Ein Demonstrant wirft einen Autoreifen auf eine brennende Barrikade. | Bildquelle: dpa

Proteste im Libanon Brennende Reifen gegen die Korruption

Stand: 19.10.2019 00:58 Uhr

Im Libanon protestieren seit Tagen Tausende gegen die Regierung. Einer der Auslöser: Eine geplante Steuer auf WhatsApp-Anrufe. Doch auch nach der Rücknahme der Idee bleibt die Wut der Demonstranten.

Mit brennenden Barrikaden, Protestzügen und Blockaden haben Tausende Demonstranten das öffentliche Leben im Libanon größtenteils lahmgelegt. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein. Schulen und viele Geschäfte an zentralen Plätzen in der Innenstadt von Beirut blieben geschlossen.

Nach Angaben des Innenministeriums und des Roten Kreuzes wurden etwa 60 Polizisten und mehr als 100 Demonstranten verletzt.

Die Proteste begannen bereits am Donnerstag. Auslöser waren unter anderem Pläne der Regierung, eine neue Steuer auf Anrufe zu erheben, die über Onlinedienste wie WhatsApp gemacht werden. Die Regierung zog die Idee kurz darauf wieder zurück, doch die Proteste gingen weiter.

Die Polizei setzt Wasserwerfer gegen Demonstranten ein. | Bildquelle: AP
galerie

Wasserwerfer gegen Demonstranten: Bei den Protesten wurden Dutzende Menschen verletzt.

72 Stunden Zeit für Reformen

Libanons Premierminister Saad Hariri versprach in einer Fernsehansprache Besserungen. Er gab seinen politischen Partnern in der Regierung 72 Stunden Zeit, nach Lösungen für die wirtschaftliche Krise zu suchen. Der Libanon müsse dringend notwendige Reformen angehen.

Die derzeitige Einheitsregierung wird von Vertretern aus dem gesamten politischen Spektrum unterstützt, bekommt aber die Schuldenlast des Landes nicht in den Griff. Das kleine Land mit 6,8 Millionen Einwohnern kämpft mit einer Wirtschafts- und Finanzkrise.

Das Land hat eine der höchsten Schuldenquoten weltweit. Die Staatsverschuldung liegt bei 86 Milliarden US-Dollar (gut 77 Milliarden Euro), was einer Quote von etwa 150 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) entspricht.

Samir Nader, Chef der Denkfabrik Levante Institute for Strategic Affairs, sagte der Nachrichtenagentur AFP, dass die Demonstrationen gegen die gesamte politische Elite gerichtet seien. "Die Proteste sind das Ergebnis einer unter der Misswirtschaft der Regierung leidenden Bevölkerung." 

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. Oktober 2019 um 09:00 Uhr.

Darstellung: