Ein Soldat der libyschen Nationalarmee steht westlich von Sirte in einem Militärfahrzeug. | Bildquelle: REUTERS

Bürgerkrieg in Libyen Regierung in Tripolis kündigt Waffenruhe an

Stand: 21.08.2020 14:52 Uhr

Seit 2011 tobt ein Bürgerkrieg in Libyen. Nun hat die international anerkannte Regierung in Tripolis eine neue Waffenruhe angekündigt. Dafür sprach sich auch das Lager um den rivalisierenden General Haftar aus.

Nach jahrelangen Kämpfen haben die gegnerischen Seiten in Libyen eine Waffenruhe und baldige Wahlen angekündigt. Das teilten die Einheitsregierung in Tripolis im Westen des Landes und das rivalisierende Parlament im Osten Libyens in getrennten Erklärungen mit.

Für die von den UN anerkannte Einheitsregierung in Tripolis gab Regierungschef Fajes al-Sarraj die Vereinbarung bekannt. Die Streitkräfte seien angewiesen, alle Kampfhandlungen in ganz Libyen einzustellen. Zudem sollen eine entmilitarisierte Zone in der strategisch wichtigen Stadt Sirte am Mittelmeer eingerichtet und ein politischer Dialog angestoßen werden.

Auch Agila Saleh, der Vorsitzende des mit dem einflussreichen General Chalifa Haftar verbündeten Parlaments im Osten Libyens, gab eine eigene Erklärung heraus. Er rief ebenfalls zu einem sofortigen Waffenstillstand im Land auf. Der Waffenstillstand blockiere den Weg für jegliche ausländische Militärintervention im Land und führe zum Abzug von Söldnern und zur Auflösung von Milizen, hieß es in der Erklärung, die von der libyschen UN-Mission veröffentlicht wurde.

In Libyen herrscht seit dem Sturz des Langzeitmachthabers Muammar al-Gaddafi 2011 Bürgerkrieg. Die Sarraj-Regierung kämpft gegen die Haftar-Truppen. Alle diplomatischen Bemühungen um eine Beilegung des Konflikts scheiterten bisher. Auch frühere Waffenruhen konnten die Lage nicht beruhigen.

UN begrüßen Ankündigung

Die UN-Libyen-Vermittlerin Stephanie Williams begrüßte die Ankündigung und sprach von einer Einigung beider Seiten. Es bestehe die Hoffnung, dass alle ausländischen Kräfte aus dem Land abzögen.

Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts in Berlin sagte, es seien zwar noch nicht alle Details bekannt. Das könnte aber ein wichtiger Schritt zur Lösung des Konflikts sein. Bundesaußenminister Heiko Maas hatte vor kurzem in Tripolis für eine demilitarisierte Zone um die umkämpfte Stadt Sirte und eine gerechte Verteilung der Öleinnahmen des Landes geworben, um den Konflikt beenden zu können.

Beide Seiten in Libyen sind jeweils mit Milizen verbündet. Zudem sind weitere Länder in den Konflikt involviert: Die Sarraj-Regierung wird in dem Konflikt unter anderem von türkischen Truppen unterstützt. Haftar erhält Hilfe von den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), Ägypten und Saudi-Arabien.

Libysche Regierung kündigt Waffenstillstand an
Jürgen Stryjak, ARD Kairo
21.08.2020 16:50 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. August 2020 um 14:00 Uhr.

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