Ausgebrannte US-Botschaft in Bengasi

Nach Anschlag auf US-Botschafter Libysche Führung verurteilt Attentat

Stand: 12.09.2012 17:29 Uhr

Libyens Übergangspräsident hat das tödliche Attentat auf den US-Botschafter in Bengasi verurteilt. Zudem kritisierte er das islamfeindliche Video, das als Auslöser für die Proteste gilt. Mit dem Botschafter wurden mehrere seiner Mitarbeiter und libysche Sicherheitskräfte getötet.

Von Björn Blaschke, ARD-Studio Kairo

Der US-Botschafter in Libyen und drei seiner Mitarbeiter sind bei einem Raketenangriff auf ihr Auto umgekommen – so heißt es aus Regierungskreisen in der libyschen Hauptstadt Tripolis. Die Diplomaten seien beschossen worden, als sie aus dem Konsulat evakuiert wurde, das Militante stürmten. Die libysche Führung verurteilte den Anschlag.

"Wir versichern, dieses schändliche Attentat entspricht überhaupt nicht dem Islam, unseren Werten – oder den Traditionen und Bräuchen der arabischen und islamischen Gastfreundschaft", sagte Übergangspräsident Mohammed Yusuf al Megarief. Die Regierung verurteile jeden Versuch, den Prophet Mohammed, Religion und die Heiligtümer zu beleidigen. "Aber wir verurteilen auch diesen Gewaltakt und den Terror gegen friedliche Menschen und die Tötung unschuldiger Menschen", erklärte er weiter.

Bewaffnete hatten das US-Konsulat in Bengasi angegriffen und angezündet, nachdem sie sich heftige Feuergefechte mit Sicherheitskräften geliefert hatten. Die regulären Einheiten mussten schließlich fliehen. Zuvor hatten Demonstranten in Libyens Nachbarland Ägypten vor der US-Botschaft demonstriert. Sie schafften es die Schutzmauern zu erklimmen, die amerikanische Flagge einzuholen und unter lautem Gejohle zu verbrennen.

Ausgebranntes US-Konsulat in Bengasi | Bildquelle: REUTERS
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Das US-Konsulat im libyschen Bengasi brannte nach dem Angriff zu großen Teilen aus.

Provokativer Film als Auslöser für die Gewalt

Unmittelbarer Auslöser für die neuen Gewaltaktionen ist ein auf YouTube veröffentlichtes Werbevideo für einen provokativen Film: Nicht nur, dass der Prophet Mohammed dargestellt wird, was im Islam verboten ist. Nein, in der 14 Minuten langen Vorschau wird Prophet Mohammed auch noch als Trottel, Frauenheld, Kinderschänder und als gieriger und blutrünstiger Gangster dargestellt. In dieser Sequenz unterhält sich ein Mann mit einem Esel: "Er ist der erste Muslim unter den Tieren. Wie heißt Du? Er heißt Jaafour….! Jaafour – magst Du die Frauen? – Jaafour mag die Frauen nicht…"

Der Autor, Regisseur und Produzent des als Satire überschriebenen Streifens mit dem Titel „Die Unschuld der Muslime“ ist ein erklärter Hasser des Islams. Die Filmvorschau stand seit Juli im Internet, wurde jedoch nur von etwas mehr als dreihundert Leuten angeguckt. Sie erregte erst Aufmerksamkeit, als der radikale Christenprediger Terry Jones für den Film warb. Jones ist ebenfalls ein erklärter Islam-Hasser, der mit der Verbrennung von Koranen gewalttätige Proteste auslöste.

Christen in Ägypten kritisierten den Film

Mehrere christliche Gemeinden in Ägypten kritisierten Vorschau und Film. Zuvor war in lokalen Medien berichtet worden, koptische Christen aus Ägypten, die in die USA ausgewandert waren, seien an der Produktion beteiligt gewesen. Ein koptischer TV-Sender berichtete, in dem Film tauchten zwar Schauspieler auf, die arabisch mit ägyptischem Akzent sprechen. Es handele sich jedoch nicht um Kopten aus Amerika. Liberale Ägypter zeigten sich derweil schockiert von den Ausschreitungen vor der US-Botschaft in Kairo – und von der Tatsache, dass christliche und muslimische Extremisten einander so stark in die Hände spielen.

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