Malis Präsident Keita | Bildquelle: REUTERS

Mali Präsident tritt nach Putschversuch zurück

Stand: 19.08.2020 03:33 Uhr

Seit Monaten demonstrierten Menschen für den Rücktritt des malischen Präsidenten. Nach einem Putschversuch des Militärs und seiner Festnahme hat Keita nun verkündet, aus dem Amt auszuscheiden. Die Putschisten versprechen Neuwahlen "in angemessener Zeit".

Der malische Präsident Ibrahim Boubacar Keita hat seinen Rücktritt verkündet. "Ich wünsche mir, dass kein Blut vergossen wird, um mich an der Macht zu halten", sagte Keita kurz vor Mitternacht im staatlichen Fernsehsender ORTM des westafrikanischen Landes. "Ich habe beschlossen, von meinem Amt zurückzutreten." Der Rücktritt sei sofort gültig.

Malis Präsident tritt zurück
tagesschau 12:00 Uhr, 19.08.2020, Caroline Hoffmann, ARD Nairobi

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Keita gab auch bekannt, dass die Regierung und die Nationalversammlung aufgelöst würden. Zuvor waren Keita und Ministerpräsident Boubou Cissé bei einem mutmaßlichen Putschversuch festgenommen worden. Die Festnahmen folgten auf eine Revolte in einer Kaserne in Kati. In der nahe gelegenen Hauptstadt Bamako waren am Dienstagabend bewaffnete Soldaten zu sehen, die ungehindert durch die Straßen zogen. Kurz zuvor hatten sie Augenzeugen zufolge auch das private Anwesen von Keita umstellt und Schüsse in die Luft gefeuert. Die Soldaten nahmen zudem den Finanzminister und hochrangige Offiziere fest.

Malische Soldaten vor dem Anwesen Keitas. | Bildquelle: AP
galerie

Malische Soldaten vor dem Anwesen Keitas.

Jubel auf den Straßen von Bamako

In den Straßen Bamakos feierten nach Keitas Rücktritt Tausende Mitglieder der Protestbewegung M5, einem Bündnis aus Zivilgesellschaft, Opposition und religiösen Führern. Erst einen Tag zuvor hatte die Bewegung angekündigt, wegen der prekären Sicherheitslage im Land täglich neue Demonstrationen organisieren zu wollen.

"Wir sind heute hier, um unsere Armee zu unterstützen. Denn die Armee hat entschieden, die Sache selbst in die Hand zu nehmen und das Volk zu befreien", sagte die Demonstrantin Aminata Traoréjubelte. Das Volk habe genug gelitten.

Putschisten versprechen Neuwahlen

Die Anführer des Militärputsches versprachen, in "angemessener Zeit" Neuwahlen abzuhalten, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete. "Wir, die patriotischen Kräfte des Nationalen Komitees zum Wohl des Volkes, haben entschieden, unsere Verantwortung vor dem Volk und der Geschichte zu übernehmen", sagte Ismael Wagué, der stellvertretende Stabschef der Luftwaffe, im Staatsfernsehen. Zugleich sagte er zu, dass bestehende internationale Verträge eingehalten würden.

Keita war 2013 demokratisch mit einer Mehrheit von mehr als 77 Prozent der Stimmen gewählt und fünf Jahre später im Amt bestätigt worden. International genoss er Unterstützung, innenpolitisch stand er jedoch unter anderem wegen seines Umgangs mit islamistischen Extremisten unter Druck.

Druck durch Extremisten und Demonstranten

Der "Islamische Staat" und Terrorgruppen, die mit Al-Kaida in Verbindung stehen, hatten im vergangenen Jahr tödliche Angriffe verübt. Eine Welle besonders tödlicher Attacken im Norden des Landes veranlasste die Regierung 2019, ihre verwundbarsten Außenposten zu schließen, um die Verluste einzudämmen.

Kritiker werfen Keita vor, dass er die schlechte Sicherheitslage im Land nicht in den Griff bekam, obwohl zehntausende Soldaten im Land operieren - darunter auch die Bundeswehr. Angesichts der Entwicklungen in Mali wurden die Bundeswehrsoldaten laut einem Sprecher des Einsatzführungskommandos angewiesen, vorerst in ihren Stützpunkten zu bleiben. Direkt betroffen seien die Soldaten bisher jedoch nicht.

Die Parlamentswahlen vor einigen Monaten waren ebenfalls umstritten, was für Proteste sorgte. Seit Juni war Keita bei Demonstrationen zum Rücktritt aufgefordert worden. Seine letzte Amtszeit hätte eigentlich noch weitere drei Jahre gedauert.

Maas verurteilt "verfassungswidrige Machtübernahme"

Der mutmaßliche Putschversuch stieß international auf harsche Kritik. Die Afrikanische Union, die Vereinten Nationen, die regionale Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas und die Europäische Union verurteilten die Festnahme Keitas.

Auch Bundesaußenminister Heiko Maas kritisierte die Entwicklungen in Mali. "Wir verurteilen entschieden den Versuch, in Mali eine verfassungswidrige Machtübernahme durch das Militär herbeizuführen. Die verfassungsmäßige Ordnung muss wiederhergestellt werden", erklärte Bundesaußenminister Heiko Maas via Twitter. Alle Seiten seien aufgerufen, auf Gewalt zu verzichten. Die Ereignisse seien kein Beitrag für die Stabilität und gesellschaftliche Aussöhnung.

Mit Informationen von Dunja Sadaqi, ARD-Studio Rabat

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 19. August 2020 um 09:00 Uhr.

Darstellung: