Südkoreanische Aktivisten der Gruppe "Fighters for Free North Korea" lassen Flugblatt-Ballons nach Nordkorea steigen. | Bildquelle: REUTERS

Protest von Aktivisten Ballons mit Flugblättern für Nordkorea

Stand: 23.06.2020 10:35 Uhr

Südkoreanische Aktivisten haben erneut Hunderttausende Flugblätter mithilfe von Ballons über die Grenze nach Nordkorea geschickt. Pjöngjang hatte vor solchen Aktionen gewarnt und erst kürzlich harsch darauf reagiert.

Aktivisten in Südkorea haben erneut Ballons mit Flugblättern über die Grenze nach Nordkorea geschickt. Die Gruppe "Fighters for Free North Korea", die von geflüchteten Nordkoreanern geführt wird, teilte mit, sie habe 20 Ballons mit Hunderttausenden Pjöngjang-kritischen Flugblättern nahe der Grenzstadt Paju aufsteigen lassen. Die Flugblätter seien Teil des Kampfes für Gerechtigkeit und die Befreiung Nordkoreas, sagte der Leiter der Gruppe, Park Sang Hak. Die Ballons trugen nach Angaben der Gruppe auch 1000 USB-Sticks und 2000 Ein-Dollar-Scheine als Anreiz, um die Pakete einzusammeln.

Park nannte den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un "einen Bösen" und seine Herrschaft eine "Barbarei". Er werde weiterhin Anti-Kim-Flugblätter senden. "Da nordkoreanische Bewohner moderne Sklaven ohne Grundrechte geworden sind, haben sie nicht das Recht auf die Wahrheit?", fragte Park.

Wie wird Pjöngjang reagieren?

Die Aktion dürfte die Spannungen zwischen Süd- und Nordkorea verschärfen. Pjöngjang hatte gedroht, derartige Aktionen zu vergelten. Als Reaktion auf eine ähnliche Flugblatt-Aktion von Aktivisten aus Südkorea hatte Pjöngjang kürzlich alle Verbindungen zu Seoul gekappt und ein Verbindungsbüro in der Grenzstadt Kaesong demonstrativ gesprengt.

"Tiefes Bedauern" in Seoul

Das Vereinigungsministerium in Seoul bestätigte, dass es Versuche der Aktivisten gegeben habe, an der Grenze Flugblätter in das Nachbarland fliegen zu lassen. Doch ob diese auch über die Grenze gelangten, sei unklar, sagte eine Sprecherin. Ihr Ministerium habe "tiefes Bedauern" über die Aktion geäußert.

Südkorea hatte versprochen, das Schicken von Flugblättern zu verhindern und will demnach gerichtlich gegen Park und andere vorgehen, die seit Jahren derartige Aktionen durchführen. Die Ermittlungen dauern an.

Ziel dieser häufig unternommenen, in Südkorea selbst nicht unumstrittenen Ballonaktionen ist es, die Nordkoreaner zum Umsturz der kommunistischen Führung aufzurufen. Pjöngjang wirft der Regierung in Seoul vor, diese Kampagne zu tolerieren.

Die Spannungen zwischen den beiden koreanischen Staaten haben sich nach dem Scheitern eines Gipfeltreffens zwischen dem nordkoreanischen Machthaber Kim und US-Präsident Donald Trump im Februar 2019 deutlich verschärft. Nordkorea kündigte an, seine Truppenpräsenz um die entmilitarisierte Zone wieder zu verstärken.

Experten sehen darin den Versuch Pjöngjangs, eine Krise zu fabrizieren, um Seoul in dem Atomkonflikt Zugeständnisse abzupressen und den Druck auch auf die USA zu erhöhen. 

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. Juni 2020 um 07:14 Uhr.

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