Emmanuele Macron | Bildquelle: REUTERS

Vor der Frankreich-Wahl Macron beklagt massiven Hackerangriff

Stand: 05.08.2019 11:22 Uhr

Das Team des französischen Präsidentschaftskandidaten Macron ist nach eigenen Angaben Opfer eines "massiven und koordinierten" Hackerangriffs geworden. Die Wahlkommission kündigte noch in der Nacht an, den Vorfall umgehend zu untersuchen.

Das Wahlkampfteam des französischen Präsidentschaftskandidaten Emmanuel Macron hat einen "massiven und koordinierten" Hackerangriff gemeldet. Es seien E-Mail-Postfächer von mehreren Verantwortlichen der Bewegung "En Marche" angegriffen worden. E-Mails und Dokumente mit finanziellen Informationen seien mit gefälschten Unterlagen vermischt und über das Internet verbreitet worden, teilten die Kampagnenhelfer in einer Erklärung mit.

Laut der Enthüllungsplattform Wikileaks, die auf das unter dem Hashtag #MacronLeaks kursierende Datenmaterial verlinkte, handelt es sich um Zehntausende Dokumente im Umfang von rund neun Gigabyte.

Vergleich mit Angriff auf Clinton

Wer auch immer hinter dem Hackerangriff stehe, habe "Zweifel und Desinformation säen" wollen, so "En Marche". Macrons Wahlkampfteam verglich den Angriff mit den gehackten E-Mails der US-amerikanischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton. Die Stichrunde der Präsidentschaftswahl habe destabilisiert werden sollen.

Macron gilt als Favorit bei der entscheidenden Wahlrunde am Sonntag. Laut den letzten Umfragen vom Freitag kann er mit rund 62 Prozent der Stimmen rechnen, seine rechtspopulistische Konkurrentin Marine Le Pen mit rund 38 Prozent.

Die Mitteilung über den mutmaßlichen Angriff kam genau zum Ende des Wahlkampfs in Frankreich - seit Mitternacht darf nicht mehr um Stimmen geworben worden. Das französische Innenministerium wollte sich deswegen zu dem Vorwurf nicht äußern.

Wahlkommission will Vorfall untersuchen

Wenige Stunden nach Bekanntwerden des Vorfalls hat sich die französische Wahlkommission geäußert und angekündigt, den Vorwürfen nachzugehen. Der Vorfall solle am Samstagmorgen diskutiert werden.

Die Kommission rief die französischen Medien auf, keine gehackten Unterlagen zu veröffentlichen - diese seien "höchstwahrscheinlich gefälscht". Die Verbreitung falscher Nachrichten könne strafrechtlich geahndet werden.

Mehr zum Thema

Mitte vergangener Woche hatte es in Sozialen Netzwerken Gerüchte gegeben, dass Macron ein Konto in einem Steuerparadies habe. Macrons Gegnerin Marine Le Pen nahm die Vorwürfe im TV-Duell vor der Wahl auf. "En Marche" erstattete daraufhin Anzeige gegen Unbekannt, die Staatsanwaltschaft nahm Vorermittlungen auf.

Im April bereits Berichte über Cyberangriffe

"En Marche" hatte bereits Ende April unter Berufung auf eine IT-Sicherheitsfirma berichtet, Macrons Kampagne sei Ziel der Hackergruppe "Pawn Storm" geworden. Westliche IT-Sicherheitsfirmen vermuten dahinter eine Gruppe mit mutmaßlicher Nähe zu russischen Geheimdiensten, die auch hinter Hackerangriffen auf den Parteivorstand der US-Demokraten stecken soll. Macrons Einstellung zu Russland gilt als äußerst kritisch.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. Mai 2017 um 04:58 Uhr.

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