Noch-Parteichef Jeremy Corbyn (rechts) mit seinem möglichen Nachfolger Keir Starmer. | Bildquelle: dpa

Großbritannien Labour eröffnet Rennen um Corbyn-Nachfolge

Stand: 07.01.2020 14:05 Uhr

Die britische Labour-Party ist nach ihrer herben Wahlschlappe auf der Suche nach einem neuen Chef. Welcher Parteiflügel das Rennen für sich entscheidet, ist offen. Immerhin stehen nun die Regeln für das Auswahlverfahren fest.

Vier Wahlen in Folge hat Labour nun verloren, von einer Rückkehr zur Macht ist die Partei von Tony Blair und Gordon Brown derzeit weit entfernt. Parteichef Jeremy Corbyn hatte seinen Rückzug angekündigt, will aber noch bleiben, bis die Nachfolge geregelt ist.

Wie die Partei nun mitteilte, sollen die rund 500.000 Parteimitglieder vom 21. Februar bis zum 2. April über seinen Nachfolger abstimmen. Auch Gewerkschaftsmitglieder und sogenannte registrierte Unterstützer dürfen an dem Wahlprozess teilnehmen.

Am 4. April werde das Ergebnis der parteiinternen Wahl bekannt gegeben. Mit dem Rennen um Corbyns Nachfolge beginnt gleichzeitig ein Kampf um die künftige Ausrichtung der Partei. 

Flügelkampf erwartet

Favorit ist Keir Starmer, bislang Brexit-Sprecher im Schattenkabinett von Corbyn. Er rät seiner Partei dazu, sich mit den Realitäten abzufinden. "Wir werden die EU in ein paar Wochen verlassen. Das müssen wir alle zur Kenntnis nehmen", sagt er. Diese Wahl hätte die Möglichkeit eines zweiten Referendums vom Tisch gefegt, ob das nun richtig sei oder nicht. "Dem müssen wir nun gerecht werden."

Starmer gilt als moderate Kraft, aber das sozialistische Wahlprogramm kann er nicht einfach so über Bord werfen. Das würde die weiterhin mächtigen Corbyn-Fans an der Spitze und an der Partei-Basis verprellen.

Lieblingskandidatin der Parteilinken dürfte Rebecca Long-Bailey sein: 40 Jahre jung, im Schattenkabinett Corbyn zuständig für Wirtschaft gehörte sie zum inneren Führungszirkel und hat den seit 2015 amtierenden Parteichef stets verteidigt.

Keir Starmer, Rebecca Long-Bailey | Bildquelle: AFP
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Mögliche Konkurrenten um den Labour-Parteivorsitz: Keir Starmer und Rebecca Long-Bailey.

Hohe Hürden für Bewerber

Als Außenseiterinnen gelten die Abgeordneten Jess Phillips und Lisa Nandy, die beide bereits ihre Kandidatur angekündigt hatten. Für die Bewerbung gelten aber hohe Hürden: Kandidaten müssen dafür die Unterstützung von zehn Prozent der Labour-Abgeordneten und von fünf Prozent der Kreisverbände oder drei parteinahen Organisationen hinter sich bringen.

Mit Informationen von Thomas Spickhofen, ARD-Studio London

Finale für Boris-Brexit und Auftakt für Corbyn-Nachfolge
Thomas Spickhofen, ARD London
07.01.2020 09:33 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. Januar 2020 um 10:30 Uhr.

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