UN-Klimagipfel Das Fieber der Welt senken

Stand: 12.12.2020 08:09 Uhr

Die Zeit beim Klimaschutz drängt, darüber sind sich die meisten Staaten einig. Was sie gegen die Erderwärmung tun wollen, stellen sie beim virtuellen UN-Klimagipfel vor. Die EU sogt dabei für einen Hoffnungsschimmer.

Antje Passenheim, ARD-Studio New York

Die Klima-Uhr tickt. Und die Europäische Union liegt gut in der Zeit mit ihrer neuen Zielvorgabe. Olof Skoog, der EU-Botschafter bei den Vereinten Nationen ist zufrieden. Er hält die Beschlüsse für gut. "Es gibt drei beachtenswerte Dinge: Einmal die 2030, dann die 55 Prozent und schließlich das Wort "mindestens".

Ihren CO2-Ausstoß bis zum Jahr 2030 mindestens um 55 Prozent zu senken, dazu haben sich die EU- Staaten in letzter Minute verpflichtet. Vergleichsmarke ist das Jahr 1990. Das angepasste Ziel greift wesentlich weiter als vorher. "Das ist ein enormes Ziel und genau das, worum der UN-Generalsekretär gebeten hat", erklärt Skoog. Aber gebeten ist noch untertrieben, regelrecht gefleht hatte UN-Generalsekretär Antonio Guterres. Die Menschheit möge endlich ihren Krieg gegen die Umwelt beenden, möge ihre Klimaziele verschärfen, im Angesicht der verheerenden Waldbrände, Überschwemmungen und Wirbelstürme. Bei der UN-Generalversammlung im September hatte Guterres gewarnt: "Die Welt hat hohes Fieber - sie verbrennt gerade."

Ein wichtiger Gipfel zum Jahrestag

Seit der Einigung auf das Pariser Klima-Abkommen sind die globalen CO2-Emissionen jedes Jahr weiter gestiegen und die Temperatur der Erde auch. Vereinbart ist, die globale Erwärmung möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen - im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter. Stattdessen sind die Durchschnittstemperaturen auf der Erde aber bereits um rund 1,2 Grad gestiegen. Teil des Pariser Klimaabkommens ist es, dass die Vertragspartner ihre Ziele immer wieder nachjustieren.

Der heutige UN-Gipfel zum Jahrestag des Klimadeals sei außerordentlich wichtig, sagt der deutsche UN-Botschafter Christoph Heusgen: "Vor fünf Jahren kamen die Staaten der Welt zusammen, um sich auf ehrgeizige Ziele zu einigen. Wir wissen seither, wie wichtig das ist, wie drängend die Probleme sind. Wir dürfen keine Zeit verlieren. Wir müssen unsere Ziele ja auch noch weiter anschärfen."

Mehr als nur Symbolkraft

Auch Kanzlerin Angela Merkel wird per Videobotschaft sagen, wie sie sich das vorstellt. Rund 70 Staats- und Regierungschefs werden ihre Pläne und Fortschritte im Klimaschutz darlegen. Zu Worte kommen soll nur, wer auch was zu sagen hat. Eine Aussprache wird es allerdings, anders als bei sonstigen Klimagipfeln, nicht geben.

Dennoch geht vom Gipfel mehr als nur Symbolkraft aus, sagt EU-Botschafter Skoog - vorausgesetzt, die Staaten setzen ihre Ankündigung auch um. Die EU als eine der modernsten Wirtschaften der Welt könne mit ihrem Handeln ein Zeichen setzen. "Wenn wir zeigen, dass es möglich ist, wirtschaftliches Wachstum mit Umweltfreundlichkeit zu vereinen, dann ist das ein gutes Beispiel für den Rest der Welt", erklärt Skoog.

Es könnte unter Umständen einen neuen Wettbewerb in Gang setzen, so hofft er. Unter anderem zwischen China und den USA, deren künftige Regierung unter Joe Biden ja wieder dem Pariser Klimaabkommen beitreten will. Auch Vertreter der Wirtschaft und der Zivilgesellschaft sind beim virtuellen Gipfel in New York dabei. Apple-Chef Tim Cook ist als zum Beispiel als Redner vorgesehen. Das Treffen soll die Klimakonferenz COP26 im kommenden Jahr in Glasgow vorbereiten.

Die Welt hat Fieber: Virtuelles Klima-Treffen bei den UN
Antje Passenheim, ARD New York
11.12.2020 23:40 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. Dezember 2020 um 06:26 Uhr.

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