Monica Lewinsky | Bildquelle: imago/UPI Photo

20 Jahre Lewinsky-Affäre Vom Opfer zur Aufklärerin

Stand: 06.08.2018 11:59 Uhr

Vor 20 Jahren stand eine Ex-Praktikantin im Blickpunkt der Medien. Ihre Affäre mit US-Präsident Clinton hätte ihn fast das Amt gekostet. Heute macht sich Monica Lewinsky für Cybermobbing-Opfer stark.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Der 6. August 1998 ist der Tag, der die entscheidende Wende im Clinton-Lewinsky-Skandal bringt. Seit über einem halben Jahr kursierten Berichte, der Präsident und seine Praktikantin hätten eine Beziehung gehabt. Doch Monica Lewinsky hatte dies bisher bestritten - sogar unter Eid. Und auch Bill Clinton versicherte ein halbes Jahr zuvor: "Ich hatte keine sexuelle Beziehung mit dieser Frau, Miss Lewinsky."

US-Präsident Bill Clinton und die Praktikantin Monica Lewinsky im Weißen Haus | Bildquelle: picture-alliance / dpa
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Der damalige US-Präsident Bill Clinton und die Praktikantin Monica Lewinsky im Weißen Haus

Doch jetzt kann Monica Lewinsky nicht länger lügen. Denn ihre Kollegin Linda Tripp, der sie in vielen Telefonaten ihre Beziehung zu Clinton in allen Details geschildert hatte, die ihr sogar geraten hatte, das blaue Kleid mit dem verräterischen Fleck nicht zu waschen, sondern zu verstecken - diese vermeintlich beste Freundin hat ihre Telefonate mitgeschnitten und die Bänder dem damaligen Sonderermittler Ken Starr übergeben.

Straffreiheit gegen Aussage

Der Sonderermittler hat endlich etwas Belastendes gegen Clinton in der Hand. Lewinsky schlägt er einen Deal vor: Ihre Falschaussage unter Eid werde dann ohne Strafe bleiben, wenn sie vor einer Grand Jury auspacke. Das tut Lewinsky am 6. August: Fast neun Stunden lang beantwortet die damals 24-Jährige alle Fragen.

Anschließend äußert sich nur ihre Sprecherin: "Monica und ihre Familie sind erleichtert, dass diese Tortur an ein Ende zu kommen scheint." Weit gefehlt, denn die Leidensgeschichte der wohl berühmtesten Praktikantin der Welt ist längst nicht vorbei. Bill Clinton übersteht das von den Republikanern eingeleitete Amtsenthebungsverfahren. Die Lewinsky-Affäre ist zwar für ihn und seine Familie peinlich, aber seiner Popularität schadet sie nur kurze Zeit.

Vom schlechten Ruf verfolgt

Dagegen wird Monica Lewinsky noch jahrelang mit Hohn und Spott überzogen. Die Medien bezeichnen sie wahlweise als "Törtchen", "Flittchen" oder "verführerische Tussi". Ihre Frisur und ihre Basken-Mütze werden zum Running Gag der Comedy-Shows. Lewinsky flieht nach London, schließt ein Sozialpsychologiestudium ab, doch niemand will sie einstellen.

Nach fast einem Jahrzehnt des Schweigens hält sie im März 2015 eine viel beachtete Rede. Sie sei weltweit das erste Internetopfer gewesen, sagt sie: "Für das, was mir vor 17 Jahren widerfuhr, gab es damals noch keinen Namen. Nun nennen wir es Cyber-Mobbing und Online-Belästigung."

Monica Lewinsky (Archivbild) | Bildquelle: AP
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Vor einigen Jahren kehrte Monica Lewinsky in die Öffentlichkeit zurück - mit einer Botschaft.

Engagement auf Basis eigener Erfahrungen

Seither tritt die mittlerweile 45-Jährige regelmäßig auf Konferenzen auf: als Aktivistin gegen Mobbing im Internet und Hetzkampagnen im Netz. Sie ist Botschafterin des Anti-Mobbing-Programms für den Lady-Diana-Gedächtnispreis. Auf die Zeit vor 20 Jahren schaut sie ohne Zorn zurück, macht aber keinen Hehl daraus, dass sie damals an Selbstmord dachte: "Die öffentliche Demütigung war entsetzlich. Das Leben wurde fast unerträglich."

Für eine Neubewertung der Ereignisse vor 20 Jahren sorgt auch die Me-too-Bewegung, obwohl Lewinsky stets betont hat, dass ihre Beziehung mit Clinton einvernehmlich stattfand. Manche Kritiker von damals, wie der Comedian David Letterman, haben sich mittlerweile bei ihr entschuldigt. Und umgekehrt geriet Bill Clinton kürzlich in Erklärungsnot, als er im Sender NBC gefragt wurde, ob er sich wenigstens bei Lewinsky persönlich entschuldigt habe. "Ich habe nie mehr mit ihr gesprochen. Aber ich habe mehrmals öffentlich gesagt, dass es mir leid tut", sagt er. "Es war eine öffentliche Entschuldigung."

Vor kurzem wären sich Clinton und Lewinsky fast durch Zufall wieder begegnet. Beide waren auf einer Konferenz als Gastredner eingeladen worden. Nachdem bereits beide zugesagt hatten, sah sich der Veranstalter auf Drängen von Clintons Büro genötigt, Monica Lewinsky wieder auszuladen.

Monica Lewinsky heute
Martin Ganslmeier, ARD Washington
06.08.2018 11:18 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. August 2018 um 05:51 Uhr.

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