Entscheidung im Iran Fatwa gegen Rushdie erneuert

Stand: 15.02.2003 12:28 Uhr

Die radikalislamischen Revolutionswächter in Iran haben das vor 14 Jahren gegen den Schriftsteller Salman Rushdie verhängte Todesurteil erneuert. Ihm wird weiterhin vorgeworfen, in seinen "Satanischen Versen" den Islam beleidigt zu haben. Das noch von Revolutionsführer Ajatollah Ruhollah Chomeini verhängte Todesurteil, die Fatwa, könne nicht widerufen werden.  

Das Kopfgeld für die Ermordung Rushdies wurde von 2,8 auf drei Millionen Dollar erhöht, wie der Leiter der halbstaatlichen Chordad-Stiftung, Ajatollah Hassan Saneii mitteilte. Die Erneuerung des Todesurteils wurde von radikalislamischen Presse in Iran auf den Titelseiten groß gewürdigt, liberale Blätter ignorierten sie.

Todesurteil gegen Reformer aufgehoben

Mehr als drei Monate nach dem umstrittenen Todesurteil gegen den reformorientierten iranischen Wissenschaftler Haschem Aghadschari hat das Oberste Gericht in Iran den Richterspruch aufgehoben. Die Mehrheit der Richter sei der Ansicht, dass das "Urteil im Widerspruch zum Recht" stehe, sagte ein Richter am Freitag. Das Verfahren wurde an die erste Instanz zurückverwiesen, die das Todesurteil gefällt hatte. Der Anwalt Aghadscharis bestätigte die Entscheidung.

Das Todesurteil hatte monatelang immer wieder Tausende Studenten zu Protesten auf die Straßen getrieben. Zugleich wuchsen die Spannungen zwischen der geistlichen Führung um Ayatollah Ali Chamenei und dem reformorientierten Staatspräsidenten Mohammed Chatami. Ende November hatte die iranische Justiz eine Überprüfung des Urteils angekündigt. Der Wissenschaftler war verurteilt worden, weil er das religiös orientierte Regierungssystem in Iran in Frage gestellt haben soll.

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