Nicolàs Maduro, Präsident von Venezuela, spricht während einer landesweiten Fernsehansprache aus dem Miraflores Palast.  | Bildquelle: REUTERS

Mutmaßlicher Anschlag in Caracas Venezuela meldet sechs Festnahmen

Stand: 06.08.2018 09:08 Uhr

Nach dem vermeintlichen Drohnenanschlag in Venezuela sind laut Behörden sechs Menschen festgenommen worden. Kritiker befürchten, dass Staatschef Maduro nun die Repressionen verschärft.

Von Christina Fee Moebus, ARD-Studio Mexiko-Stadt

Das mutmaßliche Attentat auf den venezolanischen Präsident Nicolás Maduro hinterlässt viele Fragezeichen. Sind wirklich Kampfdrohnen nahe der Bühne explodiert, auf der der Staatschef gerade eine Rede gehalten hatte? Wer steckt konkret hinter dem Anschlag? Und vor allem: War es überhaupt ein Anschlag? Der einzige, der daran offenbar überhaupt keinen Zweifel hat, ist Maduro selbst. Er sagt, Oppositionelle wollten ihn töten.

Egal, ob Anschlag oder nicht: Klar scheint, dass sich Maduro die Vorfälle schon jetzt für PR-Zwecke zu Nutze macht. Auf Twitter veröffentlichte der ehemalige Busfahrer ein Video. "Wir machen mit dem Weg des Friedens weiter und werden für Wohlstand im Land sorgen", schreibt er.

Opposition befürchtet Inszenierung

Es klingt schon fast zynisch, denn das Land steckt mitten in einer tiefen Wirtschafts- und Versorgungskrise. Der Staat galoppiert auf eine Hyperinflation von einer Million Prozent zu. So hat es der internationale Währungsfonds für dieses Jahr prognostiziert.

Der Bevölkerung fehlt es an Grundnahrungsmitteln, an Medikamenten, an Strom. Die Opposition wirft Maduro außerdem einen autoritären Führungsstil vor. Sie mutmaßt, er könnte den Anschlag inszeniert haben, um noch härter gegen Kritiker im Land vorgehen zu können.

"Flanellsoldaten" bekennen sich

Allerdings taucht direkt nach dem Vorfall in Caracas auch ein Bekennerschreiben auf - das der "Soldados de franela", in etwa übersetzt "Flanellsoldaten". Diese sind eine bisher unbekannte Gruppe von Militärs und "patriotischen Zivilisten" wie sie selbst auf Twitter schreibt.

Die Moderatorin eines venezolanischen Internetkanals liest das Schreiben vor: "Unsere Ziele sind die Rückkehr zu Frieden, zu Wohlstand und zu Fortschritt", heißt es darin. "Es geht gegen die militärische Ehre, eine Regierung zu unterstützen, die nicht nur die Verfassung vergessen, sondern sich auch noch auf obszöne Weise bereichert hat."

Die Ehefrau von Nicolàs Maduro zuckt zusammen. | Bildquelle: dpa
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Die Ehefrau von Nicolás Maduro zuckt zusammen, als der Knall zu hören ist.

Sechs Menschen festgenommen

Die venezolanischen Behörden haben unabhängig davon schon einige Festnahmen verkündet. Sechs Menschen seien verhaftet worden, sagte Innenminister Néstor Reverol. "In der Hauptstadt haben wir mehrere Razzien durchgeführt", berichtet er. "Dabei wurde wichtiges Beweismaterial sichergestellt. Es sind Filmaufnahmen von mutmaßlichen Kollaborateuren der Tat. Die Urheber und Köpfe hinter dem Material waren ganz eindeutig zu identifizieren."

Als weitere Köpfe hinter dem vereitelten Drohnenangriff sieht Maduro Kolumbiens Staatschef und Friedensnobelpreisträger Juan Manuel Santos sowie Finanziers aus dem US-Bundesstaat Florida. Santos bezeichnete das als "absurd". Und auch US-Sicherheitsberater John Bolton wies die Vorwürfe energisch zurück.

Eine unabhängige Aufklärung der Ereignisse wird wohl auch mittelfristig schwierig sein: In Venezuela sind die wichtigsten Posten in Justiz und Politik an regierungstreue Funktionäre vergeben.

Viele Fragezeichen nach mutmaßlichem Attentat auf Maduro
Christina Fee Moebus, ARD-Mittelamerika
06.08.2018 08:01 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 06. August 2018 um 06:04 Uhr.

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