Die Französin Sophie Petronin nach ihrer Befreiung mit dem malischen Übergangspräsidenten Bah N'Daw | Bildquelle: AP

Nach langer Gefangenschaft Vier Geiseln in Mali befreit

Stand: 09.10.2020 08:57 Uhr

Eine französische Entwicklungshelferin, zwei Italiener sowie der malische Oppositionsführer Cissé sind teils Jahre nach ihrer Verschleppung durch mutmaßliche Dschihadisten frei. Ihre Familien nahmen sie in Bamako in Empfang.

Mutmaßliche Dschihadisten haben in Mali eine seit 2016 verschleppte Französin sowie zwei Italiener freigelassen. Zudem sei der im März entführte Oppositionsführer Soumaïla Cissé freigekommen, teilte die malische Präsidentschaft mit.

Die vier Freigelassenen sind bereits in der malischen Hauptstadt Bamako angekommen. Dort wurden sie von Familienmitgliedern und Regierungsvertretern empfangen. Sie wurden zu einem Empfang in den Präsidentenpalast in Bamako gebracht.

Petronin vor vier Jahren verschleppt

Die 75-jährige französische Entwicklungshelferin Sophie Petronin war im Dezember 2016 verschleppt worden. Sie hatte zu dem Zeitpunkt Waisenkinder betreut. Bei der Ankunft in Bamako riss ihr Sohn sie mit einer festen Umarmung von ihren Füßen und rief immer wieder "Mutter! Mutter!"

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron twitterte, er habe mit Petronin telefoniert und werde sie bei ihrer Rückkehr am Freitag begrüßen. "Was für eine Freude, ihre Stimme zu hören und zu wissen, dass sie jetzt sicher ist", schrieb er.

Der 70-jährige prominente malische Politiker Cissé war im März entführt worden, als er beim Wahlkampf in Timbuktu war. Er wurde in Abwesenheit erneut ins Parlament gewählt. "Ich habe sechs Monate unter (...) sehr schwierigen Bedingungen verbracht, in beinahe permanenter Isolation, aber ich muss zugeben, dass ich nicht Objekt von Gewalt war, weder physisch noch verbal", sagte Cissé dem staatlichen malischen Fernsehsender ORTM.

Der ebenfalls befreite Italiener Pierluigi Maccalli, ein romanisch-katholischer Missionar der Gesellschaft der Afrikamissionen (SMA), war 2018 im Niger entführt worden.

Der Italiener Nicola Chiacchio war vergangenes Jahr in Mali entführt worden. Das berichtete Menastream, eine unabhängige Beratungsfirma für Risiko und Forschung, die sich auf die Sahelzone und Nordafrika konzentriert.

Wegen eines Videos, das beide Männer zeigte, war bekannt, dass sie von den gleichen Geiselnehmern gefangen gehalten wurden.

Gefangenenaustausch möglicher Hintergrund

Die malische Regierung hatte am Wochenende fast 200 dschihadistische Gefangene freigelassen. Daraufhin war gemutmaßt worden, dass eine Freilassung von Geiseln bevorstehen könnte. Ob Lösegeld bezahlt wurde, ist unklar.

Unklar ist zudem, wie viele ausländische Geiseln die mit Al-Kaida verbundene Gruppe JNIM und ihre Verbündeten noch in ihrer Gewalt haben. Vermutet werden mindestens fünf: der australische Arzt Ken Elliott, die kolumbianische Nonne Gloria Cecilia Narvaez Argoti, der Südafrikaner Christo Bothma, die Schweizerin Beatrice Stockly und der Rumäne Julian Ghergut.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. Oktober 2020 um 05:00 Uhr in den Nachrichten.

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