Boris Johnson im britischen Parlament | Bildquelle: AFP

Großbritannien Hilfspaket gegen drohendes "Blutbad"

Stand: 08.07.2020 21:27 Uhr

Um die Wirtschaft anzukurbeln, hat die britische Regierung ein 33-Milliarden-Konjunkturpaket geschnürt. Es enthält Lohnzuschüsse für Arbeitgeber und einen Bonus für Besuche im Restaurant.

Von Imke Köhler, ARD-Studio London

In Großbritannien wächst die Angst vor Massenarbeitslosigkeit. Selbst bei seriösen Zeitungen ist die Wortwahl inzwischen drastisch und es wird vor einem "Blutbad“ auf dem Arbeitsmarkt gewarnt.

Bisher hat eine Art Kurzarbeitergeld das Schlimmste verhindert, aber die Maßnahme ist befristet und es wird befürchtet, dass es an deren Ende eine große Entlassungswelle geben wird.

Finanzminister Sunak sagte im Unterhaus, trotz aller Hilfsmaßnahmen habe das Land mit großen wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen. In nur zwei Monaten sei die Wirtschaft um ein Viertel geschrumpft. Sunak kündigte deshalb an, Arbeitgeber, die keine Entlassungen aussprechen, zu belohnen.

1000 Pfund Bonus für Arbeitgeber

Arbeitgeber sollen für jeden derzeit beurlaubten Mitarbeiter, den sie mindestens bis Januar weiter beschäftigen, 1000 Pfund Bonus bekommen. Allerdings müssen sich die Arbeitgeber in den kommenden Monaten auch zunehmend an den Kosten für das Kurzarbeitergeld beteiligen. Insofern dürften sie mit spitzem Bleistift rechnen, ob es sich lohnt, Mitarbeiter noch länger zu halten.

Die Labour-Politikerin und Schattenfinanzministerin Anneliese Dodds begrüßte den Bonus grundsätzlich, aber gab zu Bedenken, wie die Regierung denn sicherstellen wolle, dass das Geld nicht an Arbeitgeber gehe, die ihre Mitarbeiter ohnehin weiter beschäftigen wollten. Und, so Dodds: "Was ist mit den Unternehmen, die schlichtweg nicht liquide genug sind, um noch länger durchzuhalten?“ 

Es gibt im Detail also nicht nur Zustimmung von der Opposition, obwohl sie die Ausgabenpolitik im Grundsatz absolut befürwortet. Und die Ausgaben sind auch an anderer Stelle massiv. So soll mit zwei Milliarden Pfund die Schaffung neuer Stellen gefördert werden, bei denen die Regierung unter bestimmten Voraussetzungen die Löhne und Gehälter für sechs Monate übernimmt. Die Hoffnung ist, dass so Hunderttausende junge Briten beschäftigt werden können.

Fünf Milliarden für Schulen, Krankenhäuser und Straßen

Daneben sind fünf Milliarden Pfund für ein Infrastrukturprogramm vorgesehen. Mit dem Geld sollen Schulen, Krankenhäuser und Gefängnisse renoviert und Straßen und Schienen erneuert werden. Außerdem will die Regierung drei Milliarden Pfund für energetische Gebäudesanierungen bereitstellen.

Die Tourismus- und Gastronomiebranche soll durch eine Absenkung der Mehrwertsteuer von 20 auf fünf Prozent gestützt werden. Und eines hält die Regierung offenbar für einen Clou, um der Gastronomie zu helfen, aber auch die Stimmung der Bevölkerung aufzuhellen: Im August bekommt jeder, der aushäusig speist, einen Nachlass von bis zu 10 Pfund pro Person.  

Britische Regierung stellt Konjunkturpaket vor
Imke Köhler, ARD London
08.07.2020 20:36 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 09. Juli 2020 um 09:41 Uhr in der Wirtschaft.

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