Dichtes Gedränge herrscht an der "Bierstraße" von Palma de Mallorca. | Bildquelle: dpa

Party-Urlauber auf Mallorca Angst vor einem zweiten Ischgl

Stand: 13.07.2020 07:30 Uhr

Mallorcas Partyhochburgen blicken auf ein turbulentes Wochenende zurück. Deutsche und britische Touristen ignorierten beim Feiern sämtliche Corona-Regeln. Auf der Insel herrscht Entsetzen - und große Sorge.

Von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

Hunderte Urlauber stehen dicht gedrängt vor den Lokalen an der Playa de Palma, halten Biergläser in den Händen und singen die Partysongs mit, die aus dem Lautsprechern schallen. Im Grunde ist es ein normaler Freitagabend im Juli in Mallorcas Partyhochburg. Doch dieser Sommer ist nicht normal.

Wegen der Corona-Pandemie hätte es Szenen wie diese nicht geben dürfen, sagt Frank Winkler, Sprecher des Nachbarschaftsvereins Playa de Palma. Denn so gut wie niemand trug in dieser Partynacht eine Maske oder hielt den Mindestabstand von anderthalb Metern zu anderen ein.

"Ich verstehe diese Art von Touristen nicht, die hierher kommen und einfach so tun, als wäre nie irgendetwas passiert", sagt Winkler. "Es ist einfach verantwortungslos. Und das lässt natürlich die Deutschen auch in einem sehr schlechten Licht darstehen."

Dichtes Gedränge herrscht an der "Bierstraße" von Palma de Mallorca. | Bildquelle: dpa
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Feiern ohne Abstand und Maske: Diese Bilder verärgerten am Wochenende viele Mallorquiner.

 Mallorca kämpft gegen den Sauftourismus

Die Regionalzeitung "Última hora" titelte: "Chaos". Die Lage sei völlig außer Kontrolle geraten. Unter dem Artikel in der Online-Ausgabe schreiben Leser von einer "Schande" und Feiernden, die von der "Mafia der Tourismuslobby beschützt" würden.

Doch auch die Branche selbst sieht die Szenen vom Wochenende kritisch. "Das alles ist fatal und besorgt uns sehr", beteuert Pepe Tirado, Präsident des Verbandes der Tourismusunternehmer auf Mallorca ACOTUR, im mallorquinischen Fernsehen. "Es gab ja Erfolge im Kampf gegen diese Art des Tourismus. Wir haben in den vergangenen Jahren hart gearbeitet, damit sich solche Exzesse nicht wiederholen." 

Die Branche und die Regierung der Balearen wollten weg vom Sauftourismus, das Image Mallorcas aufpolieren. Viele Hotels wurden renoviert, Cafés und Bars moderner gemacht, Verordnungen erlassen, wonach auf der Straße und am Strand kein Alkohol mehr getrunken werden darf.

Vorwürfe gegen die Polizei

Doch kontrolliert würden die Regeln kaum, beklagt Winkler vom Nachbarschaftsverein. Die Lokalpolizei glänze abends und nachts durch Abwesenheit, berichtet er. "Und wenn keiner da ist, der dafür sorgt, dass die Anweisungen umgesetzt werden, dann brauche ich die auch gar nicht erst zu erlassen."

Mallorquinische Medien berichten, dass auch in der Nacht von Freitag auf Samstag in den Partyzentren so gut wie keine Polizei zu sehen war. Dem widersprachen inzwischen die Behörden. Am Wochenende seien durchaus Beamte in den entsprechenden Gebieten im Einsatz gewesen. Man habe in 51 Lokalen eingegriffen und 24 Verstöße gegen die geltenden Corona-Regeln festgestellt.

Man wolle die Gesundheit aller schützen, sagt Isabel Castro, Regionalministerin für die öffentliche Verwaltung. Es könne nicht sein, dass einige wenige durch ihr Verhalten die Bevölkerung der Balearen in Gefahr brächten.

Wirte verschärfen Sicherheitsmaßnahmen

Das möchten auch die Wirte an der Playa de Palma nicht: Einige haben ihre Tische im Außenbereich mit Zäunen und Ketten von der Straße getrennt. So sollen die Abstandsregeln besser eingehalten werden. Zusätzliches Sicherheitspersonal passt zudem auf, dass nicht mehr Gäste in eine Bar oder ein Restaurant kommen als erlaubt. Zudem gilt ab heute auf den Balearischen Inseln eine verschärfte Maskenpflicht im Freien. Ausnahmen sind nur für Strände und Pools vorgesehen. 

Es ist ein schmaler Grat: Einerseits freut sich die Tourismusindustrie, dass nach der Corona-Zwangspause wieder Urlauber anreisen, die Umsätze bringen. Andererseits ist allen klar, dass Mallorca kein zweites Ischgl werden darf.

"Das ist fatal!" - So reagiert Mallorca auf das Corona-Partywochenende
Oliver Neuroth, ARD Madrid
13.07.2020 07:13 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. Juli 2020 um 05:25 Uhr in der Sendung "Informationen am Morgen".

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