Fluggäste mit Koffern warten am Flughafen Marrakesch auf ihren Flug (Bild vom 15.03.2020). | Bildquelle: AFP

Urlauber in Marokko Warten auf den Rückholflug

Stand: 17.03.2020 09:31 Uhr

Seit Marokko in der Corona-Krise seine Grenze geschlossen hat, sitzen mehr als 4000 Deutsche im Urlaub fest. Sie sind aufgebracht - und werfen den deutschen Behörden vor, sie im Stich zu lassen.

Von Dunja Sadaqi, ARD-Studio Nordwestafrika

Eine Woche erholsamen Marokko-Urlaub in der Sonne, so hatte es sich Saskia Ballon eigentlich vorgestellt. Die 31-jährige Anwältin aus Düsseldorf reiste am 8.März in das nordafrikanische Königreich nach Taghazout, ein beliebter Bade- und Surf-Ort im Süden des Landes. Dort wollte sie Strandurlaub machen. Dann überschlugen sich die Nachrichten.

Wegen der Ausbreitung des Coronavirus in Europa schloss Marokko innerhalb weniger Tage seine Grenzen und setzte seinen Luft- und Schiffsverkehr aus. Ballon, die eigentlich am Sonntag im Flieger sitzen sollte, erhielt die Information: Ihr Flug ist gestrichen. Seitdem ist sie ratlos.

"Wir wissen nicht, wie die Versorgung hier weiterläuft. Wir sind einfach ganz klassische Urlauber, die zurückwollten", klagt sie. Individualreisende seien vom Auswärtigen Amt und von der Deutschen Botschaft in Rabat zu lange nicht informiert worden.

Tumultartige Szenen am Flughafen

Seit Montag sind in Marokko Schulen und Universitäten geschlossen. Größere Veranstaltungen finden nicht mehr statt. Am Montagnachmittag schlossen bis auf weiteres Cafés, Restaurants, Theater, Kinos sowie Moscheen.

Der 23-jährige Marius aus Marburg ist mit seiner Freundin in Marrakesch gestrandet. Ihn beunruhigt die Situation vor Ort. "Wir haben zurzeit auch so ein bisschen Angst auf die Straßen rauszugehen, weil wir so ein bisschen das Gefühl haben, dass die Marokkaner den Touristen die Schuld geben, dass das Virus in ihr Land gekommen ist", sagt er.

Touristen schlendern über den Djemaa el Fna-Marktplatz in Marrakesch. | Bildquelle: AFP
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Touristen schlendern über den Djemaa el Fna-Marktplatz in Marrakesch.

In den vergangenen Tagen versuchten zahlreiche Touristen, noch einen früheren Flug in die Heimat zu ergattern oder Informationen über eine Umbuchung am Flughafen zu erhalten. Vom Flughafen in Marrakesch kursieren Videos tumultartiger Szenen in den sozialen Medien. Sie zeigen chaotische Zustände an Funkschaltern: Sprechchöre, Geklatsche, Streit.

Das haben auch Kerstin und Robin erlebt, die nach Karlsruhe zurückwollen. "Wir haben 20 Stunden am Stück am Flughafen verbracht ohne Schlaf und es gab keinerlei Informationen, keinerlei Durchsagen", schildert sie. "Wir haben stundenlang in irgendwelchen Schlangen angestanden, in der Hoffnung irgendeinen Flug umzubuchen. Wir wurden mehrfach abgewiesen."

Rechte von Reisenden bei Einreisestopps

Wer eine Pauschalreise gebucht hat, also ein Paket aus Flug, Hotel und anderen Dingen, der kann die bei einem Einreisestopp kostenfrei stornieren. Hat man schon gezahlt, bekommt man vom Veranstalter das Geld zurück.

Ist man auf eigene Faust unterwegs, also bei einer Individualreise, dann gilt: Für den Flug kann man sein Geld zurückverlangen. Für Hotel oder Mietwagen hängt das von den Regeln vor Ort ab. Kann sein, dass man da auf Kulanz angewiesen ist.

Wenn man im Job schon Urlaub genommen hat, dann hat man kein Recht darauf, den einseitig wieder zu streichen. Man sollte das also mit dem Chef besprechen, ob man nicht doch zur Arbeit kommen kann. Vielleicht freut der sich ja darüber grade in diesen Zeiten.

Von Frank Bräutigam, ARD-Rechtsexperte

"Gestrandete Deutsche" organisieren sich

Mittlerweile haben sich die Urlauber in einer Whatsapp-Gruppe organisiert - "Gestrandete Deutsche" heißt sie. Dort tauschen sie Informationen aus, versuchen sich Mut zuzusprechen. Denn viele befürchten Hotelschließungen.

Manche haben chronische Erkrankungen und haben Angst, sich vielleicht nicht ausreichend mit Medikamenten versorgen zu können. Mehr als 140 Mitglieder hat die Gruppe schon, auch Saskia Ballon ist ihr beigetreten.

Was die Gruppenmitglieder eint: Sie fühlen sich von den deutschen Behörden zu spät und schlecht informiert. 

Ballon schildert, sie habe bei der Deutschen Botschaft und im Auswärtigen Amt in Berlin angerufen, aber niemanden erreicht - nach einer gewissen Wartezeit sei einfach aufgelegt worden. "Wenn wir jetzt hören, dass nur eine Mitarbeiterin zuständig war für die gesamten Anfragen, verstehe ich natürlich auch, dass da niemand durchkam. Aber das hätte man ändern müssen", sagt sie.

Auswärtiges Amt verweist auf Mitteilungen

Das Auswärtige Amt verweist auf seine veröffentlichte schriftliche Mitteilung. Darin heißt es, zusammen mit der Deutschen Botschaft in Rabat, Reiseveranstaltern und den EU-Partnern arbeite man mit Hochdruck daran, Rückreisemöglichkeiten für deutsche Staatsangehörige aus Marokko zu schaffen.

Mittlerweile hat die Deutsche Botschaft Rabat laut Webseite einen einen Krisenstab eingerichtet, der telefonisch erreichbar sein soll. Viele Urlauber aus der "Gestrandeten"-Whatsappgruppe berichten, bislang seien die Leitungen durchgehend besetzt.

Wegen Coronavirus - deutsche Urlauber hängen in Marokko fest
Dunja Sadaqi, ARD Rabat
17.03.2020 08:45 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 17. März 2020 um 07:38 Uhr.

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