Wladimir Putin | Bildquelle: AP

Macron empfängt Kremlchef Warum Putins Meinung doch zählt

Stand: 19.08.2019 12:49 Uhr

Frankreichs Präsident Macron hat Kremlchef Putin kurz vor dem G7-Gipfel in seine Mittelmeerresidenz eingeladen. Bei dem Gipfel ist Putin nicht dabei, seine Meinung interessiert aber.

Von Marcel Wagner, ARD-Studio Paris

Nein, eine Männerfreundschaft wird das in diesem Leben wohl nicht mehr werden - zwischen Emmanuel Macron und Wladimir Putin. In Bezug auf ihr Verständnis, auf welche Art und zu welchem Zweck internationale Politik gemacht werden sollte, leben die beiden Staatsmänner gefühlt auf zwei unterschiedlichen Planeten.

Im Kreml, so entsteht oft der Eindruck, wird die Welt vor allem nach eigenen Machtinteressen eingeteilt. Im Pariser Élysée-Palast dagegen werden gerne hohe Werte zitiert: Demokratie, Gleichheit, Verständnis.

Sabine Rau, ARD Paris, zum Treffen zwischen Macron und Putin
tagesschau24 18:00 Uhr, 19.08.2019

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

"Organe der Beeinflussung"

Bei ihren bisherigen Treffen machten die beiden weder einen Hehl aus diesen Unterschieden noch aus einer gewissen Abneigung füreinander. Bei einem Staatsbesuch hatte Macron Putin einst öffentlich vorgehalten, dass Russia Today und Sputnik sich nicht wie Presseorgane und Journalisten, sondern wie "Organe der Beeinflussung und Lügen-Propaganda" verhalten hätten. Damit geißelte er den vermeintlichen Versuch der Einflussnahme im französischen Präsidentschaftswahlkampf durch Russland.

Emmanuel Macron | Bildquelle: REUTERS
galerie

Präsident Macron will Putins Meinung zu vielen Themen wissen, denn die russische Position soll beim G7-Gipfel einfließen.

Putin ließ Macron warten

Putin wiederum hatte Gastgeber Macron und Dutzende andere Staatschefs im vergangenen Herbst bei den Feierlichkeiten zum hundertjährigen Ende des Ersten Weltkriegs im strömenden Regen auf seine Ankunft warten lassen. Ein kalkulierter Affront, mit dem er seine Macht zeigen wollte. 

Und trotzdem wissen beide Staatschefs nur zu gut, dass es ohne einander auch nicht geht: "Wir müssen mit Russland reden, arbeiten, weitermachen. Russland gehört zu Europa", sagte Macron noch kurz vor der Sommerpause in einem Interview im Schweizer TV.

Tatsächlich telefonieren die beiden Staatschefs relativ regelmäßig - und sei es auch nur, um sich ihrer unterschiedlichen Positionen zu versichern, etwa was den Friedensprozess in der Ukraine angeht. Beim G20-Gipfel Ende Juni in Osaka trafen sie sich außerdem zu einem längeren Vier-Augen-Gespräch. Dort verabredeten sie bereits, sich auch vor dem anstehenden G7-Gipfel noch einmal zu treffen, was nun heute Abend geschieht.

Abneigung, aber auch Respekt

Bei aller Abneigung gibt es dann doch genug Respekt auf beiden Seiten. Und politischen Realismus: "Ich bin überzeugt, dass das Europa, an das ich glaube, und die multilaterale Ordnung, die ich verteidige, eine neue Grammatik des Vertrauens und der Sicherheit mit Russland notwendig machen", sagte Macron.

Ein kurzfristiger Durchbruch bei einem der vielen schwelenden, internationalen Konflikte sei sicherlich nicht in Sicht, heißt es aus dem Umfeld des Präsidenten. Aber es sei nur realistisch, sich einzugestehen, dass es ohne Russland weder in der Ukraine, noch in Syrien, noch im Atomstreit mit dem Iran, bei Handelskonflikten, im Klimaschutz oder einer anderen bedeutenden Frage überhaupt international Fortschritte geben könnte.

Russische Position soll einfließen

Folgerichtig sollen all diese Themen beim heutigen Treffen zur Sprache kommen. Wie immer werde der Dialog offen sein, Probleme werden angesprochen, heißt es im Élysée-Palast. Nur so könne Macron als Gastgeber und Präsident beim G7-Gipfel am kommenden Wochenende die russische Position zumindest einfließen lassen.

Dass Russland selbst, wie bis 2013 der Fall, dort wieder mit am Tisch sitzen könnte, scheint laut Macron vorerst allerdings ausgeschlossen: "Wenn es beim Abkommen von Minsk keine klaren, belastbaren und messbaren Fortschritte gibt, kann es keine Neuauflage der G8 geben", so Macron. Mit anderen Worten: So lange Russland im Ukraine-Konflikt nicht dauerhaft für Frieden sorgt, darf Putin zwar in Brégançon speisen, in Biarritz aber nicht mitverhandeln.

Kein Treffen der Freundschaft? Putin zu Gast bei Macron
Marcel Wagner, ARD Paris
19.08.2019 11:19 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 19. August 2019 um 11:54 Uhr.

Darstellung: