Anschläge New York | Bildquelle: dapd

Terroranschläge vor 18 Jahren 9/11 - Kinderbücher gegen das Vergessen

Stand: 11.09.2019 11:57 Uhr

Eine New Yorkerin versucht mit Kinderbüchern, das Gedenken an die Anschläge vom 11. September wach zu halten. Das hat auch mit ihrer ganz persönlichen Geschichte zu tun.

Von Peter Mücke, ARD-Studio New York

Der 11. September 2001 bestimmt die US-amerikanische Politik bis heute. Doch in den Klassenzimmern spielen die Anschläge von damals kaum eine Rolle, sagt Kristie Kiernan Bouryal: "18 Jahre danach gibt es eine ganze Generation, die so gut wie nichts über diesen Tag weiß. Das liegt daran, dass viele Kinder in der Schule nichts darüber lernen. In jedem Bundesstaat, in jeder Stadt wird anders damit umgegangen. Aber letztlich liegt es immer an den einzelnen Lehrern oder deren Vorgesetzten, ob das Thema behandelt wird."

Anlass in der eigenen Familie

Das ist ein Grund, warum die gebürtige New Yorkerin vor einem Jahr angefangen hat, Kinderbücher über 9/11 zu veröffentlichen. Der andere ist ihre eigene Familiengeschichte. Ihr Vater war Feuerwehrmann in New York und gerade einen Monat im Ruhestand, als die Flugzeuge in das Word Trade Center rasten, und er wie viele andere reaktiviert wurde.

"Das erste Buch handelt von den Erlebnissen meines Vaters am 11. September - wie er von den Anschlägen erfahren hat, wie er zum Ground Zero gekommen ist, wie er dort mit einem Team den letzten Lebenden rausgebracht hat. Und diese Geschichte erzählt er in dem Buch zum ersten Mal seinen Enkeln."

Feuerwehrleute am Ort des zerstörten World Trade Centers (Archivbild). | Bildquelle: AP
galerie

Feuerwehrleute am Ort des zerstörten World Trade Centers am 11. September 2011. Auch aufgrund zahlreicher Giftstoffe, die bei den Anschlägen freigesetzt wurden, sind mittlerweile 2400 Retter gestorben, sehr viele sind erkrankt.

Das Motto: "Discovering Heroes" - Helden entdecken

Inzwischen sind drei Bücher in der "Discovering Heros"-Reihe erschienen - übersetzt: "Helden entdecken". Die Erzählweise ist dabei immer ähnlich. Das kann für den deutschen Leser zuweilen etwas kitschig sein - amerikanische Heldengeschichten, die beim US-Publikum allerdings gut ankommen:

"Ich erzähle die Geschichten aus der Sicht der Kinder. Die Hauptfiguren sind immer Enkelkinder und ihre Großeltern. Und die Geschichten entfalten sich nur dadurch, dass die Kinder Fragen stellen, neugierig sind. Und ich glaube, dass das heute wichtiger denn je ist, dass Kinder fragen und diese vielen interessanten Geschichten entdecken, die es überall gibt."

"Amerika hat zusammengestanden"

Die Bücher sind für Kinder zwischen sieben und elf Jahren geschrieben. Aus diesem Grund geht es darin auch weniger um die Anschläge selbst, sondern um die Reaktion der New Yorker darauf.

"Es gab so viel Hilfsbereitschaft, die sich am Ende durchgesetzt hat. Keiner wusste, was los war. Jeder hat dem anderen geholfen. Das war schon phänomenal. Das ist das, was mir von diesem Tag in Erinnerung geblieben ist. Dass ist das, was zukünftige Generationen daraus lernen sollten. Amerika hat an diesem Tag zusammengestanden, so wie wir uns das eigentlich gar nicht hätten vorstellen können. Und das ist, was zählt."

Das Sterben geht weiter

In dem gerade erschienen dritten Band thematisiert die Autorin auch das Schicksal der Helfer. Immer mehr sind in den Jahren nach dem Anschlag erkrankt, inzwischen 2400 an den Folgen ihres Einsatzes gestorben. Immerhin hat der US-Kongress nach langem Hin und Her entschieden, den Hilfefonds für Opfer dauerhaft mit Geld auszustatten. Und pünktlich zum 18. Jahrestag hat nun auch der New Yorker Gouverneur Andrew Cuomo entschieden, dass von heute an alle öffentlichen Schulen im Bundesstaat am 11. September eine Schweigeminute einlegen müssen.

11. September 2001 - Kinderbücher gegen das Vergessen
Peter Mücke, ARD New York
11.09.2019 11:07 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. September 2019 um 08:39 Uhr.

Darstellung: