Andrew McCabe | Bildquelle: dpa

Früherer FBI-Vize McCabe Neues Buch, neuer Ärger

Stand: 19.02.2019 01:48 Uhr

Als FBI-Vize McCabe gefeuert wurde, feierte US-Präsident Trump dies als "großen Tag für die Demokratie". Jetzt erscheint ein Buch McCabes, das im Justizausschuss bereits für Wirbel sorgt.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Es waren chaotische Tage im Mai 2017, erinnert sich Andrew McCabe in einem Interview des Senders CBS. Am 9. Mai hatte US-Präsident Donald Trump den Direktor der Bundespolizei FBI, James Comey, gefeuert - "wegen der Russland-Sache", wie Trump es damals begründete. Führende Mitarbeiter sowohl beim FBI als auch im Justizministerium waren nicht nur geschockt, betont McCabe. Vor allem fürchteten sie, dass Trump die FBI-Untersuchung über die Russland-Kontakte seines Wahlkampfteams unterbinden wollte.

US-Vizejustizminister Rod Rosenstein | Bildquelle: REUTERS
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US-Vizejustizminister Rod Rosenstein soll über die Absetzung Trumps nachgedacht haben.

Der stellvertretende Justizminister Rod Rosenstein sei dermaßen alarmiert gewesen, dass er ernsthaft darüber nachdachte, ob man Trump absetzen könne - und zwar auf der Grundlage des 25. Zusatzartikels der US-Verfassung. Danach kann ein Präsident wegen geistiger oder physischer Unfähigkeit abgesetzt werden, falls der Vizepräsident und die Mehrheit des Kabinetts dem zustimmen. McCabe schildert die Situation so:

"Der stellvertretende Justizminister bot sogar an, ein Aufnahmegerät mitzunehmen, um den Präsidenten heimlich mitzuschneiden. Er werde im Weißen Haus nie untersucht und könne dies problemlos tun. Er machte keine Scherze, sondern meinte es ernst und sprach auch in unserem nächsten Treffen darüber."

Trump sieht "verräterisches Verhalten"

Rosenstein, der pikanterweise von Trump zum stellvertretenden Justizminister ernannt wurde, weist die Aussagen McCabes zurück. Dagegen versichert McCabe, es gebe für seine Darstellung weitere Zeugen. US-Präsident Trump sieht sich in seinen schlimmsten Befürchtungen bestätigt. Per Twitter warf er beiden "verräterisches Verhalten" vor und sprach von einem versuchten "illegalen Staatsstreich gegen den Präsidenten".

Justizausschuss ist alarmiert

Der republikanische Senator und Vorsitzende des Justizausschusses im Senat, Lindsey Graham, kündigte an, er werde McCabe und Rosenstein notfalls mit Zwangsvorladung zwingen, im Ausschuss die Wahrheit zu sagen: "Der Kongress hat die Aufgabe, die Exekutive zu beaufsichtigen. Ich verspreche Ihnen, wir werden in einem Hearing herausfinden, wer die Wahrheit sagt und was tatsächlich geschah."

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Übereinstimmungen mit den Schilderungen von Comey

FBI-Chef James Comey bei einer Anhörung im März 2017 zu Trumps Russlandaffäre. | Bildquelle: REUTERS
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McCabes Schilderungen ähneln denen seines früheren Chefs Comey.

McCabes Äußerungen über das angebliche Komplott gegen Trump überschatten die anderen Botschaften in seinem lesenswerten Buch "The Threat" - "Die Bedrohung". In vielen Punkten bestätigt McCabe die Schilderungen von James Comey in dessen Buch "Größer als das Amt". Besonders schockierend für die Führungsspitzen von FBI und CIA sei, so McCabe, dass Trump bei vielen Themen dem russischen Präsidenten Wladimir Putin mehr vertraue als den eigenen Geheimdiensten. Beispiel Nordkorea: "Trump glaubte nicht, dass uns nordkoreanische Raketen in den USA treffen können. Weil Präsident Putin ihm das versichert habe. 'Egal, was ihr sagt: ich glaube Putin'."

26 Stunden vor der Pensionierung gefeuert

Trump ließ McCabe im vergangenen März feuern - 26 Stunden vor seiner Pensionierung, so dass McCabe nun auf erhebliche Teile seiner Pension verzichten muss. Trump sprach damals auf Twitter von einem "großartigen Tag für die Demokratie". McCabe sorgt sich heute um die Unabhängigkeit des FBI: "Dass ich 26 Stunden vor meiner Pensionierung gefeuert wurde, ist eine unglaublich eiskalte Botschaft an alle Männer und Frauen im FBI: Auch Du könntest Zielscheibe werden. Das beunruhigt mich viel mehr als der Verlust meiner Pensionsansprüche."

Schon absehbar ist, dass bald auch der stellvertretende Justizminister Rod Rosenstein seinen Posten räumen muss. Und auch der Stuhl von US-Geheimdienstkoordinator Dan Coats soll wackeln. Coats, früher US-Botschafter in Deutschland, ist einer der wenigen in der US-Regierung, der sich noch traut, Trump zu widersprechen.

Aussagen von Ex-FBI-Vize McCabe - Senat untersucht Komplott gegen Trump
Martin Ganslmeier, ARD Washington
19.02.2019 00:40 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 19. Februar 2019 um 09:50 Uhr.

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