zu Kinderehen oder Kinderarbeit gezwungen zu werden.

Neuesten Daten der Unesco zufolge sind weltweit mehr als 888 Millionen Kinder durch vollständige oder teilweise Schulschließungen in ihrer Bildung beeinträchtigt. "Die am meisten benachteiligten Kinder zahlen den höchsten Preis", sagte Fore. "Wir dürfen nichts unversucht lassen, um die Schulen offen zu halten oder ihrer raschen Wiedereröffnung Priorität einzuräumen."

Installation in New York soll auf Krise hinweisen

Auf die Bildungskrise will UNICEF mit der Installation "Pandemic Classroom" aufmerksam machen: Das Modell-Klassenzimmer zeigt 168 leere Schreibtische - einen Schreibtisch für je eine Million Kinder, deren Schulen seit einem Jahr fast vollständig geschlossen sind.

Politikerinnen fordern Schulöffnungen in Deutschland

Deutsche Spitzen-Politikerinnen riefen dazu auf, vorrangig weitere Öffnungsschritte an Schulen in der Corona-Krise zu beschließen. "Wir sollten den Schulen weitere Möglichkeiten zur Lockerung geben. Das muss bei der gegenwärtigen Diskussion mit an erster Stelle stehen", sagte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Auch die Grünen-Vorsitzende, Annalena Baerbock, forderte einen verstärkten Fokus auf Kitas und Schulen in der kommenden Corona-Strategie. "Das Wichtigste ist, schneller zu impfen und die Schnelltests flächendeckend zur Anwendung zu bringen. Das muss in einem integrierten Ansatz Hand in Hand gehen", sagte Baerbock dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Unicef: 1 von 7 Kindern ist wegen Pandemie seit 1 Jahr isoliert
Antje Passenheim, ARD New York
03.03.2021 06:24 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 03. März 2021 die tagesschau um 06:30 Uhr und B5 aktuell um 09:35 Uhr.

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