Der Märtyrerplatz in Beirut nach den Protesten gegen die Regierung. | Bildquelle: REUTERS

Nach Explosion in Beirut Proteste und Hilfszusagen

Stand: 09.08.2020 11:42 Uhr

Nach Protesten in Beirut ist ein Polizist tot, etwa 200 Demonstranten sind verletzt. Ministerpräsident Diab kündigte Neuwahlen an. Heute berät eine internationale Konferenz über Hilfen. Erste Zusagen gibt es schon.

Im Vorfeld einer internationalen Geberkonferenz für den Libanon hat Bundesaußenminister Heiko Maas bereits zehn Millionen Euro Soforthilfen von deutscher Seite angekündigt. "Die Menschen in Beirut brauchen unsere Hilfe und sie brauchen Anlass zur Hoffnung", erklärte er.

Internationale Gemeinschaft will Hilfen koordinieren

Geleitet wird die für heute kurzfristig einberufene Videokonferenz von UN-Generalsekretär António Guterres und Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron.

Es gehe darum, der schwer getroffenen Bevölkerung direkt zu helfen, ohne dass es dabei zu Unterschlagungen komme. Nötig seien medizinische Hilfe, Nahrungsmittel und der rasche Wiederaufbau von Schulen oder Krankenhäusern. US-Präsident Donald Trump hatte mitgeteilt, dass er teilnehmen wolle. Auch der jordanische König Abdullah II., Ägyptens Staatschef Abdel Fattah al-Sisi und der britische Premier Boris Johnson sagten demnach zu, ebenso wie EU-Ratspräsident Charles Michel. Deutschland und Italien sind den Angaben zufolge ebenfalls vertreten.

Frankreich richtete bereits eine Luft- und Seebrücke ein, um den Libanon mit Hilfsgütern zu versorgen. Wie das französische Außenministerium mitteilte, sollen insgesamt mehr als 18 Tonnen Medikamente und fast 700 Tonnen Lebensmittel nach Beirut gebracht werden. Momentan sind acht Hilfsflüge und zwei Schiffslieferungen geplant. Erste französische Hilfsflüge waren schon am Mittwoch, dem Tag nach der Katastrophe, in den Libanon gestartet.

Weitere Proteste im Libanon
tagesschau24 12:00 Uhr, 09.08.2020, Jan-Erik Palm, ard-aktuell

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Ein Toter und Hunderte Verletzte bei Ausschreitungen

Bis in die Nacht hinein gab es in Beirut Proteste. Tausende Menschen waren schon am Tag durch die Stadt gezogen, um nach der verheerenden Explosion ihren Unmut über die Regierung kundzutun. Sie werfen ihr Korruption und Nachlässigkeit vor. Unter anderem waren Sprechchöre zu hören wie "Revolution, Revolution" oder "Das Volk will den Sturz des Regimes".

Bei den folgenden Zusammenstößen mit Sicherheitskräften starb einem Polizeisprecher zufolge ein Beamter. Mehr als 200 Menschen wurden verletzt. Demonstrierende stürmten Regierungsgebäude, darunter das Energieministerium, das Handelsministerium, das Wirtschafts- und das Umweltministerium, und legten Feuer am Sitz des Bankenverbands, bevor sie von der Armee zurückgedrängt und die Flammen gelöscht wurden. Auch das Außenministerium wurde nach dreistündiger Besetzung geräumt. Zuvor hatten von ehemaligen Armeeoffizieren angeführte Protestierende das Gebäude gestürmt und es zum "Hauptquartier der Revolution" erklärt.

Auf Bildern des libanesischen Senders MTV war zu sehen, dass einige der Protestierenden versuchten, eine Absperrung vor dem Parlament zu durchbrechen, auch Steine wurden geworfen. Daraufhin setzten Sicherheitskräfte Gummigeschosse und Tränengas ein. Augenzeugen berichteten, sie hätten Schüsse gehört.

Demonstranten stehen auf dem Balkon des libanesischen Außenministeriums in Beirut. | Bildquelle: REUTERS
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Demonstranten stehen auf dem Balkon des libanesischen Außenministeriums in Beirut.

Ministerpräsident kündigt Neuwahlen an

In einer Fernsehansprache während der Proteste kündigte Ministerpräsident Hassan Diab an, sein Kabinett zur Vorbereitung vorgezogener Neuwahlen aufzurufen. Für die enormen wirtschaftlichen und politischen Probleme des Landes sei er allerdings nicht verantwortlich. Diab versprach erneut, dass diejenigen, die für das Explosionsunglück am Dienstag verantwortlich seien, ausgemacht und bestraft würden.

Einen möglichen Termin für Neuwahlen nannte Diab nicht. Die nächsten Wahlen ständen eigentlich 2022 an. Viele Libanesen klagen, Wahlen hätten bisher an den realen Machtverhältnissen in dem Land wenig verändert.

Informationsministerin tritt zurück

Heute reichte die Informationsministerin Manal Abdel Samad ihren Rücktritt ein. "Ich entschuldige mich bei allen Libanesen, die ihre Ziele nicht erreichen konnten", sagte sie in einer im Fernsehen übertragenen Erklärung. Als Grund für ihren Rücktritt nannte sie unter anderem die Explosion im Hafen. Ein möglicher Wandel für den Libanon sei jetzt "außer Reichweite". Es ist der erste Rücktritt eines Kabinettsmitglieds seit der Katastrophe.

Am Dienstag waren bei einer verheerenden Explosion im Hafen von Beirut mindestens 154 Menschen gestorben und mehr als 5000 verletzt worden. Etliche Menschen werden noch vermisst.

Proteste in Beirut bis weit in die Nacht
Jürgen Stryjak, ARD Kairo
09.08.2020 06:55 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 09. August 2020 um 09:00 Uhr.

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