Zehntausende Menschen auf der Straße Zweierlei Gedenken in Beirut

Stand: 14.02.2008 15:42 Uhr

Gespannte Atmosphäre in der libanesischen Hauptstadt: Die Hisbollah hatte ihre Anhänger aufgerufen, sich im Süden der Hauptstadt zu einem Trauerzug hinter dem Sarg ihres Kommandeurs Imad Mugnieh zu versammeln. Zugleich kamen prowestlich orientierte Demonstranten in die Beiruter Innenstadt, um an den eh emaligen Rafik Hariri zu erinnern, der vor genau drei Jahren einem Mordanschlag zum Opfer fiel.

Regierungsfreundliche Demonstration in Beirut
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Regierungsfreundlich und syrienkritisch: Demonstration in Beirut

Soldaten sollen Zusammenstöße verhindern

Um gewaltsame Ausschreitungen zwischen beiden Seiten zu verhindern, wurden tausende Soldaten in der Stadt stationiert und wichtige Straßen gesperrt. Die prowestlichen Demonstranten schwenkten die libanesische Nationalflagge und forderten die Wahl eines neuen Präsidenten, die im Parlament bereits 14 Mal verschoben wurde. Seit Ende der Amtszeit von Präsident Emile Lahoud im November besteht im Libanon ein Machtvakuum.

Hisbollah-Führer droht "offenen Krieg" gegen Israel an

Abschied der Hisbollah-Milizionäre
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Abschied der Hisbollah-Milizionäre von Kommandeur Imad Mugnieh

Imad Mugnieh war Sicherheitschef der Hisbollah und gehörte zu den weltweit meistgesuchten Terroristen. Er war am Dienstagabend bei einem Bombenanschlag in Damaskus getötet worden. Mugnieh sei ein Märtyrer, hieß es. Hisbollah und Iran haben Israel für den Tod von Mugnieh verantwortlich gemacht. Hisbollah-Chef Nasrallah sagte in einer Ansprache an die Trauergemeinde: "Wenn die Zionisten einen offenen Krieg haben wollen, werden sie ihn bekommen." Der Libanon-Krieg sei ohnehin noch nicht beendet, da kein Waffenstillstand verkündet worden sei. Irans Außenminister Manuschehr Mottaki verlas während der Zeremonie eine Botschaft von Präsident Mahmud Ahmadinedschad, der "kriminelle Operationen Israels" für den Anschlag auf Mugnieh verantwortlich machte. Syriens Innenminister Bassam Abdel-Madschid verurteilte den Anschlag auf Mugnieh laut amtlicher Nachrichtenagentur Sana als "terroristischen und feigen Akt".

Das US-Außenministerium hingegen begrüßte die Ermordung des Hisbollah-Mannes. Ohne Mugnieh sei die Welt "ein besserer Ort", erklärte ein Sprecher. Präsident Bush kündigte an, die US-Strafmaßnahmen gegen Syrien zu verschärfen, da es eine "anhaltend destabilisierende Rolle" im Libanon sowie im Irak spiele.

Demonstranten auf dem Weg in die Beiruter Innenstadt
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Prowestliche Demonstranten auf dem Weg in die Beiruter Innenstadt

Wegen möglicher Racheakte der Hisbollah versetzte Israel seine Truppen an der Grenze zum Libanon in Alarmbereitschaft, wie der staatliche und der Militärrundfunk berichteten. Die Sicherheitskräfte an israelischen Botschaften und Einrichtungen weltweit wurden aus Furcht vor Racheakten in Alarmbereitschaft versetzt.

Mugniehs Tod dürfte auch die Spannungen im Libanon noch verschärfen, wo die von der Hisbollah geführte Opposition und die westlich orientierte Regierung in einen erbitterten Machtkampf verstrickt sind.

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