Corona in Brasilien Luftstreitkräfte liefern Sauerstoff nach Manaus

Stand: 15.01.2021 19:31 Uhr

Die abgelegene Amazonas-Metropole Manaus hat sich in Brasilien erneut zum Corona-Hotspot entwickelt. Das Gesundheitssystem ist zusammengebrochen, vor allem fehlt es an Sauerstoff. Nun helfen die Luftstreitkräfte bei der Versorgung.

Nach dem Zusammenbruch des Gesundheitssystems in der Amazonas-Metropole Manaus haben Brasiliens Luftstreitkräfte Sauerstoff geliefert. Das brasilianische Nachrichtenportal "G1" berichtete, zwei Transportflugzeuge mit 386 Sauerstoff-Zylindern seien in der abgelegenen Stadt mitten im Amazonas-Gebiet angekommen.

Gesundheitsminister Eduardo Pazuello hatte am Donnerstagabend in einer Übertragung in sozialen Netzwerken zusammen mit Präsident Jair Bolsonaro bestätigt: "Es gibt einen Kollaps in der Gesundheitsversorgung in Manaus." Demnach warteten dort 480 Covid-19-Patienten auf ein Krankenhausbett.

Zum zweiten Mal Hotspot

Ärzte und Pfleger berichten von chaotischen Verhältnissen in den Kliniken oder sogar von Szenen, die an Kriegszustände erinnern sollen. Die Urwaldmetropole ist zum zweiten Mal der Hotspot der Pandemie in Brasilien. Allein in der ersten Januarhälfte wurden mehr Patienten in die Krankenhäuser eingeliefert als im ganzen Monat April - das war der Höhepunkt der ersten Welle.

Damals wurden in Manaus Massengräber ausgehoben, jetzt sind die Bestatter wieder überfordert. Der Bürgermeister von Manaus hatte zuletzt bereits angekündigt, mehr als 20.000 neue Gräber bereitzustellen.

Anders als bei der ersten Welle fehlen diesmal aber nicht Beatmungsgeräte, sondern schlicht und einfach Sauerstoff. Die Fabriken vor Ort können den Bedarf nicht mehr decken. Und Manaus liegt zu abgelegen für schnelle Abhilfe.

Sorge wegen Mutation

Auch mit dem Schiff wurde schon Nachschub geliefert. Trotzdem reicht der Sauerstoff immer noch nicht für alle Patienten. Die Regierung des Bundesstaats Amazonas versucht jetzt sogar, im krisengeschüttelten Nachbarstadt Venezuela Sauerstoffflaschen zu bekommen. Persönlichkeiten wie der YouTuber Felipe Neto oder der Fußballer Richarlison forderten in sozialen Netzwerken "Oxigenio para Manaus" - Sauerstoff für Manaus. Auch die deutschen Bundesliga-Clubs Eintracht Frankfurt und VfL Wolfsburg schlossen sich der Aktion an.

Wissenschaftler äußern sich beunruhigt. Anscheinend grassiert im Amazonasgebiet eine Virus-Mutation, die den in England und Südafrika gefundenen Varianten ähnelt, die also noch ansteckender sein könnte als das bis jetzt grassierende Virus.

Mit Informationen von Ivo Marusczyk, ARD-Studio Buenos Aires.

Sauerstoff-Not in Brasilien: Manaus wird schon wieder zum Corona-Hot Spot
Ivo Marusczyk, ARD Buenos Aires
15.01.2021 18:55 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. Januar 2021 um 12:34 Uhr in der Sendung "Informationen am Mittag".

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