Anwar Ibrahim

Urteil gegen Malaysias Oppositionsführer Fünf Jahre Haft wegen Homosexualität

Stand: 10.02.2015 11:59 Uhr

Homosexualität ist in Malaysia verboten und kann mit bis zu 20 Jahren Haft bestraft werden. Für fünf Jahre muss deshalb nun Oppositionschef Anwar ins Gefängnis. Das Oberste Gericht bestätigte jetzt ein entsprechendes Urteil. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass Anwar im Jahr 2008 Sex mit einem früheren Mitarbeiter hatte. Er selbst spricht von einer "politischen Verschwörung".

Von Udo Schmidt, ARD-Hörfunkstudio Südostasien

Hunderte Anhänger Anwar Ibrahims demonstrierten vor dem Gerichtsgebäude. "Reformasi" ("Reformen"), riefen sie immer wieder. Davon ist Malaysia nach dem Urteil gegen den wichtigsten Oppositionsführer des Landes weit entfernt.

Das Oberste Gericht in Kuala Lumpur bestätigte ein im vergangenen Jahr gefälltes Urteil gegen Anwar: fünf Jahre Haft wegen sexuellen Missbrauchs eines Assistenten. 2008 soll der Oppositionsführer Sex mit einem Mitarbeiter gehabt haben. Für Staatsanwaltschaft und Gericht ist die Schuld des 67-jährigen Anwar zweifelsfrei erwiesen.

Mit einer beschriebenen Herrenunterhose Größe XXXXXXL protestieren Anwars Anhänger gegen das Urteil.
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Für seine Anhäger ist das Urteil eine Farce. Sie protestieren dagegen vor dem Gericht.

Anwar und seine Frau auf dem Weg ins Gericht
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Anwar und seine Frau Wan Azizah auf dem Weg ins Gericht.

Für Anwar, für seine Anhänger und auch für viele unabhängige Beobachter geht mit diesem Urteil ein politischer Prozess gegen den wichtigsten Konkurrenten des malaysischen Premierminister, Najib Razak, zu Ende.

Noch vor der Urteilsverkündung sagte Anwar im Gericht: "Autokraten sollten nicht über politische Karrieren anderer entscheiden." Nach dem Urteil gab Anwar sich kämpferisch, während seine Frau in Tränen ausbrach. "Es geht mir gut", rief er seinen Anhängern zu, "auf Wiedersehen in einigen Jahren."

Wahlbetrug im Jahr 2013?

Anhänger von Oppositionsführer Anwar protestieren gegen das Urteil
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Anwars Anhäger fühlen sich um ihren Wahlsieg im Jahr 2013 betrogen. Sie fordern Reformen und Gerechtigkeit für den Oppositionsführer.

Die Parteienkoalition Pakatan Rakyat mit Anwar als Spitzenkandidat hatte bei den Wahlen im Mai 2013 nur knapp einen Sieg verfehlt. Oppositionsanhänger, aber auch Wahlbeobachter sprachen von möglichem Wahlbetrug.

Im vergangenen Jahr hatte ein Berufungsgericht den 67-Jährigen dann zu fünf Jahren Haft verurteilt, wogegen seine Anwälte erneut Berufung einlegten. Anwar hatte wegen Korruption und Missbrauch schon einmal sechs Jahre im Gefängnis gesessen. Auch damals galt der Prozess als politisch motiviert.

Vorwurf der Homosexualität kann Karrieren zerstören

Homosexualität ist im muslimischen Malaysia strafbar. Schon der Vorwurf, homosexuellen Geschlechtsverkehr gehabt zu haben, kann im konservativ-muslimischen Land Karrieren zerstören.

Die Barisan Nasional Koalition regiert Malaysia bereits seit Jahrzehnten. Najib Razak sprach in einer ersten Stellungnahme nach der Urteilsverkündung davon, dass die Regierung nicht in den Prozess involviert gewesen sei und alle Parteien das Urteil zu respektieren hätten.

Die Anhänger Anwars auf den Straßen Kuala Lumpurs - schon vor knapp zwei Jahren zumindest ihrer eigenen Ansicht nach um einen verdienten Wahlsieg gebracht - sehen das ganz anders.

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