Marsch der Lebenden in Auschwitz

"Marsch der Lebenden" in Auschwitz "Eine große Demonstration der Überlebenden"

Stand: 05.05.2016 18:29 Uhr

Mit dem "Marsch der Lebenden" haben Tausende Menschen in Auschwitz-Birkenau der Opfer der Nazi-Verbrechen in Polen gedacht. Überlebende und Nachkommen gingen gemeinsam den drei Kilometer langen Weg ins einstige Vernichtungslager.

Von Michael Reinartz, ARD-Studio Warschau

Mit dem Klang des Schofarhornes, eines alten Musikinstrumentes aus dem Vorderen Orient, beginnt auch in diesem Jahr der "Marsch der Lebenden". Der Schofar erinnert an die geplante Opferung des Isaak durch seinen Vater Abraham. Eine uralte bilblische Geschichte - deren Inhalt und Bedeutung die Teilnehmer an der Veranstaltung in Auschwitz kennen. Rund 8000 junge Juden aus der ganzen Welt sind gekommen. Gemeinsam gehen sie den drei Kilometer langen Weg vom Tor mit der Aufschrift "Arbeit macht frei" bis zum einstigen Vernichtungslager Birkenau.

"Ein deutliches Symbol"

Die meisten von ihnen tragen israelische Fahnen auf den Schultern, auch viele polnische Flaggen sind zu sehen. Piotr Cywinski, Direktor des Museums auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers, freut sich über den Anblick so vieler junger Menschen. "Es ist eine große Demonstration derjenigen, die hier überlebt haben und ihrer Nachkommen, und es ist ein deutliches Symbol dafür, dass der Holocaust der Nazis nicht das letzte Wort hat", sagt Cywinski. "Es kommen junge Menschen aus der ganzen Welt, sie haben die Gelegenheit, die Geschichte des Ortes kennenzulernen und die Orte zu sehen, die mit dem größten Drama des Menschen im 20. Jahrhundert verbunden sind."

"Auch für uns ist das wichtig"

Tatsächlich legten auch 2016 wieder einige Überlebende aus dem damaligen Konzentrationslager den Weg gemeinsam mit den jungen Leuten zurück - ein beeindruckendes Bild. Auch daran wird sich dieser junge Mann sicher noch lange erinnern: "Wir sind hier, um der Menschen, die hier umgekommen sind, zu gedenken. Obwohl so viele Jahre vergangen sind und ich hier keine persönliche Beziehung habe, muss man sich daran erinnern, welche Tragödie sich hier ereignet hat."

Ein Mädchen kniet auf Bahngleisen des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz und blickt auf eine Gedenktafel, die sie gerade dorthin gelegt hat.
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Auch viele junge Juden waren zum alljährlichen "Marsch der Lebenden" gekommen.

Ein Mädchen im Teenager-Alter meint: "Wir wollen unsere Achtung für die Juden und die Polen zeigen. Hier können wir Menschen aus anderen Ländern kennenlernen und zeigen, auch für uns ist das wichtig, und wir werden das nie vergessen - den Holocaust und was während des Krieges geschehen ist."

Nürnberger Rassegesetze als Schwerpunkt

Themenschwerpunkt der Veranstaltung sind in diesem Jahr die Nürnberger Rassegesetze aus dem Jahr 1935. Sie gelten als Grundlage für den Völkermord an den Juden durch die Nationalsozialisten. Dazu fand in diesen Tagen bereits eine Fachtagung internationaler Juristen an der Universität Krakau statt. Den "Marsch der Lebenden" gibt es seit 1988. Er findet alljährlich an Jom Haschoah, dem israelischen Holocaust-Gedenktag, statt.

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Überlebende des Vernichtungslagers Auschwitz (27. Januar 2015)

Zofia Wareluk

Zwei Wochen vor der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz wurde Zofia Wareluk (70) im Lager geboren. Ihre Mutter wurde in Auschwitz eingeliefert, als sie im vierten Monat schwanger war.

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