Kommentar

Machtspiele in Helsinki Und Europa kann nur zuschauen

Stand: 16.07.2018 21:00 Uhr

Wenig Substanz, aber immerhin ein positives Signal Richtung Abrüstung. So lautet die Bilanz nach dem Treffen von Trump und Putin. Beunruhigend ist: Europa hockt auf der Zuschauertribüne.

Von Sabine Stöhr, ARD-Studio Moskau, zzt. Helsinki

Es kam wie erwartet: kein Durchbruch. Aber: Die beiden reden wieder miteinander. Und das offenbar entspannt. So zumindest haben sie es der Öffentlichkeit präsentiert.

Damit haben die beiden Präsidenten ihr Mindestziel erreicht. Wie lange der Dialog anhält, werden wir beobachten können. Beide wünschen es sich, bekräftigen sie. Das ist gut.

Putin für Verlängerung des New-Start-Vertrags

Gut klingt auch das, was der russische Präsident Putin vorgeschlagen hat. Nämlich den New-Start-Vertrag fortzusetzen, den Vertrag zwischen den USA und Russland über die Reduzierung von Atomwaffen. Zuletzt war die Kriegsrhetorik der beiden doch sehr scharf und bedenklich geworden. Putins Vorschlag ist ein Signal dafür, welche Richtung eingeschlagen werden soll: die der Abrüstung. Prima.

Das Treffen war auch deswegen besonders, weil sich Trump und Putin zum großen Teil nur in einem Tète-a-Tète-Treffen ausgetauscht haben, bei dem nur ihre Dolmetscher dabei waren. Somit bleibt unbekannt, was in diesem Teil des Gesprächs wirklich stattgefunden hat. Das ist - bedenklich.

Keine Substanz - bei keinem Thema

Bedauernswert ist es, dass bei dem Treffen inhaltlich dann aber doch nur wenig herausgekommen ist. Man habe eine Menge Themen angesprochen, versichern beide Präsidenten: auch Syrien und die Ukraine und auch den Vorwurf, dass sich Russland in den US-Wahlkampf 2016 eingemischt haben soll. Das hat Wladimir Putin auch jetzt wieder bestritten.

Substantiell wurde es bei keinem der Themen. Die Pressekonferenz war mehr eine gegenseitige Lobhudelei - mit vereinzelten Spitzen vom russischen Präsidenten. Donald Trump beglückwünschte dann Russland auch noch zur einzigartigen Ausrichtung der WM und der russische Präsident gab zum ersten Mal zu, dass er sich bei den US-Wahlen Trump als Sieger gewünscht hat.

Beide triumphieren

Und jetzt? Abwarten, ob die beiden jetzt wirklich Probleme lösen.

Eins steht aber schon fest: Für die beiden Präsidenten ist das Treffen ein Erfolg - persönlich. Donald Trump kann triumphieren, weil es ihm gegen die Anweisung seiner Berater gelungen ist, sich mit dem russischen Präsidenten im Vier-Augen-Gespräch zusammenzusetzen. Nach Kumpelart. Ohne Establishment, wie er das vor seinen Wählern nennt.

Und Wladimir Putin kann darauf verweisen, dass Russland aus der Isolation gekommen ist. Dass er als russischer Präsident das Land wieder nach vorne gebracht hat  - an den Tisch mit den USA! Donald Trump hat ihm sogar den Gefallen getan, die USA und Russland in einem Atemzug mit dem - wörtlich - "gemeinsamen Freund" China zu nennen: die Troika mit den Atomwaffen, die die Welt regieren kann. Was für ein Triumph.

Und was für eine beunruhigende Vorstellung für Europa. Denn Europa kann bei diesen Machtspielen nur zuschauen.

Was hat das Gipfeltreffen in Helsinki gebracht
Sabine Stöhr, ARD Moskau
16.07.2018 21:59 Uhr

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