Krise im Persischen Golf Chronologie einer Konfrontation

Stand: 20.07.2019 16:40 Uhr

Der Konflikt in der Straße von Hormus kommt nicht überraschend. Seit der Aufkündigung des Atomabkommens mit dem Iran durch die USA nahmen die Spannungen zu. Ein Überblick der Ereignisse.

8. Mai 2019: Am ersten Jahrestag des US-Ausstiegs kündigt der Iran an, ebenfalls nicht mehr alle Regeln des Atomabkommens einzuhalten. Die Partner bekommen allerdings eine Frist von 60 Tagen, um insbesondere Geschäfte im von den USA sanktionierten Öl- und Bankensektor aufzunehmen - sonst will das Land wieder in die Urananreicherung einsteigen.

12. Mai: Die mit den USA verbündeten Vereinigten Arabischen Emirate melden Sabotageakte gegen vier Handelsschiffe. Der Verdacht richtet sich gegen den Iran. Unter anderem soll der unter norwegischer Flagge fahrende Öltanker "Andrea Victory" von einem "unbekannten Objekt" auf Höhe der Wasserlinie getroffen worden sein.

14. Mai: Mit Sprengstoff beladene Drohnen greifen eine der wichtigsten Ölpipelines des US-Verbündeten Saudi-Arabien an. Die Regierung in Riad vermutet hinter der Attacke jemenitische Huthi-Rebellen, die vom Iran unterstützt werden.

24. Mai: Die USA verstärken ihre Truppen im Nahen Osten wegen der "anhaltenden Bedrohung" durch iranische Kräfte um 1500 Soldaten. Schon Anfang des Monats wurden der Flugzeugträger "USS Abraham Lincoln" und eine Fernbomberstaffel in Richtung Iran verlegt.

Ein vom Rundfunk der Islamischen Republik Iran (TV IRIB) zur Verfügung gestelltes Foto zeigt, wie Rauch aus dem ֖ltanker "Front Altair" aufsteigt. | Bildquelle: AFP
galerie

Ein vom Rundfunk der Islamischen Republik Iran (TV IRIB) zur Verfügung gestelltes Foto zeigt, wie Rauch aus dem ֖ltanker "Front Altair" aufsteigt.

13. Juni: Zwei Tanker werden bei schweren Zwischenfällen im Golf von Oman beschädigt. Die "Front Altair" einer norwegischen Reederei gerät nach Explosionen in Brand. Auch der japanische Betreiber der "Kokuka Courageous", ein von einem deutschen Unternehmen gemanagter Frachter, berichtet von zwei Detonationen. Diese sollen nach US-Angaben von iranischen Haftminen ausgelöst worden sein. Die genauen Hintergründe sind ungeklärt. Neben den USA macht auch Großbritannien den Iran verantwortlich. Teheran weist die Vorwürfe als "lächerlich" zurück.

17. Juni: Das Pentagon kündigt die Entsendung weiterer 1000 Soldaten in den Nahen Osten an, um US-Truppen und Interessen zu schützen.

20. Juni: Mit dem Abschuss einer US-Aufklärungsdrohne des Typs "RQ-4A Global Hawk" durch den Iran eskaliert der Konflikt mit Washington gefährlich. US-Präsident Donald Trump spricht von einem "sehr schweren Fehler" Teherans. Einen Militärschlag will er wegen der befürchteten Todesopfer erst in letzter Minute gestoppt haben - sie wären "unverhältnismäßig" gewesen, teilt er mit. Ob die Drohne iranischen Luftraum verletzt hatte, bleibt umstritten.

24. Juni: Die US-Regierung verhängt weitere Sanktionen - diesmal gegen den obersten Führer der Islamischen Republik, Ajatollah Ali Khamenei, und Offiziere der Revolutionsgarden. Seit April 2019 stuft die US-Regierung die Garden als ausländische Terrororganisation ein.

Die britische Polizei patrouilliert vor Gibraltar neben dem iranischen Tanker "Grace 1". | Bildquelle: AFP
galerie

Die britische Polizei patrouilliert vor Gibraltar neben dem iranischen Tanker "Grace 1".

4. Juli: Im britischen Gibraltar wird der unter der Flagge Panamas fahrende Supertanker "Grace 1" mit Öl aus dem Iran an die Kette gelegt. Der Vorwurf: von der EU untersagte Lieferungen an Syrien. Teheran spricht von "Piraterie" und droht Konsequenzen an. Großbritannien stellt eine Freigabe des Schiffes in Aussicht, sollte der Iran zusichern, dass die Ladung nicht für Syrien bestimmt ist.

7. Juli: Der Iran macht ernst: Die 60-Tage-Frist vom 8. Mai ist um: "Ab heute halten wir uns nicht mehr an die 3,67 Prozent und unsere Urananreicherung wird je nach Bedarf erhöht", teilt die Regierung mit. Der Iran will die Urananreicherung je nach technischem Bedarf schrittweise auf 5 bis 20 Prozent erhöhen.

10. Juli: Angaben aus London zufolge versuchen drei iranische Boote in der Straße von Hormus, den Öltanker "British Heritage" an der Durchfahrt zu hindern. Eine Fregatte der Royal Navy habe die Boote jedoch zum Abdrehen gezwungen. Teheran bestreitet den Vorfall.

Das amphibische Angriffsschiff USS Boxer | Bildquelle: dpa
galerie

Die "USS Boxer" hat nach eigenen Angaben im Juli eine iranische Drohen abgeschossen - der Iran widersprach.

14. Juli: Der Iran setzt nach eigenen Angaben einen ausländischen Öltanker mit angeblich einer Million Liter geschmuggeltem Öl im Persischen Golf fest. Es soll sich um die "Riah" handeln. Welcher Reederei das Schiff unter der Flagge Panamas gehört, bleibt unklar.

18. Juli: Angeblich vernichtet die "USS Boxer" in der Straße von Hormus eine iranische Drohne, weil sie dem US-Kriegsschiff bedrohlich nahe gekommen sei. Teheran widerspricht vehement und mutmaßt, die Amerikaner hätten aus Versehen eine eigene Drohne abgeschossen.

Der britische Öltanker "Stena Impero" | Bildquelle: AP
galerie

Der britische Öltanker "Stena Impero" wurde in der Straße von Hormus gestoppt.

19. Juli: In Gibraltar wird entschieden, den Tanker mit iranischem Öl einen Monat länger bis zum 21. August festzuhalten. Wenige Stunden darauf stoppt der Iran in der Straße von Hormus zwei britische Tanker. Während die unter liberianischer Flagge fahrende "Mesdar" der Norbulk Shipping UK nach einer Befragung weiterfahren darf, wird der Öltanker "Stena Impero" an die Kette gelegt. Teheran begründet dies mit Verstößen des Schiffes gegen die Seefahrtsregeln. Der Tanker sei ohne GPS-Signal auf der falschen Richtungsspur in den Persischen Golf unterwegs gewesen und habe umweltschädigende Materialien an Bord.

Quelle: dpa

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. Juli 2019 um 16:15 Uhr.

Darstellung: