Ein Konterfei des ermordeten Investigativjournalisten Jan Kuciak steht vor den Räumen der Aktuality Redaktion. | Bildquelle: dpa

Mordfall Kuciak Eine Drohung und belastende Chats

Stand: 23.01.2020 18:46 Uhr

Im Mordfall Kuciak hat das Gericht ein möglicherweise entscheidendes Beweismittel zugelassen: Chat-Protokolle könnten den umstrittenen Geschäftsmann Kocner belasten. Zudem hatte er Kuciak am Telefon bedroht.

Von Peter Lange, ARD-Studio Prag

In verschiedenen slowakischen Medien ist in diesen Tagen unmittelbar nachzuhören, mit welchen Worten der Enthüllungsjournalist Jan Kuciak von Marian Kocner bedroht worden ist: Er werde anfangen, sich selbst um den Reporter und seine Angehörigen zu kümmern, sagte der in dem Mordprozess mitangeklagte Geschäftsmann.

Kuciak selbst hat das Gespräch seinerzeit mitgeschnitten. Sein Kollege Marek Vagovic kann sich noch genau an den Moment erinnern, an dem er das zum ersten Mal gehört hat. "Mir ist es kalt den Rücken heruntergelaufen", sagt er. "Mehrere Kollegen waren ebenfalls erschüttert, Jan Kuciak auch. Wir haben ihm geraten, die Aufnahme zu veröffentlichen. Aber das wollte er nicht. Er wollte keinen persönlichen Streit mit Kocner."

Für Vagovic, wie Kuciak beim Nachrichtenportal Aktuality.sk beschäftigt, belegt der Drohanruf, dass die Recherchen des Kollegen nicht ohne Wirkung geblieben sind. "Dank seiner Artikel sind strafrechtliche Ermittlungen begonnen worden. Kocner bekam reale Probleme mit der Polizei, mit der Staatsanwaltschaft. Jan hatte seine Straflosigkeit gefährdet und zugleich seine Geschäfte und sein Vermögen."

Marian Kocner beim Prozess um den Mord am Enhüllungsjournalisten Kuciak. | Bildquelle: dpa
galerie

Marian Kocner beim Prozess. Ihm wird vorgeworfen, den Mord in Auftrag gegeben zu haben.

Chat-Protokolle als Beweise zugelassen

Kocner ist angeklagt, den Mord an Kuciak in Auftrag gegeben zu haben. Er und seine mitangeklagte ehemalige Mitarbeiterin Alena Z. werden vom geständigen und bereits verurteilten Kronzeugen der Anklage schwer belastet. Beide bestreiten aber jede Beteiligung.

Allerdings hat das Gericht inzwischen erklärt, dass es die Chat-Protokolle von Kocner als Beweis zulassen wird. Für Daniel Lipsic, Rechtsanwalt der Familie Kuciak, eine wichtige Entscheidung: "Vor allem die Chats von Kocner und Alena Z. vor und nach dem Mord bestätigen, dass Kocner der Auftraggeber und Z. die Vermittlerin war."

Das sieht Stefan Nezmery, der Verteidiger der Angeklagten Alena Z. anders: "In Bezug auf meine Klientin behaupten wir, dass in der Kommunikation mit Herrn Kocner nichts ist, was sie der Vorbereitung und Begehung dieser Tat überführen wird", erklärte er. 

Das Gericht in Pezinok will als Nächstes das Verfahren gegen den geständigen Haupttäter abtrennen. Am 3. Februar soll die Hauptverhandlung gegen die drei verbliebenen Angeklagten fortgesetzt werden.

Ex-Generalstaatsanwalt wieder frei

Unterdessen ist der ehemalige Generalstaatsanwalt Jaroslav Trnka wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Der einstige Spitzenbeamte war unter dem Verdacht des Amtsmissbrauchs von der Polizei festgenommen worden. Ihm wird unter anderem nachgesagt, die Strafverfolgung seines Freundes Kocner verhindert zu haben.

Die Staatsanwaltschaft hält die Vorwürfe allerdings für substanzlos. Das versteht auch Zuzana Caputova, die Staatspräsidentin, nicht. "Laut Medienberichten hat der damals höchste Vertreter der Staatsanwaltschaft seine Amtsgewalt in einer Weise ausgeübt, die seinen Aufgaben widersprach", sagt sie. "Auch durch Untätigkeit dort, wo seine Aktivität direkt gefordert war."

Die neuerliche Wendung wird jedenfalls als Zeichen dafür gesehen, dass die Aufarbeitung der Skandalgeschichte der Slowakei noch ein sehr langer Weg ist.

Kuciak-Prozess nach sechs Verhandlungstagen
Peter Lange, DLR Prag
23.01.2020 17:38 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Korrespondent

Darstellung: