Miguel Díaz-Canel und Raúl Castro | Bildquelle: AFP

Neuer Präsident Kubas "Neue Generation" schon mit grauem Haar

Stand: 19.04.2018 10:47 Uhr

Miguel Diaz-Canel steht bereit. Er soll Kubas neuer Präsident werden. Doch ob er das marode Land nach vorn bringt, wird bezweifelt.

Von Anne-Katrin Mellmann, ARD-Studio Mexiko-City

Alles bleibt, wie es ist, lautet die vorherrschende Meinung in den Straßen von Havanna. Auch mit dem neuen Präsidenten Miguel Díaz-Canel würden sich die Verhältnisse - wenn überhaupt - nur langsam ändern. Noch immer knattern Ladas aus den 1980ern und Buicks aus den 1950ern über die Insel, verrotten Fassaden einst prächtiger Häuser, stehen lange Schlangen an Bushaltestellen und Geschäften.

Wie vor dem Computerpalast im Zentrum, da wartet der 16-jährige Luis auf Einlass, damit er online mit anderen spielen kann. Zu Hause hat er kein Internet - wie die meisten Kubaner. "Ich möchte später mal Informatiker werden und das an der Uni studieren. Ich hoffe, dass der neue Präsident mehr Internetzugang ermöglicht und Informatik im Allgemeinen", erzählt Luis. Immerhin ist der designierte Staatschef halbwegs vom Fach, er ist gelernter Elektronik-Ingenieur.

Menschen besteigen einen Bus in Havanna | Bildquelle: Anne-Katrin Mellmann
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Schlangen an Bushaltestellen und Geschäften

"Neue Generation" hat schon graues Haar

Hohe Wellen schlägt die Vorentscheidung der Nationalversammlung des Einparteienstaats nicht. Erwartungsgemäß nominierten die Abgeordneten Miguel Díaz Canel, den ersten Vizepräsidenten von Raúl Castro, dem jüngeren Bruder des verstorbenen Revolutionsführers Fidel Castro. Auch die in Kuba sogenannte "Neue Generation", die nach der Revolution von 1959 geboren wurde, hat schon graues Haar: Miguel Díaz-Canel trägt dazu einen grauen Anzug und ein fliederfarbenes Hemd.

Miguel Díaz-Canel | Bildquelle: AFP
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Miguel Díaz-Canel tritt schweres Erbe an

Am größten Tag seiner Karriere wirkt der 57-Jährige ernst und zurückhaltend. Jahrelang galt er als wahrscheinlichster Nachfolger des letzten Castro im Präsidentenamt. Ohne anzuecken absolvierte er seine Karriere in der kommunistischen Jugend, Armee und Partei, wurde mit 43 Jahren jüngstes Mitglied des Politbüros.

Díaz-Canel tritt ein schwieriges Erbe an: Trotz einiger Reformen, die sein Vorgänger vorsichtig eingeleitet hat, ist die wirtschaftliche Lage katastrophal. Der Annäherungsprozess zu den USA liegt auf Eis, seit US-Präsident Donald Trump regiert.

Der Neue ist nicht allein

Aber der Neue bleibt mit der Erblast nicht allein, sondern teilt sich die Macht mit Raúl Castro, der noch erster Sekretär der Kommunistischen Partei bleibt. Das habe Vorteile, erklärt Rafael Hernández, Politologe und Herausgeber der Zeitschrift "Temas". Raúls Rolle als Parteichef sei wichtig, um Díaz-Canel die Arbeit zu erleichtern.

Als sich Fidel Castro von der Macht zurückzog, sei auch er im Hintergrund aktiv geblieben und habe seine Zustimmung zu dem gezeigt, was Raúl tat, erklärt Hernández. Ein Konflikt würde Raúls Projekt beschädigen. Dabei ginge es um den Übergang. Den habe er geplant und gesteuert. Warum sollte er seinem Nachfolger im Wege stehen, meint der Politologe. Er wolle, dass Díaz-Canel erfolgreich ist, und dafür müsse er ihm freie Hand lassen. Raúl habe jetzt die Schlüsselrolle, Opposition in den eigenen Reihen zu verhindern.

Schmerzhafte Reformen

Die könnte es geben, wenn Díaz-Canel notwendige, aber für große Teile der Bevölkerung schmerzhafte Reformen einleitet - wie die Abschaffung der Doppelwährung. Die hat in Kuba soziale Ungleichheit geschaffen: Zwischen denjenigen, die Zugang zum konvertierbaren Peso, also praktisch zu Devisen haben, und allen anderen, die mit dem fast wertlosen Peso Cubano ihren entbehrungsreichen Alltag meistern müssen.

Sie hätten nach einer Währungsreform erstmal nicht mehr, sondern weniger in der Tasche. Und das könnte auch für Díaz-Canel schmerzhaft werden, weil er nicht mehr zu der Generation gehört, die ihre Macht mit dem nunmehr fast 60 Jahre alten Sieg über einen Diktator legitimieren kann.

Miguel Díaz-Canel soll Präsident werden
Anne-Katrin Mellmann, ARD Mexiko
19.04.2018 08:13 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 19. April 2018 tagesschau24 um 09:00 Uhr in einem Schwerpunkt und NDR Info um 09:50 Uhr.

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