Kind im Kindersitz | Bildquelle: picture alliance / dpa Themendie

Neues Gesetz in Italien Piepsende Kindersitze für vergessliche Eltern

Stand: 15.11.2019 08:53 Uhr

Ausgerechnet im Bambini-verliebten Italien soll ein Warnsystem künftig verhindern, dass Eltern ihren Nachwuchs im Auto vergessen. Kindersitze müssen mit einem Alarmsystem ausgerüstet werden.

Von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

Für Eltern kleiner Kinder ist es derzeit der meist gefragte Artikel in Italien. Francesca schiebt ihre zwei Jahre alte Tochter Siria im Kinderwagen durch die Via Fauglia im Süden Roms. "Mein Mann und ich sind auf der Suche. Bei Amazon habe ich nichts mehr gefunden, auch ansonsten war es nirgendwo mehr zu bekommen. Deswegen suchen wir weiter nach diesen Warngeräten."

Seit einer Woche ist ein Gesetz in Kraft, das in Italien Warnsysteme im Auto für vergessliche Eltern vorschreibt. Ein Warnsystem, das anfängt zu piepen, wenn Eltern das Auto verlassen und das Kind auf dem Rücksitz vergessen wird.

Mutter Francesca mit ihrer Tocher | Bildquelle: ARD Rom/Seisselberg
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Mutter Francesca mit Tochter Siria auf der Suche nach dem Warngerät für Kindersitze.

Reaktion auf Todesfälle nach Hitzeschock

Salvatore, Vater des vierjährigen Cesare, gehört zu denen, die auf die neue Vorschrift reagiert haben. "Wir haben eines dieser Geräte bestellt, warten aber noch darauf, dass es geliefert wird. Es soll in 20 Tagen ankommen." Beschlossen wurde das neue Gesetz als Reaktion auf den Tod der ein Jahr alten Giorgia in Pisa, die von ihrer Mutter an einem heißen Tag im Auto vergessen wurde und an einem Hitzeschock starb. Der Fall beherrschte tagelang die Schlagzeilen der italienischen Zeitungen und führte dazu, dass das Parlament, getrieben von einer aufgeregten öffentlichen Debatte, mit einem Gesetz reagierte. Alle Eltern müssen nun für Kinder bis zu vier Jahren die für sie vorgesehenen Sitze im Auto mit einem selbst reagierenden Warnsystem ausrüsten.

Valentina Esposito verkauft in ihrem kleinen Kinderwaren-Geschäft "Fatina Delle Feste" im römischen Stadtviertel Magliana das in diesen Tagen so heiß begehrte Warngerät. "Das ist der Apparat für das Selbstwarnsystem für Kindersitze. Er wird an den Zigarettenanzünder angeschlossen. Dann wird dieses Gerät unter den Kindersitz gelegt. Sobald das Kind sitzt, piept es einmal."

Valentina Esposito | Bildquelle: ARD-Studio Rom/Seisselberg
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Verkäuferin Valentina Esposito führt das "Pieps"-Gerät vor.

Es piept mit Kind an Bord

Wenn das Auto dann angelassen wird, ist der Apparat in Funktion. Und er fängt – ähnlich wie beim vergessenen Licht – wieder an zu piepen in dem Moment, in dem der Motor ausgestellt wird und das Kind weiter auf dem Kindersitz bleibt.

Aber wie konnte es soweit kommen, dass im Bambini-verliebten Italien ein Warnsystem notwendig ist, damit die Eltern ihre Kinder nicht im Auto vergessen? An der Kinderliebe habe sich nicht geändert, sagt Laura, Mutter einer drei Jahre alten Tochter. "Für die Eltern stehen die Kinder weiter an erster Stelle. Meiner Meinung nach ist der zunehmende Stress, den wir im täglichen Leben haben, das Problem. Dieser frenetische Rhythmus, gerade in der Stadt, bei dem man eine Sache macht, aber schon an die nächste denken muss. Es ist meiner Ansicht nach der veränderte Lebensstil."

Acht Kinder sind in Italien in den vergangenen zwölf Jahren gestorben, weil sie von ihren Eltern im Auto vergessen wurden. Laut italienischem Gesundheitsministerium ist dies kein exklusives italienisches Problem. Es verweist auf Medienberichte, wonach in den USA im Durchschnitt jedes Jahr 38 vergessene Kinder im Auto sterben.

Ab März drohen Geldstrafen

Die Römerin Francesca findet es im Interesse ihrer Tochter Siria gut, dass Italien als erstes europäisches Land eine Pflicht zum Warnsystem eingeführt hat. "Mir ist es noch nie passiert, dass ich mein Kind im Auto vergessen habe. Aber es ist offensichtlich so, dass es einem passieren kann. Für die Sicherheit der Kinder ist es daher besser, so etwas zu haben."

Ausländische Touristen müssen sich nur teilweise anpassen. Die Pflicht gilt nur für Autos, die in Italien zugelassen sind. Wer mit dem eigenen Wagen nach Italien fährt, braucht kein Warnsystem gegen das Kinder-Vergessen. Aber: Beim Anmieten eines Autos in Italien müssen Eltern darauf achten, dass die Mietwagenfirma bei Kindern bis zu vier Jahren Kindersitze mit Warnsystem anbietet. Wer die Pflicht missachtet, dem drohen Strafen von bis zu 362 Euro - ab März 2020. Bis dahin kommen Eltern noch mit einer Ermahnung davon.

Neues Autositz-Gesetz: Bei Italienern piept es, wenn sie Kinder vergessen
Jörg Seisselberg, ARD Rom
15.11.2019 08:06 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. November 2019 um 08:25 Uhr.

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