Ermittlungen nach der Lawine auf einer Piste im Schnalstal. | Bildquelle: dpa

Nach Lawine in Südtirol Ermittlungen gegen fünf Personen

Stand: 30.12.2019 18:09 Uhr

Nach dem Lawinenunglück mit drei toten Deutschen in Südtirol ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen fünf Personen. Es geht um den Vorwurf der fahrlässigen Tötung. Um wen es sich handelt, wurde nicht bekannt.

Die Unglückspiste im Südtiroler Schnalstal ist gesperrt, Lawinenexperten sind im Einsatz: Sie sollen im Auftrag der Staatsanwaltschaft ermitteln, wie es zu der Katastrophe kam und was die Lawine am Samstag ausgelöst hat. Die Frage ist unter anderem, ob der Skipistenbetreiber das Lawinenrisiko falsch eingeschätzt hat oder ob ein Skifahrer abseits der Piste das Schneebrett ausgelöst hatte.

Gegen fünf Personen ermittelt inzwischen die Staatsanwaltschaft. Sie seien wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Herbeiführung eines Lawinenunglücks in das Ermittlungsregister eingetragen worden, teilte die Staatsanwaltschaft in Bozen mit. Um wen es sich dabei handelt, wurde nicht bekannt. Die Unglückspiste im Schnalstal sei für die Beweisaufnahme gesperrt worden. Die Leichen seien zur Überführung freigegeben worden.

Lawinenstufe 3

Am Samstag hatte eine Lawine eine Mutter mit ihrer sieben Jahre alten Tochter aus Thüringen und ein sieben Jahre altes Mädchen aus Nordrhein-Westfalen getötet. Sie waren mit ihren Familien auf einer gesicherten Piste unterwegs, als sie das Schneebrett verschüttete. Einen Kilometer lang und 200 Meter breit soll das Schneebrett laut italienischen Medien gewesen sein.

An jenem Samstag herrschte Lawinenstufe 3 von 5. Das bedeutet "erhebliche Gefahr". Es blies ein scharfer Wind. Und Wind begünstigt Lawinen. Zudem seien die Temperaturen gegen Mittag angestiegen. Auch das ist ein Lawinenfaktor. Im Lawinenbericht der Region heißt es: "Vor allem in den Hauptniederschlagsgebieten und in hohen Lagen und im Hochgebirge sind mit dem stürmischen Nordwind einzelne mittlere spontane Lawinen möglich."

Doch der Skigebietbetreiber hatte die Lage anders beurteilt. "Unsere Mitarbeiter haben am frühen Morgen die Lage geprüft und es gab keine Gefahr. Wenn sie Zweifel gehabt hätten, hätten sie die Talabfahrt bestimmt niemals geöffnet", sagte Thomas Konstantin Stecher von der Gletscherbahn im Schnalstal laut Nachrichtenagentur Ansa.

Trauer in Schnals

In der kleinen Gemeinde Schnals fällt nach dem tödlichen Unglück das Silvesterfeuerwerk aus. Am Montagabend gebe es in Gedenken an die Toten einen Fackelzug, bei dem Skilehrer der örtlichen Skischule in der Nähe der Unglückspiste abfahren, sagte eine Sprecherin der kleinen Gemeinde der Deutschen Presse-Agentur. Eine Mitarbeiterin der Skischule sagte, der Fackellauf finde jedes Jahr statt, werde dieses Jahr aber ohne Party sein und der Opfer gedenken. Auch die Südtiroler Landesregierung gedachte am Montag im Rahmen einer Regierungssitzung der drei Opfer und sprach den Angehörigen ihr Mitgefühl aus, wie eine Sprecherin in Bozen erklärte. Am Abend soll es zudem eine Gedenkfeier in einer Kirche im Schnalstal geben.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 30. Dezember 2019 um 17:10 Uhr.

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