Die SpaceX Falcon 9-Rakete ist auf der Startrampe des Kennedy Space Center der NASA in Cape Canaveral, Florida, am 27. Mai 2020, zu sehen. | Bildquelle: AFP

SpaceX-Flug zur ISS Konkurrenzkampf im All

Stand: 30.05.2020 16:00 Uhr

Zweiter Startversuch in Cape Canaveral - wenn heute alles klappt, könnte Elon Musks SpaceX Raumfahrtgeschichte schreiben. Auch für die NASA beginnt damit eine neue Ära.

Von Arthur Landwehr, ARD-Studio Washington

Der Paradigmenwechsel hatte schon unter dem ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama stattgefunden: Raumfahrt ist nicht mehr nur Forschung, die von der staatlichen Agentur NASA geleistet wird. Raumfahrt im 21. Jahrhundert ist ein Geschäft, bei der die NASA ein Faktor unter vielen ist.

NASA-Chef Jim Bridenstine will viele Anbieter, die bei Innovation und Kosten miteinander konkurrieren. Deshalb wurde entschieden - nach dem Ende der Space Shuttle 2011 - Boeing und SpaceX den Auftrag für Crew-Transporter ins All zu geben, die regelmäßig zur Internationalen Raumstation fliegen.

Der stellvertretende NASA-Chef Jim Morhard sagt: "Das ist es, was wir wollen: Die Wirtschaft in den erdnahen Weltraum ausdehnen."

Einst ging es um den Wettkampf mit der Sowjetunion

Und das ist die historische Entwicklung aus amerikanischer Sicht: In den 1950er- und 1960er-Jahren ging es vor allem um die Ehre und den Wettkampf mit der Sowjetunion. Dann kamen die Grundlagenforschung und das Geschäft mit Satelliten hinzu. Letztere werden schon länger von privaten Unternehmen gegen Geld ins All befördert.

Für Weltraumunternehmen werde der Markt immer größer, sagt NASA-Chef Bridenstine - auch wenn es um die Internationale Raumstation geht. "Beim privaten Astronautentransport geht es um die Kommerzialisierung des Orbits. Wir hatten schon die Nachschubversorgung, jetzt die Crews, und bald haben wir kommerzielle Raumstationen."

Kurzfristige Ziele sind zum Beispiel, dort Satelliten zu montieren und im All zu platzieren. Das ist günstiger als mit Raketen von der Erde aus. Bestimmte Werkstoffe lassen sich besser in der Schwerelosigkeit produzieren. Es wird auch über riesige Serveranlagen auf dem Mond diskutiert - mit Strom von der Sonnenseite und tief gekühlt auf der dunklen Seite unseres Trabanten.

Schwerindustrie im All?

Wobei Jeff Bezos, Amazon Gründer und Besitzer des Raumfahrtunternehmens "Blue Origin", noch eine noch viel weiter gehende Vision hat: "Wir werden auf der Erde wohnen und leichte Industrie haben. Die Schwerindustrie aber wird ins All verlagert."

Bis dahin aber ist noch ein weiter Weg. Die NASA will ihn nicht allein gehen, sondern nur ein Katalysator sein. Sie sorgt mit ihren Aufträgen für die Initialzündung, dann soll es sich selbst ausdehnen, und der Kreativität ist keine Grenze gesetzt.

Bridenstine sagt: "Unser Ziel ist es, dass SpaceX Missionen ohne die NASA fliegt. Wir wollen, dass sie Kunden haben, die nicht wir sind."

Auch andere Länder erforschen den Mond

Aber die USA ist hier nicht allein. China erforscht selbst den Mond und plant eine eigene Raumstation. Japan, Indien und Israel haben Mondmissionen.

Eines halten die Amerikaner angesichts dieser Entwicklung für dringend erforderlich: ein neues internationales Weltraumrecht. Sie wollen, dass Ressourcen von Energie bis Bodenschätzen dem gehören, der sie gewinnt. Sie wollen klare Sicherheitszonen für Stationen und Siedlungen und vieles mehr. Ihr erster eigener Vorschlag fand allerdings noch wenig Resonanz.

Die NASA-Strategie für kommerzielle Raumfahrt
Arthur Landwehr, ARD Washington
30.05.2020 16:50 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 30. Mai 2020 Deutschlandfunk um 08:27 Uhr in der Sendung "Informationen am Morgen" und tagesschau24 um 15:00 Uhr.

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