Besucher des Moskauer Gorki-Parks suchen Abkühlung in einem Brunnen. | Bildquelle: dpa

Lewada-Institut Mehr Russen lehnen Fremde ab

Stand: 27.08.2018 17:03 Uhr

"Russland den Russen" - immer mehr Russen stimmen dem einer Studie des Moskauer Lewada-Zentrums zufolge zu. Als Grund sieht das Forschungsinstitut nicht nur Rassismus und Fremdenhass.

Innerhalb eines Jahres ist die Zahl der Russinnen und Russen mit fremdenfeindlichen Einstellungen stark gestiegen. Das zeigt eine Umfrage, die das regierungsunabhängige Meinungsforschungsinstitut Lewada-Zentrum in Moskau veröffentlicht hat.

Die Zahl der Befragten, die bei der im Juli durchgeführten Studie der Parole "Russland den Russen" zustimmten, stieg demnach von zehn Prozent im Jahr 2017 auf 19 Prozent an. Der Anteil derer, die eine Begrenzung der Arbeitsmigration nach Russland befürworten würden, wuchs von 58 auf 67 Prozent.

Besonders unbeliebt: Sinti und Roma, Afrikaner, Asiaten

Besonders unbeliebt sind demnach Sinti und Roma: 43 Prozent der Befragten würden sie lieber nicht nach Russland lassen. Ein Drittel sagt Gleiches über Afrikaner, mehr als ein Viertel über Chinesen und Tschetschenen - Einwohner einer muslimisch geprägten autonomen Teilrepublik, die zum russischen Staatsgebiet zählt.

30 Prozent der Befragten wünscht keine Menschen in Russland, die aus den früheren Sowjetrepubliken Zentralasiens stammen - von dort kommen viele Arbeitskräfte, die in Russland niedrig qualifizierte Arbeiten verrichten. Mehr als ein Fünftel der Befragten verspürt Ablehnung gegenüber Ukrainern. Vor dem Konflikt mit der Ukraine, der 2014 ausbrach, waren es lediglich 13 Prozent gewesen. 15 Prozent der Russen äußerten, sie wollten keine Juden in ihrem Land sehen.

Keine einzige der abgefragten Bevölkerungsgruppen im Land sehen wollte in der Befragung des Lewada-Zentrums acht Prozent der Befragten. 28 Prozent wiederum äußerten, keine Nation solle mit Einschränkungen zum Aufenthalt in Russland belegt werden.

Straßenarbeiter vor dem Luschniki-Stadion in Moskau - viele von ihnen stammen aus den früheren Sowjetrepubliken in Zentralasien. | Bildquelle: AP
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Straßenarbeiter vor dem Luschniki-Stadion in Moskau - viele von ihnen stammen aus den früheren Sowjetrepubliken in Zentralasien.

Historischer Antisemitismus, gegenwärtiger Sozialneid

Als Erklärungsansätze führt das Lewada-Zentrum mehrere Punkte an: Die fremdenfeindliche Einstellung gegenüber Sinti und Roma habe vor allem historische Hintergründe, während Chinesen wie auch Vietnamesen als Konkurrenten auf dem Arbeitsmarkt wahrgenommen würden.

Auch Sozialneid spielt demnach eine Rolle: In Anbetracht der gesellschaftlich-wirtschaftlichen Lage in Russland sei die Ablehnung von Fremden mit der Unzufriedenheit über die Rentenreform und der Verschlechterung des Konsumklimas verbunden.

Kurz nach dem Anstoß zur Fußball-WM hatte die russische Regierung verkündet, das Rentenalter für Männer schrittweise um fünf Jahre auf 65 und für Frauen um acht Jahre auf 63 Jahre zu steigern - ihrer statistischen Lebenserwartung nach dürften viele Männer dieses Alter jedoch nicht erreichen.

Während der WM hatten sich auch Politiker ablehnend gegenüber Fremden geäußert: Etwa rief die Duma-Abgeordnete und Vorsitzende des Familienausschusses, Tamara Pletnjowa, Russinnen dazu auf, sich nicht auf sexuelle Kontakte mit ausländischen Fans einzulassen - und insbesondere nicht von ihnen schwanger zu werden.

Fremdenfeindlichkeit in Russland hat zugenommen
Oliver Soos, ARD Moskau
27.08.2018 17:14 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell Radio am 28. August 2018 um 00:21 Uhr.

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