Mosambik, Nhamatanda: Menschen stehen vor ihren zerstörten Hütten. (Archivbild vom 26.03.2019) | Bildquelle: dpa

Report von Hilfsorganisationen Klimawandel heizt Schuldenkrise an

Stand: 27.01.2020 11:44 Uhr

Der Klimawandel verschärft nach Angaben von Hilfsorganisationen die Schuldenkrise in vielen Ländern. Sie fordern eine Entschuldungsinitiative, denn vor allem für den Wiederaufbau nach Katastrophen fehle oft das Geld.

Die zum Teil dramatischen Folgen des Klimawandels verstärken einer aktuellen Untersuchung zufolge in vielen Ländern die Schuldenkrise. Besonders betroffen sind kleine Inselstaaten im Pazifik und in der Karibik sowie die Länder der Sahelzone. Das geht aus dem Schuldenreport 2020 hervor. Der Bericht zur Verschuldungssituation von Entwicklungs- und Schwellenländern wird jährlich vom deutschen Entschuldungsbündnis erlassjahr.de und dem Werk für Entwicklungszusammenarbeit Misereor erstellt.

124 von 154 untersuchten Staaten sind demnach kritisch verschuldet, wobei sich in mehr als 60 Prozent der betroffenen Länder die Lage seit 2014 immer weiter verschlechtert hat. Absolut betrage die Auslandsverschuldung aller betrachteten Länder 7,81 Billionen US-Dollar (rund 7,08 Billionen Euro). 19 Staaten haben die Zahlungen an ausländische Gläubiger laut dem Report ganz oder teilweise eingestellt.

Wiederaufbau auf Pump

Durch den Klimawandel immer häufiger und heftiger auftretende Wetterextreme wie Wirbelstürme, Starkregen und Dürren stellten eine besondere Gefahr für Menschen in hoch verschuldeten Ländern dar, warnte die Klima-Expertin des katholischen Hilfswerks Misereor, Anika Schroeder. "Durch den erdrückenden Schuldendienst fehlt Geld, um im Katastrophenfall schnelle und effektive Hilfe leisten zu können." Wenn der Wiederaufbau auf Pump finanziert werden müsse, drohe überdies eine Schuldenfalle.

erlassjahr.de

"Erlassjahr.de - Entwicklung braucht Entschuldung e.V." wird von mehr als 600 Organisationen institutionell gefördert, darunter Landeskirchen, Diözesen und entwicklungspolitische Organisationen. Das Bündnis setzt sich unter anderem dafür ein, dass arme Länder bei Schuldenkrisen in einem transparenten Verfahren Schuldenerlasse erhalten können, Standards für Kreditvergabe entwickelt sowie Auslandsschulden, die international vereinbarte Entwicklungsziele gefährden, gestrichen werden.

Die beiden Organisationen fordern daher eine Entschuldungsinitiative für die betroffenen Länder. Direkt nach einer Naturkatastrophe sei ein automatischer Stopp der laufenden Schuldenzahlungen nötig. Daran anschließend müssten Verhandlungen über die Forderungen möglichst aller Gläubiger aufgenommen werden, um die Verschuldung auf ein tragfähiges Maß zu senken. "Bisher gibt es keine Entschädigung für Entwicklungsländer, die die Klimakrise ausbaden, aber am wenigsten zu ihrer Entstehung beigetragen haben", kritisierte Schroeder.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. Januar 2020 um 11:00 Uhr.

Darstellung: