Aus der Luft sind der havarierte Frachter und das auslaufende Öl im Meer zu erkennen. | Bildquelle: AP

Ölpest vor Mauritius "Hier sieht man nur schwarz"

Stand: 09.08.2020 13:49 Uhr

Aus dem vor Mauritius havarierten Frachter "Wakashio" entweicht weiter Öl. Helfer versuchen verzweifelt, die einzigartige Natur zu schützen. Unterstützung erhalten sie nun von Experten aus Frankreich.

Von Jana Genth, ARD-Studio Johannesburg

Mauritius - da denkt man an traumhafte Strände und bunte Korallenriffs, türkisblaue Lagunen und kleine Fischerboote. Doch das Urlaubsparadies ist in heller Aufregung, weil ein japanischer Tanker vor zwei Wochen auf Grund gelaufen ist. Seit Donnerstag entweicht nun auch noch Öl ins Meer - und das in der Nähe mehrerer Naturschutzgebiete.

Ein Mann sammelt vor Mauritius Öl aus dem Meer in einem Eimer. | Bildquelle: AFP
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Den Helfern auf Mauritius fehlt Technologie, um die Ölpest effektiv zu bekämpfen.

Stürmisches Wetter erschwert die Arbeiten

Mauritius ist mit Dürren und Zyklonen vertraut, erlebt eine solche Umweltkatastrophe aber zum ersten Mal. Unter Hochdruck versuchen die Menschen alles, um das Schlimmste zu verhindern. Aber die Bedingungen sind erschwert, denn das Wetter ist derzeit alles andere als idyllisch. Der Sturm peitscht über die ursprünglich türkisblaue Lagune, in der sich das Öl immer weiter ausbreitet.

Sunil Dowarkasing von Greenpeace Mauritius ist mit vielen Freiwilligen und Regierungsvertretern vor Ort. "Es sieht einfach schrecklich aus, alles ist schwarz, es ist eine schwarze Wand", sagte er. "Ich bin in einem kleinen Dorf in der Nähe der großen Ölpest, aber auch hier sieht man nur schwarz und kein blaues Meer."

"Wir riechen das doch überall"

Deshalb packen die Menschen an, so gut sie können. Parvati Gokhool ist eine der Helferinnen, die Material verladen und zu einem schon nicht mehr strahlend weißen Strand bringen. "Ich denke, dass ich einfach helfen muss", sagte sie dem L'Express, einem Fernsehsender in Mauritius. "Wir sind betroffen von der Ölpest, wir riechen das doch überall. Deshalb müssen wir hier alles so schnell wie möglich reinigen." Alles, was sie fühle, sei Unbehagen.

Gokhool und andere Freiwillige sortieren Zuckerrohrblätter und lange, trockene Grashalme. Dann rollen sie diese in Plastiksäcke ein, umhüllen sie mit Decken und nähen sie zusammen. Die so hergestellten Ölsperren werden trotz des starken Windes am Strand und auf dem Wasser verteilt.

"Was sollen wir tun?"

Die Zeit drängt, denn immer mehr Öl verteilt sich, das aus dem Frachter läuft. Tote Fische und ölverschmierte Krabben wurden schon ans Ufer gespült. "Die Verschmutzung, das Öl hat die Strände erreicht", sagte Dowarkasing ernüchtert. "Es ist massiv, und wir wissen nicht einmal, wie wir damit umgehen sollen. Ich schaue das Wasser an, und Öl schwimmt darauf. Was sollen wir tun? Wir haben die Mittel gar nicht, nicht die Technologie und nicht die Kapazität für diese gewaltige Menge an ausgelaufenem Öl."

Ganz bewusst bat die Regierung deshalb um Hilfe. Die ersten französischen Experten sind von La Reunión angekommen. Und auch die Vereinten Nationen kündigten an, Mauritius dabei unterstützen zu wollen, die Ölkatastrophe abzumildern. 

Mauritius kämpft gegen die Ölpest
Jana Genth, ARD Johannesburg
09.08.2020 12:21 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. August 2020 um 18:33 Uhr.

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