Peter Madsen auf der Flucht vor der Polizei | Bildquelle: Nils Meilvang/EPA-EFE/Shuttersto

Mörder von Journalistin Wall Madsen scheitert mit Fluchtversuch

Stand: 20.10.2020 16:58 Uhr

Wegen des Mordes an der Journalistin Kim Wall wurde er zu lebenslanger Haft verurteilt: Der dänische U-Boot-Erfinder Madsen hat jetzt versucht, aus dem Gefängnis zu fliehen. Auf freiem Fuß war er aber nur kurz.

Mit einem Gefängnisausbruch hat der wegen der Ermordung der schwedischen Journalistin Kim Wall verurteilte U-Boot-Bauer Peter Madsen die dänische Polizei in Atem gehalten. Der 49-jährige Däne wurde nach Polizeiangaben kurz nach seiner Flucht aus einem Gefängnis im Kopenhagener Vorort Albertslund gefasst, wo er eine lebenslange Haftstrafe absitzen muss. Zuletzt soll er in Isolationshaft gewesen sein, da es Hinweise auf einen bevorstehenden Fluchtversuch gegeben habe.

Madsen kam nur wenige hundert Meter weit

Er habe einen Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin bedroht, sagte die Leiterin der Haftanstalt Herstedvester, Hanne Høegh Rasmussen, auf einer Pressekonferenz im dänischen Albertslund. Physisch sei keiner der Angestellten verletzt worden, psychisch sei die Situation für die Betroffenen aber sehr belastend. Viel mehr könne sie noch nicht sagen - außer dass Madsen wieder in Gewahrsam genommen worden sei.

Die dänische Boulevardzeitung "Ekstra Bladet" berichtete, Madsen habe eine Psychologin mit einem pistolenähnlichen Gegenstand bedroht. Von solch einem Gegenstand sprach auch Polizeiermittler Mogens Lauridsen. Die Polizei glaube nicht, dass es sich um eine echte Waffe gehandelt habe. Madsen habe auch etwas am Körper getragen, das einem Bombengürtel geähnelt habe. Es gebe aber keine Anzeichen dafür, dass dieser wirklich Sprengstoff enthalten habe.

Madsen sei gefasst worden, als er in einen weißen Lieferwagen habe springen wollen. Es deute nichts darauf hin, dass der Fahrer den Ausbrecher gekannt habe. Glücklicherweise sei Madsen nur für einen relativ kurzen Zeitraum auf freiem Fuß gewesen: Um 10.21 Uhr habe die Haftanstalt den Ausbruch gemeldet, um 10.26 Uhr sei er gestoppt worden.

Nachträgliches Geständnis

Madsen war im April 2018 für schuldig befunden worden, die Schwedin Wall mit dem Versprechen, ihr ein Interview zu geben, auf sein selbst gebautes U-Boot gelockt zu haben. Dort habe er sich an ihr sexuell vergangen, sie gequält, ermordet, verstümmelt und die Leichenteile in der Ostsee versenkt. Madsen wurde zu lebenslanger Haft verurteilt, was in Dänemark üblicherweise 16 Jahre Gefängnis bedeutet. Bei einer Gefahr für die Öffentlichkeit könnte die Haftdauer aber durchaus länger währen.

In einer Anfang September ausgestrahlten Fernsehdokumentation hatte Madsen den Mord an Wall im August 2017 nachträglich gestanden. Auf die Frage, ob er die Schwedin vor rund drei Jahren getötet habe, antwortete er am Telefon mit "Ja". "Es gibt nur einen Schuldigen, und das bin ich", fügte er hinzu.

Mit Informationen von Carsten Schmiester, ARD-Studio Stockholm

Nach Bombendrohung und Fluchtversuch: Madsen festgenommen
Carsten Schmiester, ARD Stockholm
20.10.2020 16:09 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 20. Oktober 2020 um 18:14 Uhr.

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