Migranten an Bord der "Lifeline" | Bildquelle: AFP

EU-Länder zu Aufnahme bereit Lösung für "Lifeline"-Migranten

Stand: 26.06.2018 22:05 Uhr

Noch sind sie auf dem Rettungsschiff. Doch für die 233 Geretteten auf der "Lifeline" sind der Hafen in Malta und auch Aufnahmeländer in Sicht. Frankreichs Präsident Macron sicherte das jetzt zu.

Der französische Präsident Emmanuel Macron hat bestätigt, dass Frankreich und einige andere europäische Länder Migranten von dem Rettungsschiff "Lifeline" aufnehmen wollen. Die Zahl sei begrenzt, es seien "mehrere Dutzend" Menschen pro Land. Der maltesische Premierminister Joseph Muscat habe europäische Solidarität organisiert, lobte Macron.

Papstaudienz: der französische Präsident Emmanuel Macron und seine Frau Brigitte im Vatikan. | Bildquelle: dpa
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Thema bei der Papstaudienz: die Migration - laut Frankreichs Präsident Macron eine "politische Krise". Emmanuel Macron wurde von seiner Frau Brigitte begleitet.

Auch der italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte hatte bereits die Aufnahme einiger Flüchtlinge zugesagt. Dies habe er seinem maltesischen Amtskollegen Joseph Muscat bei einem Telefongespräch versprochen.

Nach einer tagelangen Blockade auf dem Mittelmeer hatte das Schiff grundsätzlich die Erlaubnis erhalten, einen Hafen der Mittelmeerinsel Malta anzulaufen. Es war jedoch zunächst unklar, wann die entsprechenden Genehmigungen für das Rettungsschiff der deutschen Organisation Mission "Lifeline" erteilt würden. Die NGO aus Dresden erklärte via Twitter, bisher habe das Schiff keine Erlaubnis zum Einlaufen in die Hoheitsgewässer Maltas erhalten.

Auf dem Schiff befinden sich 233 aus Seenot gerettete Migranten. Seit sechs Tagen hatte die Crew der "Lifeline" einen Hafen gesucht, in dem sie anlegen und die Geretteten an Land bringen kann. Macron sprach mit Blick auf die Migration von einer "politischen Krise". Er habe darüber mit Papst Franziskus bei seiner Audienz im Vatikan gesprochen.

Italien schottet sich weiter gegen Rettungsaktionen ab

Malta, Spanien und Italien hatten der "Lifeline" zuvor verweigert, einen Hafen in ihren Ländern anzulaufen. Das Schiff harrt deshalb seit Tagen in internationalen Gewässern vor der Küste Maltas aus.

Italiens neue Regierung hat den Organisationen, die in den letzten Monaten zehntausende Migranten vor der Küste Libyens aus Seenot gerettet hatten, den Kampf angesagt. Innenminister Salvini hat sie immer wieder als Helfer der Schlepper bezeichnet und setzt auf mehr Abschottung, schon in Libyen. Italiens Häfen sollen für die Schiffe der Rettungsorganisationen weiter geschlossen bleiben.

Malta erwägt Ermittlungen gegen deutschen Kapitän

Malta erwägt, Ermittlungen gegen den Kapitän des Rettungsschiffes der deutschen Organisation Mission Lifeline aufzunehmen. Der habe bei der Rettung der Migranten vergangene Woche Anweisungen der italienischen Behörden ignoriert, teilte die Regierung in Valletta mit. Die Regierung in Rom habe angeordnet, die Bergung der libyschen Küstenwache zu überlassen.

Mission Lifeline sieht sich allerdings im Recht. Die libysche Küstenwache habe auf ihre Anfrage für eine Rettung nicht reagiert, während die Menschen in Seenot gewesen seien, sagte Ruben Neugebauer, Sprecher der deutschen Hilfsorganisation Sea-Watch, die Mission Lifeline bei der Pressearbeit unterstützt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 26. Juni 2018 um 20:00 Uhr.

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