Ein Polizeiauto sperrt eine Straße in Madrid ab während eine Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen der Regierung. | Bildquelle: AFP

Steigende Corona-Zahlen Teile Madrids abgeriegelt

Stand: 21.09.2020 15:47 Uhr

Spanien ist das am schlimmsten von der Corona-Pandemie betroffene Land in Westeuropa. Die größten Sorgen bereitet dabei Madrid. Wegen explodierender Zahlen wurden nun Teile der Hauptstadt abgeriegelt. Das führte bereits zu Protesten.

Wegen der explodierenden Corona-Neuinfektionen in Madrid sind seit Montag eine Reihe von Vierteln der spanischen Hauptstadt abgeriegelt. Rund 850.000 Menschen in überwiegend ärmeren Stadtteilen im Süden von Madrid sowie in südlichen Vororten dürfen ihr Viertel nicht mehr verlassen. Ausnahmen gelten nur für den Weg zur Arbeit, zum Arzt oder um Kinder zur Schule zu bringen.

Die neuen Corona-Einschränkungen in Madrid gelten für zwei Wochen. Die Behörden haben die Menschen in den betroffenen Stadtteilen darum gebeten, die meiste Zeit zu Hause zu bleiben - auch wenn es keine strikte Ausgangssperre wie im Frühjahr in Spanien gibt und die Menschen sich innerhalb ihrer Viertel weiter frei bewegen dürfen. Von außen darf aber niemand mehr in die Viertel hinein. Die Polizei begann mit Kontrollen.

Protest in betroffenen Bezirken

Innerhalb der Viertel wurden Parks geschlossen. Geschäfte, Bars und Restaurants dürfen zwar geöffnet bleiben, müssen die Zahl der Kunden und Gäste aber halbieren. Die Obergrenze für Treffen wurde in der gesamten Region von zehn auf sechs Menschen gesenkt.

Da die Maßnahmen vor allem dicht besiedelte und einkommensschwache Viertel im Süden von Madrid betreffen, war es am Sonntag bereits in einigen der betroffenen Bezirke zu Protesten gekommen. Die Menschen hielten Plakate hoch, auf denen zu lesen war: "Nein zu einer Ausgangssperre nach sozialen Klassen" und "Sie zerstören unsere Viertel und jetzt sperren sie uns ein".

Madrids Regionalregierung ruft Armee zur Hilfe

Um die Lage in der spanischen Hauptstadt in den Griff zu bekommen, riefen Spaniens Premierminister Pedro Sanchéz und die konservativen Regionalpräsidenten von Madrid, Isabel Díaz Ayuso, eine Arbeitsgruppe ins Leben. Bereits heute sollen Mitglieder der Arbeitsgruppe, unter ihnen auch Spaniens Gesundheitsminister Salvador Illa, zusammenkommen, um über "gemeinsame Antworten im Kampf gegen die Pandemie" zu beraten.

Ayuso wandte sich zudem mit der Bitte um Unterstützung an die spanische Armee. "Wir brauchen Hilfe bei der Desinfektion. Auch brauchen die Polizei und die lokalen Sicherheitskräfte Unterstützung." Die Politikerin steht wegen ihres Krisen-Managements massiv in der Kritik.

Die vielen Corona-Fälle in Madrid beunruhigen die Zentralregierung stark, da die Hauptstadt nicht zuletzt auch ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt ist. Befürchtet wird, dass sich eine zweite Corona-Welle von Madrid aus auf ganz Spanien ausbreiten könnte. Die Behörden wollen einen kompletten Lockdown wie im Frühjahr mit verheerenden Folgen für die ohnehin schon angeschlagene spanische Wirtschaft unbedingt vermeiden. Die Ratingagentur S&P hatte ihren Ausblick für Spanien am Freitag von stabil auf negativ gesenkt.

Mit mehr als 640.000 Infektionen und fast 30.500 Toten ist Spanien das von der Corona-Pandemie am schlimmsten getroffene Land Westeuropas. Auf die Region um die Hauptstadt entfällt seit Wochen mehr als ein Drittel aller Neuinfektionen.

Protest gegen geringen Abstand in der Oper

Lautstarker Protest aus Angst vor einer Ansteckung hatte bereits gestern zu einem Abbruch einer Vorstellung im Madrider Opernhaus Teatro Real geführt. Die Gäste auf den oberen, billigeren Rängen protestierten am Sonntagabend mit Buhrufen und Schreien gegen zu geringe Sicherheitsabstände. Die Aufführung der Oper "Un ballo in maschera" (Ein Maskenball) von Giuseppe Verdi war wegen der anhaltenden Empörungsbekundungen bald abgebrochen worden.

Das Real teilte mit, der Protest "einer Minderheit" habe den Abbruch erzwungen, obwohl man "alle geltenden Vorschriften befolgt" habe. Lediglich 51,5 Prozent aller Plätze seien besetzt gewesen. Man werde eine Untersuchung des "bedauerlichen Zwischenfalls" einleiten, damit er sich in Zukunft nicht wiederhole, hieß es. Die Zeitung "ABC" sprach von einem Skandal. Videos, die von Medien und Besuchern gepostet wurden, zeigen, dass vor allem die oberen Ränge dicht gefüllt waren.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. September 2020 um 14:00 Uhr.

Darstellung: