Der Strand von Magaluf. | Bildquelle: AFP

Britische Hochburg Magaluf Tourismus um jeden Preis

Stand: 10.07.2020 05:25 Uhr

Der Ort Magaluf auf Mallorca ist traditionell britische Partyhochburg. Nach der Corona-bedingten Leere kommen nun langsam die Touristen zurück - das macht nicht nur Laune bei den Einheimischen.

Von Marc Dugge, ARD-Studio Madrid

"Wir sind die ersten", sagt der Tourist aus dem schottischen Glasgow. "Die Flüge waren gebucht, also sind wir gekommen." Er hat ein kostenloses Upgrade in eine Suite bekommen - es ist ja auch sonst kaum jemand da. Mit seinem Urlaub ist er bisher sehr zufrieden: "Ich liebe es. Alles schön und friedlich."

Ruhe und Frieden sucht normalerweise kaum jemand, der im Juli nach Magaluf kommt. Es ist die Hochsaison des "Balconings": Ein Ritus, bei dem vor allem junge Briten versuchen, sich vom Hotelbalkon in den Swimming Pool zu stürzen - was tragischerweise nicht immer gelingt. Es ist die Zeit des exzessiven Pub-Crawlings, also der Kneipentouren der heftigen Art. Und es ist auch eine Zeit der interkulturellen Begegnungen, wenn mallorquinische Straßenreiniger mit britischen Alkoholleichen auf Tuchfühlung gehen. 

Verspäteter Saisonstart

In diesem Juli wirkt Magaluf trotz der Hitze wie an einen Wintertag. An allen Ecken wird gewerkelt: Die Bars und Geschäfte hübschen sich für den Saisonstart auf. Auch dieser Pub hat gerade erst aufgemacht:

"Ich weiß nicht, ob wir morgen Kunden haben werden. Vielleicht, ein paar Hotels haben ja auf. Alles hängt in der Luft. Keine Ahnung was passiert. Das ist die Zone der Engländer. Wenn die nicht kommen, müssen wir schließen."

Jetzt sollen sie ja kommen. Nicht auf einen Schlag, dafür gibt es noch nicht genügend Flugverbindungen. Aber in den kommenden Wochen dürfte es sich hier schon wieder etwas füllen. Das ist für viele hier Grund zur Freude - aber auch zur Sorge. Erst recht nach den Bildern vom letzten Wochenende.

Furcht vor ungezügelten Partytouristen

In Großbritannien hatten nach wochenlanger Zwangspause erstmals wieder die Pubs geöffnet. Manche nutzten das für ein hemmungsloses Trinkgelage. Abstandhalten und Maskentragen - Fehlanzeige. Die Befürchtungen, dass sich solche Szenen auch auf Mallorca wiederholen, spürt auch der schottische Urlauber:

"Einige haben Angst vor den Engländern. Von den Hotelangestellten haben einige gesagt, dass sie sich Sorgen machen, wenn jetzt jeder kommen kann."

"Wir sind besorgt, weil das mit Risiken verbunden ist", sagt Xavier Pasquet, Stadtrat für Tourismus der Gemeinde Calvia, zu der Magaluf gehört. "Jede Ansammlung von Menschen, die außer Kontrolle gerät, ist eine potentielle Gefahr."

Dies sei nicht nur eine Gefahr für die Gesundheit, weil sich das Virus wieder ausbreiten könnte. Es sei auch eine Gefahr für die Wirtschaft, weil es dramatische Folgen hätte, wenn die Epidemie wiederaufflammen würde. Die Insel müsste in diesem Fall wieder eine wirtschaftliche Vollbremsung hinlegen- schließlich ist sie in großem Maße vom Tourismus abhängig. 

Weg vom Ruf der Exzessmeile

Xavier Pasquet ist allerdings sowieso kein Fan des alten Tourismusmodells von Magaluf. Damit ist er in guter Gesellschaft: Den Ruf als Exzessmeile möchte die Gemeinde so schnell wie möglich loswerden. In diesem Jahr hat sie die Regeln für den Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit verschärft. 

"Im Rathaus setzen wir auf einen Qualitätstourismus. Die Epidemie wirkt dabei wie ein Hebel, diesen Wechsel schneller hinzubekommen. Denn er hat gezeigt, dass das kein Modell ist, zu dem wir zurückkehren wollen."

Für andere im Ort sind solche Diskussionen allerdings derzeit zweitrangig. Auch für diesen Mann, der in einem der etwas heruntergekommenen Wohnblocks in der Nähe des Strandes wohnt und hier im Gastgewerbe arbeitet.

"Es ist furchtbar. Ich hoffe, dass die Dinge besser werden und dass die Urlauber kommen. Wir leben doch vom Tourismus. Wenn es keinen Tourismus gibt, gibt es kein Leben. Mein Geld reicht gerade so zum Leben"

Er wartet sehnsüchtig auf die Urlauber. Auch wenn diese das Virus unbemerkt auf die Insel bringen könnten. Denn verpflichtende Coronatests für Touristen gibt es nicht auf Mallorca.

"Wir versuchen, unser Brot zu verdienen - egal, wer kommt. Da ist schon Angst. Aber auch viel Angst vor dem Hunger."

Und die ist hier bei vielen derzeit größer. 

Mitarbeit: Brigitte Kramer, Mallorca

Partyzone Magaluf? Wie sich Mallorca auf britische Touristen vorbereitet
Marc Dugge, ARD Madrid
10.07.2020 05:57 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 10. Juli 2020 um 10:28 Uhr.

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