Minusma Mali Bundeswehr | Bildquelle: AFP

Erweiterte EU-Mission Malis Lage bleibt prekär

Stand: 29.05.2020 12:33 Uhr

Terrorismus, Verbrechen des Militärs und nun das Coronavirus: Das westafrikanische Mali bleibt ein Krisenherd. Der Bundestag hat einer Ausweitung des Bundeswehreinsatzes zugestimmt.

Von Dunja Sadaqi, ARD-Studio Nordwestafrika 

"Um 5.00 Uhr morgens kamen sie ins Dorf und begannen zu töten", erzählt Binta Sagara. "Sie haben sieben Menschen getötet, meinen Mann, meinen großer Bruder. Wir haben genug. Ich bin hier mit meinen Kindern und wir wissen nicht weiter. Wir brauchen Hilfe."

Binta Sagaras Schilderung aus der nordmalischen Stadt Gao ist die Geschichte von Millionen von Menschen in der Sahelzone. Terroristen haben in der Region Tausende Menschen getötet und Millionen vertrieben. Daran haben auch sieben Jahre massive internationale Militärinterventionen nichts geändert.

Und das kritisiert auch die Bevölkerung immer lauter, so wie diese Demonstrantin aus der Hauptstadt Bamako: "Mali und die Malier haben genug von dem, was hier passiert. Man tötet unsere Kinder. Man tötet unsere Eltern. Man tötet schwangere Frauen. Mali sollte von der Operation Barkhane beschützt werden. Was machen die?"

Stephan Stuchlik, ARD Berlin, über einen Bundeswehreinsatz in Mali
tagesschau 12:00 Uhr, 29.05.2020

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

12.000 internationale Soldaten in Mali

Barkhane, so heißt die von den Franzosen geführte Militäroperation. Mehrere internationale Militärbündnisse befinden sich in Mali. Die UN-Stabilisierungsmission MINUSMA zum Beispiel, an der auch die Bundeswehr beteiligt ist.

Mali Soldaten | Bildquelle: dpa
galerie

Soldaten der malischen Streitkräfte treten im Ausbildungszentrum der EU im malischen Koulikoro an.

MINUSMA gilt bis heute als die gefährlichste Blauhelm-Mission weltweit. Die EU bildet malische Sicherheitskräfte aus. Das afrikanische Anti-Terror-Bündnis G5-Sahel jagt Terroristen über die Landesgrenzen hinaus. Über 12.000 internationale SoldatInnen sind in Mali - trotzdem spitzt sich die Lage zu. ZivilistInnen und SoldatenInnen werden immer wieder das Ziel von Anschlägen.

Gründe für Gewalt gibt es viele

Die Gewalt kommt in Mali aus verschiedenen Richtungen: Bandenkriminalität, ethnische Spannungen, Landnutzungskonflikte, konkurrierende Milizen, und das längst nicht mehr nur im Norden Malis, sondern vor allem auch im Zentrum. Viele Malier machen sogar Malis Militär für Verbrechen verantwortlich, zum Beispiel für außergerichtliche Tötungen - ohne Prozess, ohne Urteil. Das dokumentieren auch Berichte der Vereinten Nationen.

"Die Dynamik in der Region hat sich nicht verändert", sagt Sicherheitsexperte Dario Cristiani vom German Marshall Fund in Washington. Für die sowieso schon schwachen Krisenstaaten stehe zurzeit der Kampf gegen das Coronavirus im Vordergrund und nicht der Terrorismus.

Corona erschwert alles

Die Corona-Maßnahmen binden Sicherheitskräfte, zum Beispiel um Ausgangssperren und Versammlungsverbote durchzusetzen. Auch internationale Truppen passen sich der Ausnahmesituation an, wie auch die Bundeswehr. Sie hat ihre Beteiligung am EU-Ausbildungsprogramm für malische Soldaten personell auf ein Minimum reduziert. SoldatInnen vor Ort sprechen von erheblichen Einschränkungen durch die Pandemie.

Die wirtschaftlichen Konsequenzen der Krise könnten zum Problem werden, sagt Dario Cristiani. "Es gibt durchaus die Möglichkeit, dass diese schwachen Staaten in Westafrika und der Sahelzone mehr Ressourcen ins staatliche Gesundheitswesen stecken als in die Sicherheit. "

Langfristig hinge es auch davon ab, wie schwer die europäischen Staaten wirtschaftlich von der Krise getroffen würden: "In Europa werden wir bei einigen Staaten eine signifikante Reduzierung in den Ausgaben für Verteidigung sehen und keinen großen Appetit darauf, sich im Ausland militärisch mehr einzubringen", vermutet Cristiani.

Verhandlungen mit Dschihadisten

In Mali versucht die Regierung politisch trotzdem zu demonstrieren, dass der Staat funktioniert. Ende März wurden Parlamentswahlen durchgeführt. Trotz Corona, trotz Sicherheitslage, obwohl kurz vor den Wahlen auch noch der Oppositionschef von Extremisten entführt worden war.

Malis Präsident hat vor Monaten einen Strategiewechsel angekündigt. Man wolle versuchen, mit den Dschihadisten zu verhandeln. Dazu raten Sicherheitsexperten seit Jahren.

Denn Malis prekäre Sicherheitssituation sei auch das Ergebnis davon, dass der Staat in vielen Regionen schlichtweg nicht mehr sichtbar sei. Bildung, Arbeit, Gesundheit - in diese Lücke stießen dann Extremisten, sagt Konfliktforscher Bakary Sambe vom Afrikanischen Zentrum für Friedensforschung.

"Kalaschnikows töten keine Ideologie"

"In der Menschheitsgeschichte hat eine Kalaschnikow noch nie eine Ideologie getötet. Die Ideologie des Terrorismus muss bekämpft werden mit Bildung, sozialen Reformen und Antworten für die Jugend, die sich verzweifelt in Booten Richtung Europa aufmacht."

Man dürfe sich nicht auf das Militär verlassen: "Meiner Meinung nach hat das den Terrorismus noch nie aufgehalten. Die Amerikaner sind seit 15 Jahren in Afghanistan und die Taliban sind immer noch da", sagt Sambe.

Europäische Staaten haben angekündigt, ihr Engagement in der Region zu verstärken, auch Deutschland. Die Vereinten Nationen wollen unter anderem stärker die Bereiche Gesundheit und regionale Verwaltung unterstützen. Auch das fordern SicherheitsexpertInnen schon lange. 

Mehr Bundeswehr in Mali: Kein Ende der Gewalt in Sicht
Dunja Sadaqi, ARD Rabat
29.05.2020 08:54 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. Mai 2020 um 12:00 Uhr.

Korrespondentin

Darstellung: