Ein Kind mit einer Schutzmaske gegen Smog | Bildquelle: picture alliance/dpa

Bericht der WHO 600.000 tote Kinder durch Luftverschmutzung

Stand: 29.10.2018 16:21 Uhr

Die Weltgesundheitsorganisation hat erschreckende Zahlen veröffentlicht: Einem Bericht zufolge atmen weltweit 93 Prozent der Kinder gesundheitsschädliche Luft. 600.000 Kinder sterben jährlich an den Folgen.

Luftverschmutzung tötet einer Studie zufolge weltweit sieben Millionen Menschen pro Jahr. Rund 600.000 von ihnen sind Kinder unter 15 Jahren, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) berichtete. Betroffen seien vor allem Menschen in ärmeren Ländern.

"Luftverschmutzung ist eine globale Gesundheitskrise", warnte die WHO, die sich auf Zahlen aus dem Jahr 2016 bezog. Im Durchschnitt atmen weltweit 93 Prozent der Kinder demnach Luft ein, die ein Risiko für ihre Gesundheit und ihre Entwicklung ist. In den reichen Ländern seien es 52 Prozent, in den übrigen Staaten 98 Prozent.

Frauen halten sich in Neu-Delhi Tücher vor den Mund, während dichter Smog über der Stadt liegt (Archivbild vom 06.11.2016) | Bildquelle: dpa
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Schlechte Luft ist besonders für Kinder ein hohes gesundheitliches Risiko.

Schon Föten sind gefährdet

Die WHO unterscheidet zwischen Verschmutzung der Außenluft und der Luft in Innenräumen. Unter freiem Himmel verpesten etwa die Verbrennung von fossilen Rohstoffen oder Abfall, Industrieabgase, Waldbrände und Vulkanausbrüche die Luft. In Häusern nehmen Rauch von Kerosin, Kohle, Bioabfällen oder Holz zum Kochen, Heizen oder die Beleuchtung Menschen den Atem. Dies sei vor allem für Kinder fatal, die in jungen Jahren besonders viel Zeit unter dem heimischen Dach verbringen.

Schon im Mutterleib seien Föten gefährdet, schreibt die WHO. Schadstoffe könnten über den Blutkreislauf der Mutter zu dem ungeborenen Kind gelangen. Das könne die DNA schädigen, das Wachstum und den Aufbau eines robusten Immunsystems stören. Kinder seien dadurch unter Umständen besonders anfällig für Allergien und Asthma. Außerdem könne die Entwicklung des Gehirns leiden.

Feinstaub dringt tief in die Lungen ein

Rund 13 Prozent der unter Fünfjährigen seien 2016 weltweit an Lungenentzündung gestorben, heißt es in der Studie - mehr, als durch Durchfall ums Leben kamen, durch Mangelernährung oder ansteckende Krankheiten.

"Verschmutzte Luft vergiftet Millionen von Kindern und ruiniert ihr Leben", erklärte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. "Das ist unentschuldbar. Jedes Kind sollte in der Lage sein, saubere Luft zu atmen." 

Die Studie konzentrierte sich auf gefährliche Schwebstoffe, sogenannten Feinstaub, mit einem Durchmesser von weniger als 2,5 Mikrometern (2,5μ). Dazu gehören auch Giftstoffe wie Sulfate und Kohlenstoffdioxid, welche die größten Gesundheitsrisiken darstellen, weil sie tief in die Lungen oder den Herz-Kreislauf eindringen können. 

"Saubere, erneuerbare Energien forcieren"

Die WHO fordert eine schnelleren Wechsel zu "sauberem Kochen" in Entwicklungsländern und allgemein die Förderung sauberer Transportarten, geringerer Emissionen und besserer Abfallbewirtschaftung. "Die Welt muss die Überabhängigkeit von fossilen (Brennstoffen) verringern und saubere, erneuerbare Energien forcieren", sagte die Leiterin der WHO-Abteilung für Gesundheit und Umwelt, Maria Neira. 

Insgesamt sterben weltweit 3,8 Millionen Menschen vorzeitig durch verpestete Luft in Wohnbereichen. Das sei mehr als durch Malaria, Tuberkulose und HIV/Aids zusammen, so die Studie.

Die WHO veröffentlichte ihre Zahlen am Vortag einer dreitägigen UN-Konferenz in Genf zum Ausmaß und zur Bekämpfung der Luftverschmutzung.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 29. Oktober 2018 um 16:50 Uhr.

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