Díaz-Canel Kubas KP-Chef Die Ära der Castros ist vorbei

Stand: 19.04.2021 19:27 Uhr

Es ist das Ende einer Ära: Die Kommunistische Partei Kubas hat Präsident Díaz-Canel zum neuen Vorsitzenden gewählt. Erstmals seit 1965 wird die Partei damit nicht von einem Castro geführt.

Von Anne Demmer, ARD-Studio Mexiko-Stadt

Der frisch gewählte Parteichef Miguel Díaz-Canel betonte, er werde auch in Zukunft alle strategischen Entscheidungen, die das Land betreffen, mit Raúl Castro abstimmen. Bereits 2018 hatte er das Präsidentenamt von ihm übernommen.

Raúl Castro zieht sich damit komplett aus dem politischen Geschäft zurück. Für weitere Ämter steht er nicht mehr zur Verfügung. Damit endet die Castro-Ära auf Kuba. Mehr als sechs Jahrzehnte standen Raúl Castro und sein 2016 verstorbener älterer Bruder Fidel an der Spitze des Karibik-Staates.

Die Wahl Díaz-Canels zum Vorsitzenden ist keine Überraschung. Der neue Parteichef gilt als loyal und linientreu. Das Revolutionärste innerhalb der Revolution sei die Verteidigung der Partei - gleichzeitig werde die Partei die größte Verteidigerin der Revolution sein, betonte er im Rahmen des achten Kongresses der Kommunistischen Partei, der nun zu Ende gegangen ist.

Hoffen auf mehr Freiheiten

Die Nachricht, dass sich Raúl Castro zurückzieht, brachte eine Frau zum Weinen. Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters sagte sie:

"Ich freue mich für ihn, weil er sich nun ausruhen kann. Aber ich bin gleichzeitig auch sehr traurig, weil er uns in vorderster Reihe des Landes fehlen wird. Das ist jetzt eine neue Etappe, Díaz-Canel gehört einer neuen Generation an. Wir werden Raúl Castro ganz sicher vermissen. Es waren so viele Jahre."

Ein junger Mann hofft mit der neuen Generation auf eine politische Öffnung:

"Die neue Führung sollte einer neuen Mentalität Platz machen. Sie sollten den Künstlern, den Menschen überhaupt mehr Freiheit erlauben."

Zuletzt gab es immer wieder Proteste. Insbesondere eine junge Künstlerinnen- und Intellektuellen-Szene, die sich in den sozialen Medien vernetzen, hatten für mehr Freiheiten protestiert.

Machtwechsel in der Wirtschaftskrise

Mitten in der schwersten Wirtschaftskrise seit 30 Jahren wird mit der Wahl Díaz-Canels ein Machtwechsel vollzogen. Vor den Läden bilden sich regelmäßig lange Schlangen, es mangelt an allem. Kuba leidet unter dem US-Embargo, den Folgen der Corona-Pandemie. Díaz-Canel erklärte vergangene Woche:

"Hier leidet das gesamte kubanische Volk unter der Blockade, das hat nichts mit dem staatlichen oder dem nichtstaatlichen Sektor zu tun. Wir arbeiten hier mit dem Konzept des Volkes, und deshalb werden wir diesen nichtstaatlichen Sektor nicht dem Feind ausliefern."

Es ist damit zu rechnen, dass sich die sozialistische Karibik-Insel angesichts des wirtschaftlichen Drucks weiter vorsichtig öffnen wird, allerdings immer unter staatlicher Aufsicht. Mit politischen Lockerungen rechnen Beobachter derzeit nicht.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. April 2021 um 18:00 Uhr.

Korrespondentin

Anne Demmer  | Bildquelle: Klaus Dieter Freiberg Logo rbb

Anne Demmer, rbb

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