Malala mit dem pakistanischen Premierminister Shahid Khaqan Abbasi | Bildquelle: PID HANDOUT/EPA-EFE/REX/Shutters

Pakistan Nicht alle freuen sich über Malalas Besuch

Stand: 29.03.2018 14:02 Uhr

Malalas Pakistan-Besuch ist das große Gesprächsthema in ihrem Heimatland. Während sie für viele der "Stolz der Nation" ist, schlägt ihr auf der anderen Seite auch viel Hass entgegen.

Von Jürgen Webermann, ARD-Studio Neu-Delhi

Es war ein emotionaler Tag für viele Menschen in Pakistan, aber besonders für Malala selbst. "Ich kann immer noch nicht glauben, dass das wahr ist", sagte sie. "Dass das hier gerade wirklich passiert."

Seit fünf Jahren habe sie davon geträumt, ihr Land wieder besuchen zu können. "Ich reise nach New York, nach London. Und sage mir immer: 'Stell dir vor, du würdest nach Islamabad fliegen, oder nach Karachi.' Aber das geht dann nie in Erfüllung. Aber heute bin ich glücklich."

Malala wischte sich Tränen aus den Augen. Sie war sichtlich gerührt. Eine bekannte pakistanische Journalistin schrieb daraufhin, sie habe auch geweint. Malala sei der Stolz Pakistans. Ihre Sache sei größer als das Land. Pakistan und seine Menschen stünden hinter ihr. Damit traf sie den Nerv vieler Menschen.

Aufenthalt unter schwerer Bewachung

Premierminister Shahid Khaqan Abbasi empfing Malala zu einem Gespräch in seiner Residenz, auch er erfreut über den Besuch. "Ich bin glücklich, dass unsere Tochter, die so berühmt wurde in der Welt, zu uns zurückgekehrt ist. Als du gegangen bist, warst du 13 Jahre alt. Aber du kehrst zurück als die prominenteste Bürgerin unseres Landes."

Malala war in der Nacht am Flughafen von Islamabad gelandet. Die Nachricht kam für die Pakistanerinnen und Pakistaner überraschend, denn die Behörden hatten den Besuch geheim gehalten.

Sie wohnt in einem schwer gesicherten Hotel im Zentrum der Hauptstadt. Mit dabei sind Mitarbeiter ihrer Stiftung und ihre Eltern.

Freude und Verschwörungstheorien

Auch in den sozialen Medien ist Malala das große Gesprächsthema. Viele Menschen freuten sich und schrieben, sie seien stolz auf die 20 Jahre alte Friedensnobelpreisträgerin. Der Besuch zeige außerdem, dass sich die Sicherheitslage in Pakistan verbessert habe.

Andere wiederum kontern mit Hass und Verschwörungstheorien. Malala sei eine Agentin des Westens. Sie beschmutze den Islam, sei völlig verwestlicht und ohnehin von den USA gekauft. Diese Anschuldigungen sind nur eine kleine Auswahl.

Die Taliban wollten sie töten

Sätze wie dieser hatten Malala berühmt gemacht:

"Lasst uns unsere Bücher und Stifte nehmen. Sie sind unsere mächtigsten Waffen. Ein Kind, ein Lehrer, ein Buch und ein Stift können die Welt verändern. Bildung ist die einzige Lösung."

Malala hatte in ihrer Heimat, dem malerischen Swat-Tal in den Bergen Nordwestpakistans, vor allem für Mädchenbildung gekämpft. Als die pakistanischen Taliban das Swat-Tal kontrollierten, schrieb Malala für die pakistanische Redaktion der BBC unter einem Pseudonym ein Tagebuch. Damals war sie elf Jahre alt.

2012 schossen Extremisten ihr schließlich in den Kopf, als sie im Schulbus saß. Die Taliban bekannten sich zu der Tat. Malala wurde zur Behandlung nach Großbritannien gebracht. Seitdem besuchte sie Pakistan nicht mehr.

2014 erhielt sie den Friedensnobelpreis. Sie schrieb ein Buch mit dem Titel "Ich bin Malala". Pakistans damaliger Premierminister Sharif nannte sie den "Stolz der Nation".

Ein Mann schaut auf einen Fernseher, in dem der Besuch Malalas beim Premierminister übertragen wird. | Bildquelle: AP
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Malalas Besuch wird von vielen Pakistanis verfolgt.

Neid, Spott und Kritik

Jetzt studiert die junge Frau in Oxford - eine Nachricht, die in Pakistan für Aufsehen gesorgt hat. Denn auf Fotos war Malala zwar mit Kopftuch, aber auch in engen Jeans zu sehen. Das rief sofort Tugendwächter auf den Plan.

Wer im Land nach Malala fragt, hört häufig Neid, Spott und Kritik. Dass Malala den Friedensnobelpreis bekommen hat, sei das Werk der Amerikaner, sagten einige schon 2014. Und dass Malala in ihrem Buch ein falsches Bild von Pakistan und dem Islam zeichnet.

Wohl kein Besuch im Swat-Tal

Weil es auch Morddrohungen gegen Malala gibt, sind die Sicherheitsvorkehrungen rund um ihren Besuch in Pakistan sehr groß. Ins Swat-Tal, ihre Heimatregion, wird sie wohl nicht reisen können. Angeblich bekam sie dafür keine Erlaubnis der Sicherheitsbehörden.

Dafür, so heißt es, seien Freunde und Verwandte nach Islamabad gereist, um Malala zu treffen. Lokale Medien berichten, dass sie wahrscheinlich vier Tage in Pakistan bleiben werde. Eine dauerhafte Rückkehr, von der Malala immer wieder öffentlich gesprochen hat, wäre für sie wohl nach wie vor zu gefährlich.

Malala erstmals wieder in Pakistan
Jürgen Webermann, ARD Neu-Delhi
29.03.2018 12:46 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 29. März 2018 um 11:00 Uhr.

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